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Oberbürgermeister positioniert sich

Hafen zuschütten? „Nicht mit mir“

Die Hausboot-Community im Hamelner Schutzhafen stellt sich eine bange Frage: Wird das Hafenbecken nun doch teilweise zugeschüttet oder mit einer zwei Meter hohen Flutmauer umgeben? Die Kommunalpolitiker haben es in der Hand.

veröffentlicht am 01.05.2019 um 14:50 Uhr

Der Hamelner Schutzhafen – „ein Kleinod, das wir bewahren müssen“, sagt Oberbürgermeister Claudio Griese. Foto: ube
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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HAMELN. Am Donnerstag beschäftigt sich der Ausschuss für Stadtentwicklung mit dem Thema, schon am 9. Mai soll der Stadtrat einen sogenannten Aufstellungsbeschluss für den Rahmenplan „Hafenquartier“ fassen. Die Öffentlichkeit solle beteiligt werden, heißt es. Hafenverein und Hausboot-Besitzer fühlen sich dennoch von der Verwaltung ausgebootet. „Es soll wieder einmal über die Köpfe der Menschen, die dort leben, hinwegentschieden werden“, glaubt Martin Höxter, Vorsitzender des Hafenvereins. „Wir wollen nicht zugeschüttet und auch nicht eingemauert werden“, sagt Höxter.

Hinter vorgehaltener Hand ist zu hören, dass Oberbürgermeister Claudio Griese nicht gerade begeistert ist von der Art und Weise der Vorstellung der Vorlage, über die die Politiker nun diskutieren sollen. Er stellt klar: „Entschieden ist noch gar nichts. Ich stehe zu meinem Wort: Eine Teilverfüllung des Hafenbeckens ist mit mir nicht zu machen.“

Das Thema ist nicht neu – es geht um Hochwasserschutz und um Fördergelder. Aber auch um die heimische Wirtschaft, denn: „Faktisch liegen unter anderem die Flächen von Volvo und Kaminski im gesetzlichen Überschwemmungsgebiet. Das hat zur Folge, dass bauliche Maßnahmen stark eingeschränkt sind“, schreibt die Verwaltung.

Eile sei geboten, heißt es in der Vorlage der Stadt Hameln. „Um die Fördermöglichkeiten aus dem Hochwasserschutz der Landesprogramme nutzen zu können, ist hier kurzfristig eine Entscheidung erforderlich.“ Den Deich zu erneuern, ist nach Meinung der Kommune nicht möglich. Angeblich gibt es dafür nicht genug Platz. „Der das Hafenbecken umgebende Deich bietet unter heutigen Gesichtspunkten keinen wirksamen Hochwasserschutz mehr. Hier ist entweder ein neuer Deich anzulegen, was jedoch aus Platzgründen nicht möglich ist, oder eine Hochwasserschutzmauer von 1,80 Meter bis 2 Meter Höhe zum angrenzenden Gelände erforderlich“, so die Verwaltung. Sind es wirklich Platzgründe – oder wäre eine Deichsanierung nur zu teuer? Im Jahr 2016 musste nach Angaben des damaligen Hafenvereinsvorsitzenden Knut Brokate eine andere Begründung herhalten. Die Stadt habe den Hafenverein-Vertretern erklärt, dass der Deich am Schutzhafen löchrig ist. „Angeblich ist die Sanierung des Hafendeichs zu teuer“, zitierte Brokate städtische Vertreter. Ähnliche Pläne lagen schon 2016 auf dem Tisch. Seinerzeit hat sich Oberbürgermeister Claudio Griese klar positioniert. Er trete für den Erhalt des Hafens ein und setze alles daran, dass der Bereich aufgewertet werde. „Es handelt sich um ein Kleinod, das wir bewahren müssen.“

Griese machte keinen Hehl aus seiner Meinung, dass er ein Zuschütten des Hafens nicht unterstützt. Er wisse natürlich, dass der Hochwasserschutz in Hameln verbessert werden müsse und der Hafenbereich zu den gefährdeten Gebieten gehöre. „Aber es gibt auch andere Möglichkeiten, den Hochwasserschutz zu gewährleisten, als einen Teil des Hafens aufzufüllen“, sagte der Oberbürgermeister im Gespräch mit der Dewezet und verwies auf seine bereits im Wahlkampf gemachten Aussagen, das Weserufer mitsamt dem Hafen attraktiver zu gestalten und das Leben und Wohnen am Fluss zu ermöglichen. „Ein Zuschütten von Teilen des Hafens passt nicht zu meinen Überlegungen.“

Variante II, die nun wieder in der Vorlage auftaucht, sieht aber genau das vor. Die Rede ist von einer Teilverfüllung. „Wir haben geglaubt, dass diese Option vom Tisch ist“, sagt Martin Höxter. Eher zufällig hätten die Hafen-Freunde von den Plänen aus der Dewezet erfahren. „Gesprochen hat mit mir im Vorfeld niemand. Das ist schlechter Stil“, schimpft Höxter und spricht von „Existenzängsten“.

Griese tritt für den Erhalt des Hafens in seiner jetzigen Größe ein: Die Varianten, über die die Politiker beraten sollen, stellen für ihn „kein klassisches Alternativverhältnis dar“. Variante II, die die Situation nach einer Teilverfüllung zeigt, will der Oberbürgermeister lediglich als „Denkanstoß“ verstehen, über den diskutiert werden sollte, weil sie einen Platz am Hafen als städtebauliches Element beinhaltet. Mit einer Zustimmung der Politik zu einer Teilverfüllung rechnet der OB nicht.

Der Hafen sei eine Oase für Mensch und Tier. „Es gibt dort seltene und zum Teil streng geschützte Vögel“, sagt Höxter. Kerstin Becker, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Reiner Olias auf dem Hausboot „Janneke Jans“ wohnt, pflichtet ihm bei. „Mir stößt übel auf, dass wieder einmal der Mensch darüber entscheidet, wo sich welche Lebewesen ansiedeln sollen“, sagt Martin Höxter. Werde auch nur ein Teil des Hafens zugeschüttet, würde wertvoller Lebensraum für Mensch und Tier zerstört.

Höxter denkt auch an Kultur, die sich im Hafen etabliert habe. „Auf unserem Vereinsschiff ,Task‘ gibt es Konzerte und Lesungen. Der Hafenverein veranstaltet das Hafenfest. All das steht auf dem Spiel.“

Sollte es zum Schlimmsten kommen, stelle sich die Frage, wo die Hausboote festmachen können. „In der Hafeneinfahrt werden dann ja wohl im Winter die Schiffe der Flotte Weser liegen. Wenn überhaupt könnten die Wohnschiffe im Schatten der ehemaligen Wesermühle vor Anker gehen. Das ist inakzeptabel. Wir haben das Gefühl, dass uns jemand weghaben will“, sagt Martin Höxter.



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