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Hamelns Sprache soll geschlechterneutral werden

Grünes Licht für „zu Fuß Gehende“

Hameln. Seit dem ersten April gilt eine neue Straßenverkehrsordnung. Meist diskutierte und kritisierte Neuerung: Die Verordnung ist jetzt geschlechterneutral formuliert. So wurden aus Radfahrern „Rad Fahrende“ und aus Fußgängern „zu Fuß Gehende“. Der Aufschrei über den vermeintlichen „Unsinn“ war groß, die Zahl der – guten und schlechten – Witze über die teils sperrigen Formulierungen noch größer. Ein Blick nach Hameln zeigt: Verstöße gegen die Geschlechterneutralität in Sprache und Bild gibt es auch hier zuhauf.

veröffentlicht am 08.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 07:21 Uhr

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Autor:

Catherine Holdefehr
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Ob rot oder grün – die Hamelner Ampelmännchen sind ihrem Namen entsprechend allesamt männlich. Oder zumindest Hosen tragend und damit dem üblichen männlichen Piktogramm entsprechend. Das Wegwerfen von Müll wird den Schildern auf einigen Abfalleimern nach auch nur von Männern erwartet, die jedoch offenbar nicht einmal Wege für „zu Fuß Gehende“ nutzen dürfen, solange sie keinen Rock tragen. Diskriminierend. Frauen sind indes auf Baustellen sowie in Spielstraßen nicht gern gesehen, glaubt man den bildlichen Darstellungen. Das komplett zu ändern, sei „schwierig“, sagt Nicole Glaß, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hameln. Wenngleich sie es als negativ erachte, auf Straßenschildern Klischees zu bedienen, nach denen nur Frauen Kinder betreuen oder Männer auf Baustellen arbeiten. Mal eine Frau, mal einen Mann für beide Situationen abzubilden, sei vielleicht eine Lösung. Zuständig sind die Kommunen dafür nicht, Verkehrsschilder sind Bundessache.

Anders sieht es bei dem Thema Sprache aus: Der Verzicht auf generische Maskulina – also „Bürger“ obwohl auch „Bürgerinnen“ gemeint sind – und die Verwendung von geschlechtsindifferenten Personenbezeichnungen sei „grundsätzlich richtig“ im Sinne der Gleichberechtigung, sagt Glaß. Sie werde darauf hinwirken, dass langfristig bei allem, was von der Stadt schriftlich herausgegeben werde, auf eine „geschlechtergerechte Sprache“ geachtet werde. Bislang findet man in den Formularen eine bunte Mischung an Begriffen: Da wird penibel zwischen Sachbearbeiter und Sachbearbeiterin, Antragsteller und Antragstellerin unterschieden und im Anschluss nur noch der Erwerber, der Pächter, der Mieter und der Bewerber angesprochen und dann wiederum auf „an- oder abzumeldende Person“ ausgewichen. Alles umzustellen werde einige Zeit dauern, sei aber auf jeden Fall ihr Ziel, so Glaß. Die ersten „Richtlinien zur Vermeidung sexistischen Sprachgebrauchs“ erschienen 1980, irgendwann in den 80er-Jahren seien wohl auch die Formulare der Stadt angepasst wurden, vermutet Glaß, die selbst erst seit Anfang des Jahres in Hameln angestellt ist. „Natürlich ist geschlechtergerechte Sprache nur ein Teil dessen, was Gleichstellung ausmacht, aber es ist ein Baustein um Frauen und Männer gleichberechtigt in der Gesellschaft sichtbar zu machen.“ Hauptkritikpunkt der Verfechter einer geschlechterkorrekten Sprache ist das „Mitgemeintsein“ von Frauen bei der Verwendung maskuliner Bezeichnungen.

„Es ist natürlich eine Gratwanderung“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte. Aber auch bei vermeintlich sperrigen Formulierungen lasse sich oft eine Lösung finden, wie bei der „Fußgängerzone“, die auch in der Straßenverkehrsordnung noch keine „Zone für zu Fuß Gehende“ geworden ist. „Flaniermeile“ sei doch eine Idee. Generell sei es einfach eine Frage der Gewohnheit und geschlechtsneutrale Formulierungen irgendwann vermutlich völlig normal und akzeptiert.

So könnten Schild und Ampel für „zu Fuß gehende“ geschlechterkorrekt aussehen. Dana/Wal



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