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Gruppe möchte Standortsuche beschleunigen / Ort von Verwaltung nicht gewünscht?

Grüne wollen Kita auf Linsingen-Areal

HAMELN. Warum noch lange suchen, wenn das Gute so nah liegt? Das fragt sich der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen, wenn es um die Kita in der Nordstadt geht. Sie bekräftigten am Montag, die Kita auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne ansiedeln zu wollen und die Standortsuche so zubeschleunigen.

veröffentlicht am 26.02.2018 um 18:10 Uhr
aktualisiert am 23.05.2018 um 15:38 Uhr

Das riesige Areal der Linsingen-Kaserne, auf dem eine Bildungs- und Gesundheitscampus entstehen soll, ist nach wie vor der beste Platz für eine Kita finden die Grünen. Foto: dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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HAMELN. Sie decke einen großen Bereich im Herzen der Nordstadt ab und ergänze die Konzepte der Elisabeth-Selbert-Schule gut, wie Anett Dreisvogt, Vorsitzende des Ortsverbandes, betont.

Diese Ansicht teilt man im Rathaus bekanntermaßen nicht. Oberbürgermeister Claudio Griese sähe dort lieber Erwachsenenbildung, wie er auf Anfrage im letzten Herbst mitteilte. In den Beschluss des Rates zum Profil des Bildungscampus wurde auf Antrag von Sven Kornfeld, Fraktionsvorsitzender der Grünen, dennoch angefügt, dass frühkindliche Bildung ebenfalls zum Konzept gehören soll. „Eine Kindertagesstätte ist doch schon längst keine ‚Kinder-Verwahr-Anstalt‘ mehr, sondern ein Ort frühkindlicher Bildung“, heißt es von den Grünen.

Warum man sich in der Verwaltung mit dem Gedanken nicht anfreunden kann, ist Kornfeld nicht klar. „Vielleicht weil Kinder Lärm machen? Oder wegen des Verkehrs, den an- und abfahrenden Eltern verursachen? Vielleicht auch, weil man Angst hat, dass die Attraktivität für Kaufinteressenten im Bildungs- und Gesundheitsbereich sinken könnte?“

Immer noch sei in Diskussionen zu spüren, dass der mögliche Kita-Standort auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne nicht erwünscht sei, obwohl er bei der offiziellen Standortsuche Priorität genießt. Wilfried Binder, Fraktionsvorsitzender der SPD, erklärt, er habe Ähnliches vernommen. Dabei sei das Gelände groß genug, um alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Wenn man sich für das Linsingen-Areal entscheiden würde, sähe er die Kita gegenüber des ehemaligen Piper-Clubs.

Kornfeld vermutet, dass die Verwaltung ihre ursprünglichen Pläne verwirklichen möchte, nämlich die Kita auf dem Kunstrasenplatz an der Süntelstraße zu bauen. Der befindet sich ebenfalls noch im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Dieses Ansinnen wiederum lehnt die Mehrheitsgruppe aus SPD und Grünen ab. Sie möchte den Platz für die Schulen erhalten, die dringenden Bedarf hätten.

Der Kompromiss lautet deshalb: Man schaut, ob sich ein dritter Standort eignet. Fast hätte man ihn gefunden: Das Gelände der ehemaligen britischen Schule und des britischen Kindergartens am Bertholdsweg 1 bot sich für die Erweiterung der Grundschule Hohes Feld und/oder einer Nordstadt-Kita geradezu an. Doch die Chance ist wohl vertan – zumindest in Originalgröße (wir berichteten).

Nun wird die Bima wohl einem Lebensmittelmarkt oder Discounter den Vorzug geben. Die Behörde gehe davon aus, „dass der Kaufvertrag für das Teilgrundstück in 4 bis 6 Wochen geschlossen werden kann, wenn die Details mit dem Kaufinteressenten abgearbeitet sind“, sagt Erster Stadtrat Hermann Aden.

Ob die verbleibenden 7500 Quadratmeter ausreichen für die Nordstadt-Kita plus Ganztagsbetreuung der Grundschule Hohes Feld, müssten Fachleute klären, sagt Wilfried Binder (SPD). Wenn dem so sei, stehe er zum Kompromiss.

Die FDP möchte die Möglichkeiten erst einmal „ausdiskutieren“. Man stehe allen Optionen offen gegenüber, doch vor der Entscheidung stehe in allen Fällen der Kauf, sagt Fraktionsvorsitzender Wilhelm Güsgen. Zugleich betont er, dass die Schaffung neuer Kitaplätze eine dringende Angelegenheit sei, die keinen Aufschub dulde.

Hermann Aden verbreitet derweil Optimismus: „Die verbleibende Restfläche ist in jedem Fall groß genug für eine Kindertagesstätte und ist nach unserer Auffassung auch groß genug, um die gegenwärtige Nachmittagsbetreuung oder entsprechende Ganztagseinrichtungen dort mit unterzubringen.“

Thomas Meyer-Hermann, Fraktionsvorsitzender der CDU, spricht hingegen von Kitabau oder Grundschulerweiterung. Er fragt sich zudem, ob eine Kita überhaupt reiche. Daraus, dass die CDU den Kunstrasenplatz immer noch für die beste Lösung hält, macht er keinen Hehl. In erster Linie, weil der Erwerb dann günstiger käme, bei Weiterbetrieb des Sportplatzes aber nicht. Wilfried Binder erklärt hingegen: Überlasse man den Platz den Schulen, gelte ebenfalls die sogenannte Verbilligungsrichtlinie.

Dazu erklärt Hermann Aden: „Der Kunstrasenplatz kostet bei Nutzung für eine Kita 235 000 Euro und bei Nutzung als Sportplatz, der ohne Gegenleistung zur öffentlichen Verwendung (also zum Beispiel Schulen) bereitgestellt wird, 335 000 Euro.“ Beide Beträge ergäben sich aus Abschlägen des Verkehrswertgutachtens. Bei einer Sportplatznutzung mit Benutzungsgebühren hätte die Bima den vollen Wert zu verlangen. Das wären laut Gutachten aus dem Jahr 2014 670 000 Euro. Die Bima habe aber zwischenzeitlich angekündigt, dass die Verkehrswertermittlung für den Kunstrasenplatz aktualisiert werden müsse. Ein Ergebnis dazu stehe aus.

Mein Standpunkt
Dorothee Balzereit
Von Dorothee Balzereit

In Zeiten steigender Geburten zu sagen, dass das Areal am Bertholdsweg für eine Kita und die Ganztagsbetreuung ausreicht, ist mutig. Mein Eindruck ist, dass es am Ende immer zu wenig Plätze sind. Die Stadt sollte weitsichtig planen und im Zweifel beide Standorte, das Areal der Linsingen-Kaserne und den Bertholdsweg, für eine Kita ins Auge fassen.

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