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Grüne schreiben an Ministerin

Grüne: Ravelin-Camp „unangetastet“ lassen

HAMELN. Es ist absehbar, dass die Zukunft des Ravelin-Camps wohl nicht ohne kontroverse Debatte geklärt werden könnte. Noch bevor die Nachnutzung des ehemaligen Übungsgeländes der britischen Armee Thema in den politischen Gremien ist, gibt es auch schon Kritik an den Plänen der Verwaltung. Die will dort ein Gebiet für „gehobenes Wohnen“ entwickeln.

veröffentlicht am 26.05.2017 um 15:59 Uhr

Auf dem Ravelin-Gelände stehen noch Baracken aus der Militärzeit. Seltene Tiere und Pflanzen sollen sich inzwischen hier angesiedelt haben. Foto: wal
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hält dagegen: Das Ravelin-Camp sei eine „einzigartige Fläche für den Naturschutz“. Die Bebauung sei demnach problematisch.

Als Stadtbaurat Hermann Aden die Verwaltungspläne kürzlich der Ratspolitik vorstelle, sprach er ausdrücklich von „Gesprächsangebot an die Politik“. Gleichwohl haben die Planer im Rathaus die Skizzen fix und fertig in der Schublade liegen. Auf dem Gelände oberhalb des Reimersdeskamps könnten aus Sicht der Verwaltung 30 Einfamilienhäuser entstehen, dazu noch einmal etwa 20 Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern. Flächen für Neubauten seien grundsätzlich rar in der Stadt, deshalb sucht die Verwaltung nach potenziellen Baugebieten – auch in der Nordstadt. Es gebe durchaus Nachfrage an Baugrundstücken höheren Niveaus, so etwas habe Hameln derzeit nicht zu bieten, hatte Aden erläutert.

Der BUND-Kreisvorsitzende Ralf Hermes weist indes auf die ökologische Bedeutung des Geländes hin. Aus Naturschutzsicht habe der ehemalige Truppenübungsplatz eine „erhebliche Wertigkeit“, meint Hermes.„Die Fläche ist eben nicht mit einem gewöhnlichen Acker vergleichbar“, sagt er.

Das Besondere an dem Gelände ist: Jahrzehntelang sei während der Nutzung durch die britischen Streitkräfte das Ravelin-Camp nicht einmal gedüngt worden, so Hermes. Ein Grund dafür, warum sich, seltene Pflanzen dort angesiedelt hätten.

Der BUND hat auf seine Internetseite den Bericht des Hamelner Pflanzenexperten Christian Voigt veröffentlicht. Der Diplomingenieur für Landschaftspflege aus Holtensen will bei einem „botanischen Spaziergang“ über das ehemalige Militärgelände etliche Pflanzen ausgemacht haben, die als „stark gefährdet“ und zumindest als schützenswert gelten.

Das „Bunte Vergissmeinnicht“ etwa werde in der „Roten Liste“ Niedersachsen als „gefährdet“ eingestuft, schreibt Voigt. An manchen Stellen der Wiese des Ravelin-Camps wachse diese Pflanze „in Tausender-Menge“. Solche sogenannten Magerwiesen, auf denen sich eine Vielzahl von seltenen Pflanzen entwickelt haben, seien heutzutage kaum noch vorhanden. Sie hätten durch Bebauung, Umwandlungen in Äcker und Düngungen „in den letzten Jahrzehnten einen dramatischen Bestandsrückgang erfahren“.

Nachdem vor ein paar Jahren der Plan von einer großflächigen Photovoltaik-Anlage auf dem Ravelin-Camp scheiterte, weil der Investor kurzfristig absprang, können sich Teile der Hamelner Politik mit einem Neubaugebiet anfreunden. FDP und CDU äußerten sich bereits öffentlich, dass sie sich eine Bebauung des ehemaligen Übungsgeländes durchaus vorstellen könnten. Die Grünen sind dagegen. „Es gibt genug andere Flächen, auf denen gebaut werden kann“, sagt der Fraktionsvorsitzende im Rat, Sven Kornfeld. Er meint damit, mögliche Baugebiete am Basberg und an der Breslauer Allee, die ebenfalls im Gespräch sind. „Das Ravelin-Camp soll jedenfalls unangetastet bleiben“, ist Kornfeld überzeugt.

Der Ortsverband der Grünen hat dieser Forderung Nachdruck verliehen. Die Partei hat eine Resolution an Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) geschickt. Darin heißt es: „Ravelin Camp nicht bebauen – unter Naturschutz stellen“. Die Grünen begründen dies mit unter Schutz stehenden Tier- und Pflanzenarten, die sich dort angesiedelt hätten. Deshalb solle die Ministerin, „das komplette Ravelin-Camp inklusive der erforderlichen Pufferzonen und der Streuobstwiese als Reservoir für Biodiversität dem darüber befindlichen von Ihnen ausgewiesenen Naturerbewald“ angliedern.

Sollte es dazu kommen, wäre jegliche Art der Bebauung für das ehemalige Ravelin-Camp tabu.

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