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Verhandlungen sind vertraulich – und die Beschäftigten tappen im Dunkeln

Hängepartie für Praktiker-Mitarbeiter

Hameln. „Alles muss raus“ steht groß auf einem Werbeplakat an der Eingangstür. Für Kunden klingt das nach unschlagbaren Schnäppchen, für die Mitarbeiter ist es blanker Hohn, denn darüber steht „wir schließen diese Filiale“.

veröffentlicht am 04.10.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 00:21 Uhr

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Autor:

von julia rau
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Knapp 40 Beschäftigte im Baumarkt Praktiker warten auf irgendein Signal, eine Information oder einen Brief. Sie alle sind in Lauerstellung, denn am 30. November wird die Hamelner Filiale der insolventen Baumarktkette geschlossen. Und noch weiß niemand, was danach mit dem Markt geschieht. „Wir haben keine Ahnung, was auf uns zukommt“, sagt ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will. Denn: „Praktiker sieht das nicht so gern.“ Verständlich in dieser angespannten Situation. Selbst die Marktleitung tappt offenbar im Dunkel. Seit die Kette zahlungsunfähig ist, leiten Insolvenzverwalter alle Maßnahmen. Das ist alles, was die Belegschaft weiß. „Von denen da oben erfahren wir zuallerletzt etwas“, beklagt ein Mitarbeiter. Dennoch ist von Panik nichts zu spüren. „Wir warten erst einmal ab“, sagen einige Kollegen. Nach der Schließung erhalten viele von ihnen noch zwischen drei und sechs Monate lang einen Teil ihres Lohns aus dem Insolvenzgeld.

Im Oktober sollen weiter Investorengespräche geführt werden. Unter den Mitarbeitern wird bereits gemunkelt, ein anderer Baumarkt werde das Geschäft übernehmen. „Man hat uns gesagt, wir könnten übernommen werden, von wem, wissen wir aber nicht“, schildert eine Angestellte. Für die ebenfalls insolvente Praktiker- Tochtergesellschaft Max Bahr gibt es laut Insolvenzverwaltung gute Angebote. Bei Praktiker hingegen sieht es bislang eher mau aus. Zwar hatte Hornbach Interesse an einigen Praktikermärkten angekündigt, Konzernsprecherin Dr. Ursula Dauth aber deutet an, dass das nicht die Filiale in Hameln betrifft. „Im Raum Hannover sind wir sehr gut aufgestellt, außerdem stellen wir besondere Qualitätsansprüche an den Standort.“ Diese seien zum Beispiel eine gute Erreichbarkeit durch die Autobahnnähe des Marktes und ein großes Einzugsgebiet. Das bedeutet für Hameln: „In solch einem Umfeld würden wir uns nicht ansiedeln.“ Also heißt es für die 40 Angestellten in Hameln weiter abwarten. Die Stimmung ist dementsprechend verhalten. Vom verzweifelten Lachen bis zum stillen Kopfnicken ist alles dabei. Die Produkte müssen trotzdem raus. Gute Laune bereitet das allein den Kunden. Im Baumarkt herrscht in den Gängen jetzt reger Betrieb, die übrigen Waren werden günstig an den Mann gebracht. Laut Insolvenzverwalter Christopher Seagon sollte der Leerverkauf eigentlich erst Ende nächster Woche beginnen, in Hameln hängen jedoch jetzt schon die Sonderangebotsschilder an fast jeder Ware. Andere Filialen sind längst ausverkauft oder ganz geschlossen. Auf der Homepage der Kanzlei heißt es wörtlich: „Für die Übernahme der Baumarktkette Praktiker gibt es keine Angebote.“ Auf die Frage, wer sich bisher als möglicher Nachfolger abzeichnet, antwortet der Pressesprecher der Insolvenzverwaltung, Holger Voskuhl: „Wir geben keine Wasserstandsmeldungen heraus. Wir warten erst einmal ab, mit welchen Konzepten die Investoren antreten, danach können wir zu den einzelnen Standorten etwas sagen.“

Bereits im Juli hatte die Kette Insolvenz beantragt, am 1. Oktober wurde das Verfahren eröffnet. Während bei Max Bahr die Chance besteht, die Gesellschaft unter neuem Namen weiterzuführen und so auch die Arbeitsplätze zu sichern, kommen für die Praktikermärkte nur Einzellösungen infrage. „Wenn wir wüssten, wer kommt, könnten wir uns zumindest bewerben“, so eine besorgte Angestellte. Ein Sprecher der Kette möchte innerhalb des Bieterprozesses keine Namen nennen. Die Verhandlungen seien vertraulich und könnten noch einige Zeit dauern. Bis dahin werde versucht, für die Standorte Nachmieter zu finden, die, wenn möglich, auch die Mitarbeiter übernehmen.



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