weather-image
17°
Oberbürgermeister setzt Ermittlungsgruppe ein / 47-Jähriger unter Verdacht

Halbe Million Euro aus Stadtkasse ergaunert

HAMELN. Der Fall, an dem Polizei und Staatsanwaltschaft bereits seit mehreren Monaten arbeiten, sprengt von der Dimension her alles bisher Dagewesene – zumindest bei der Stadt Hameln. Es geht um Untreue im großen Stil. Der Schaden wird auf mehr als 500 000 Euro geschätzt. Insider schließen zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus, dass am Ende eine viel höhere Summe im Raum stehen wird. Unter Verdacht: ein 47 Jahre alter ehemaliger Rathaus-Mitarbeiter, der zehn Jahre lang krumme Sachen gemacht haben soll, als er noch in der Stadtkasse beschäftigt war. Entsprechende Informationen der Dewezet haben am Montag sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Stadtverwaltung auf Anfrage bestätigt.

veröffentlicht am 18.09.2017 um 20:05 Uhr

Erst im Frühjahr kam ans Licht, dass im Rathaus jahrelang Geld veruntreut worden ist. Foto: Archiv/Dana
Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Wir haben ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der Untreue eingeleitet“, sagte die Erste Staatsanwältin Kathrin Söfker. Über einen langen Zeitraum soll der Mann Geld in die eigene Tasche abgezweigt haben – möglicherweise tagein, tagaus. Es gehe um die Jahre 2004 bis 2014. Danach, so Söfker, sei der städtische Mitarbeiter in einem anderen Bereich tätig gewesen. Dort soll er nicht mehr an Bares herangekommen sein. Erst im Frühjahr 2017 kam alles ans Licht. Im Mai wurde die Polizei eingeschaltet. Die Stadt stellte Strafantrag, suspendierte den Mitarbeiter vom Dienst und feuerte ihn kurz danach fristlos.

Das ist ein hohes Maß an krimineller Energie.

Claudio Griese, Oberbürgermeister

Der Beschuldigte sei geständig, trage mit zur Aufklärung bei, sagte Söfker. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass die Nachforschungen noch einige Zeit andauern werden. Kein Wunder: Hunderttausende von Buchungsposten müssen überprüft, unzählige Vorgänge durchleuchtet werden. Eine genaue Schadenssumme werde voraussichtlich erst zum Jahresende genannt werden können, sagte der städtische Referatsleiter Thomas Wahmes. Oberbürgermeister Claudio Griese hat eine interne Arbeitsgruppe eingesetzt, um den Fall aufzuklären. Der Rathaus-Chef ist entsetzt: „Das ist ein hohes Maß an krimineller Energie“, stellt er fest. Dem Angestellten sei es „aufgrund seines ausgeprägten Fachwissens“ gelungen, „komplexe Buchungssysteme zu überlisten“, hieß es. Auch das Vier-Augen-Prinzip konnte ihn nicht stoppen. Der Mann soll bar eingezahlte Beträge in die eigene Tasche gesteckt und die einzelnen Straftaten durch fingierte Buchungen verschleiert haben. Trotz Kassenprüfungen, die unangekündigt vom Rechnungsprüfungsamt durchgeführt wurden, und weiterer Sicherungssysteme habe es keine Chance gegeben, die Taten zu entdecken, sagte ein Mitarbeiter der Verwaltung. Erst durch einen Zufall waren die Buchungen aufgefallen. „Jemand hat nach einem Vorgang gesucht und ist dabei auf Ungereimtheiten gestoßen“, erzählt eine vertrauenswürdige Quelle.

Nach Dewezet-Recherchen, die von Behördenvertretern bestätigt wurden, besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte das ergaunerte Geld verspielt hat. Die internen Ermittlungen der Verwaltung gestalten sich „extrem schwierig“. Die Stadt Hameln setzt deshalb auch auf externe Experten der Kommunalen Datenverarbeitung aus Oldenburg. Die Staatsanwaltschaft Hannover prüft derweil, wie viele Straftaten überhaupt noch angeklagt werden können, denn: Untreue ist nach fünf Jahren verjährt.

Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare