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Invasiver Fisch jetzt auch in Hameln nachgewiesen / Weitere Ausbreitung erwartet

Grundel nervt gründlich

HAMELN. Nun ist es amtlich: Die Schwarzmundgrundel ist jetzt auch in Hameln offiziell nachgewiesen. Der aus dem Schwarzen und Asowschem Meer eingewanderte Fisch breitet sich auch vor den Wehranlagen Hamelns aus. Für Angler ist sie ein Ärgernis, für den heimischen Fischbestand kann sie zum Problem werden.

veröffentlicht am 08.08.2018 um 13:57 Uhr
aktualisiert am 08.08.2018 um 20:16 Uhr

Klein, aber penetrant: Wo die Grundel auftaucht, verschwindet sie so schnell nicht wieder. Foto: dpa
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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„Die Schwarzmundgrundel hat sich aus der Unterweser bei Bremen und vom Mittellandkanal ausgehend flächendeckend und massenhaft in den Steinpackungen der gesamten Mittelweser und in den letzten Jahren zunehmend auch der Oberweser etwa bis unterhalb des Wehres Hameln ausgebreitet“, bestätigt Lutz Meyer vom Fischereikundlichen Dienst des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage der Dewezet. „Während im Rahmen eines seitens des Fischereikundlichen Dienstes jährlich durchgeführten Fischmonitorings an der Oberweser im Jahre 2017 im Bereich Großenwieden nur der Nachweis von Einzelfischen gelang, war die Schwarzmundgrundel 2018 dort bereits ebenfalls massenhaft vorhanden.“

Angler wissen das. Wenn auf 20 Würfe mit der Rute 15 Bisse von Grundeln kommen, dann ist das für den Angler, der es auf größere Fische abgesehen hat, unbefriedigend. Die Grundel wird nur 15 bis 25 Zentimeter groß. Peter Siegmann, dem Vorsitzenden des Sportfischervereins Hameln, kennt das Problem. „Die Grundel macht sich inzwischen spürbar in der Oberweser breit“, sagt er. Als problematisch erweise sich die Grundel in der Region seit etwa vier Jahren. Sie pflanze sich so stark fort, dass Siegmann befürchtet, dass den heimischen Fischen nicht genug zu fressen bleibe. Als besonders gefährdet gelten Koppe und Gründling.

In der Pfanne frittiert mit einem leckeren Dipp ergibt die Grundel ein wirklich delikates Gericht.

Svenja Gertzen, Biologin und Grundel-Expertin

In der jährlichen Fischbestandsaufnahme habe sich dies bislang zwar noch nicht niedergeschlagen. Auch taucht die Grundel in dem Formular für Fangmeldungen, das alle Angler spätestens am Jahresende ausgefüllt abgeben müssen, nicht auf. Das werde sich aber 2019 ändern, kündigt Siegmann an. Dann müssen auch die Grundelfänge dokumentiert werden. Nachweise der Grundel stromaufwärts des Hamelner Wehrs sind beim Fischereikundlichen Dienst noch nicht bekannt. „Es ist jedoch damit zu rechnen, dass es relativ kurzfristig auch zu einer Besiedlung der Oberweser stromauf Hamelns kommen wird“, sagt Lutz Meyer. Tatsächlich hat Peter Siegmann auch schon oberhalb des Wehres eine Grundel gefangen, wie der Vereinsvorsitzende auf Anfrage bestätigt.

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Die Schwarzgrundel ist auch zum Verzehr geeignet. Foto: dpa
  • Die Schwarzgrundel ist auch zum Verzehr geeignet. Foto: dpa

Die Experten sind ein wenig ratlos, wie gegen die massenhafte Ausbreitung der Grundel vorzugehen ist. „Wirksame Gegenmaßnahmen unter den gegebenen wasserbaulichen Rahmenbedingungen an der Bundeswasserstraße Weser sind nicht bekannt“, sagt Meyer.

Fischereiverbände empfehlen jedoch, die gefangenen Grundeln zu entnehmen, also nicht wieder ins Gewässer zurückzusetzen. „Eine generelle Entnahmepflicht für die Grundeln gibt es nicht, es empfiehlt sich aber die Tiere zu entnehmen, da sie gravierende Auswirkungen auf die heimischen Fischarten haben können“, sagt die Biologin und Grundel-Expertin Dr. Svenja Gertzen vom Landesfischereiverband Westfalen und Lippe. „Die Fischerei ist Landessache, und zudem kann jeder, der Fischereirechte besitzt einen eigenen Hegeplan mit besonderen Bestimmungen zur Fischentnahme aufstellen.“ So hält es auch der Hamelner Sportfischerverein. „Jeder Fang sollte entnommen werden!“, heißt es in der aktuellen Ausgabe des Angler-Kuriers, der Vereinszeitschrift.

Aber: „In Gewässern in denen die Grundeln sich bereits etabliert haben, ist eine Ausrottung kaum möglich“, gibt Gertzen zu bedenken. „Man sollte aber eine weitere Ausbreitung der Fische durch Entnahmen verhindern.“ Sie empfiehlt, gefangene Grundeln selbst zu verwerten – „in der Pfanne frittiert mit einem leckeren Dipp ergibt dies ein wirklich delikates Gericht.“ Weitere Verwertungen wären die Nutzung als Köderfisch oder in größeren Mengen als Futter in Tierparks oder Zoos.

Als Köderfisch brachte sie vor kurzem Angler Christoph Frömberg Glück. Mit einer Grundel am Haken fing er im Weserbereich des Hamelner Angelvereins den größten gemeldeten Wels der vergangenen 24 Jahre (wir berichteten). Frömberg ist daher im Hinblick auf die Grundel optimistisch. Den Umstand, dass der Wels zuvor alle anderen Köderfische verschmäht hatte, aber prompt auf die Grundel anbiss, deutet er so, „dass sich die Raubfische allmählich auf die Grundel einstellen“. Somit könnte ihrer Ausbreitung eine natürliche Grenze gesetzt werden.

„Boom und bust“ nenne sich dieser Effekt in der Invasionsbiologie, bestätigt Gertzen. Nach explosionsartiger Vermehrung der Grundel, so wie am Niederrhein, gehen die Grundelbestände dort nun wieder zurück. Der Grund: Das Ökosystem passe sich an die neuen Bewohner an, „sprich: Raubfische wie Zander oder Barsch lernen, diese neue Beute in ihren Nahrungsplan einzubeziehen“.



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