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Belastetes Rattenfängerhaus wird für 60 000 Euro saniert / Teilweise hohe Werte in Staub und Balken

Gutachten spricht von „zwiespältigem Ergebnis“

Hameln (CK). Das aus dem Jahre 1602 stammende und zuletzt 1982 renovierte historische Rattenfängerhaus muss saniert werden. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung durch das Ingenieurbüro für Umweltberatung (Igefu), das nach ersten Voruntersuchungen im November die stadteigene Immobilie in den letzten Wochen peinlich genau unter die Lupe genommen hat.

veröffentlicht am 01.03.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 01:41 Uhr

Das Wohnzimmer im Rattenfängerhaus: Die Holzbalken gasen Schadstoffe aus. Jetzt wird saniert.  Fotos: Wal
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Das Ergebnis, das Dr. Ingrid Woltemate-Könnecke und ihr Ehemann Heiko Könnecke gestern vorstellten, ist alarmierend, aber auch „zwiespältig“: In Holzbalken und im Staub des Gebäudes haben die Experten teilweise hohe Belastungen durch die Holzschutzmittel PCP und Lindan entdeckt, in der Raumluft lediglich geringe Mengen Lindan. Das aber, so Dr. Woltemate-Könnecke, könne auch an Folgendem liegen: Für die Raumluftmessungen wird ein Staubfilter verwendet, so dass nur die reine Luft in einen Behälter strömt und anschließend im Labor untersucht wird. Deshalb könne das Ergebnis nur im Zusammenspiel aller drei Tests (Material, Luft und Staub) als aussagekräftig bezeichnet werden. Kommt hinzu: Bei der letztmaligen Renovierung vor knapp 30 Jahren waren offenbar nicht nur die Originalbalken wiederverwendet worden, sondern vermutlich auch solche aus anderen Gebäuden aus dem Fundus der Stadt. Nachvollziehen lässt sich das heute aber nicht mehr.

Für die Fachleute aus Garbsen ist eines jedoch sicher: Eine Sanierung des Gebäudes wegen der Belastungen – die Holzschutzmittel galten noch vor 30 Jahren als Mittel der Wahl, sind aber seit Ende der 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts verboten – scheint unumgänglich. „Alle Balken sind mehr oder weniger belastet“, so das Resümee von Woltemate-Könnecke. „Sie gasen aus, und das heftet sich an die Staubpartikel, die aufgewirbelt und eingeatmet werden.“ Für Menschen wie das Pächterehepaar Karl-Heinz Fricke und Christina Hartlieb-Fricke fatal: Denn sie bewirtschaften nicht nur das im Erdgeschoss gelegene Restaurant, sondern wohnen auch seit Jahrzehnten in den darüberliegenden Räumen. Besonders Christina Hartlieb-Fricke argwöhnt, dass ein seltener Nasentumor, der ihr im vergangenen Jahr entfernt werden musste, im Zusammenhang mit den Schadstoffbelastungen steht. Ergebnisse diverser Untersuchungen hierzu liegen allerdings noch immer nicht vor.

Die Garbsener Fachleute schlagen jetzt eine Sanierung vor und gehen davon aus, dass währenddessen der Gastronomiebetrieb aufrechterhalten werden kann, ohne dass Gäste gestört würden. „Hier bestand ohnehin nie eine akute Gefahr für Besucher des Lokals“, versichern sie. Auch die Sanierung der Frickeschen Wohnung kann nach ihrer Ansicht durchgeführt werden, ohne dass die Pächter während dieser Zeit – die gesamten Arbeiten sollen etwa vier Wochen dauern – umziehen müssen. Verwendet werden soll ein biologisches Mittel, mit dem die Gutachter bereits seit rund zehn Jahren Erfahrung haben und das die Schadstoffe im Holz umwandelt, gewissermaßen „knackt“. Es trägt den schönen Namen „Ex und Stopp“ und wird von einem eigens für solche Sanierungen zugelassenen Fachbetrieb aus Salzgitter angewandt.

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„Wir sind froh, dass die Untersuchungsergebnisse niedriger ausgefallen sind, als wir befürchtet hatten“, sagt Wolfgang Kaiser, Fachbereichsleiter Planen und Bauen bei der Stadt Hameln. Um das zu untermauern, führt Kaiser die Kurie Jerusalem an, die Mitte der 90er Jahre aufwendig saniert werden musste. „Deren Werte lagen damals um das Dreißigfache höher als derzeit die im Rattenfängerhaus“, so Kaiser, der Wert darauf legt, dass die Stadt Hameln die auf 60 000 Euro teuere Sanierung von Lokal und Wohnung nicht unter monetären Gesichtspunkten betreibe. „Das sind zwar Steuergelder, aber Sicherheit und Gesundheit sind wichtiger“, beteuert Kaiser.

Dass allerdings, wie Kaiser mutmaßt, in den letzten Woche Gäste vor allem deshalb ausgeblieben sind, weil über die Belastung der Immobilie berichtet worden war, weist Christina-Hartlieb Fricke zurück. Und sie ist verbittert darüber, dass sich bisher kein Verantwortlicher der Stadt nach ihrem Gesundheitszustand erkundigt habe, obwohl sie über einen langen Zeitraum den Belastungen ausgesetzt gewesen sei. Jetzt wartet die 45-Jährige auf die Ergebnisse weiterer Laboruntersuchungen, von denen sie annimmt, dass diese einen Zusammenhang zwischen Schadstoffbelastungen, denen sie 24 Stunden am Tag ausgesetzt sei, und ihrer Krebserkrankung belegen können.

Auch Möbel oder Bilder müssen im Wohnbereich der Pächter Fricke gründlich gereinigt werden.



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