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Ford T-Modell-Treffen im Weserbergland / Ehemaliger Hamelner mit 92 Jahre altem Auto dabei

Großmutter aller Autos zu Besuch

HAMELN. Sie sind stolz auf ihre alten Fahrzeuge. Sechs Besitzer von Ford-Oldtimern treffen sich am Wochenende in der Rattenfängerstadt. Wer Glück hat, kann die Ford T „Pickups“ sehen, sie sind noch bis Sonntagabend auf den Straßen des Weserberglands unterwegs.

veröffentlicht am 01.09.2018 um 10:01 Uhr

Sie sind stolz auf ihre alten Fahrzeuge. Sechs Besitzer von Ford-Oldtimern treffen sich in der Rattenfängerstadt. Unter ihnen ist mit Achim Siepenkort (re.) ein ehemaliger Hamelner. Foto: fn
Frank Neitz

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Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
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„Rööööhh – Rööööhh.“ Der außergewöhnliche Klang der Hupe ist den meisten bekannt. Vielen aus der Fernsehserie „Die Waltons“. Familienoberhaupt John ließ sie erklingen, wenn er mit einem Ford T „Pickup“ auf seine Farm donnerte. Die Serie haben die Oldtimerfreunde, die am Wochenende zu einem Treffen in Hameln angereist sind, auch gesehen. Allerdings können sie sich den Hupton anhören, so oft sie wollen. Schließlich klemmt das Horn an ihren eigenen Automobilen.

Sitze mit weichem Leder, Speichenräder aus Holz, zitternde Außenspiegel, glänzende Messingteile und ein hartes Fahrwerk: Das T-Modell ist die Großmutter aller Autos, das erste Auto, das vom Fließband lief. Zwischen 1908 und 1927 wurden etwa 15 Millionen Stück gebaut. Etwa 100 000 des auch Tin Lizzy (Blechliesel) genannten Autos haben Wirren und Schrottplatz überlebt. Eines der zirka 400 T-Modellen in Deutschland fährt ein ehemaliger Hamelner.

Achim Siepenkort ist mit seinem 20 PS starken und 92 Jahre alten Oldtimer aus Neustadt in Schleswig Holstein in seine alte Heimat gekommen. Irgendwie scheint der 71-Jährige Benzin im Blut zu haben. Sein Vater führte in der Lohstraße eine Fahrschule, seine Mutter arbeitete im Büro der Selve-Werke, erzählt er. Und sein Onkel sei dort Einfahrer gewesen. „Da waren die Fahrwerke noch mit Kisten bestückt, da die für mehrere Marken produziert wurden“, weiß Siepenkort.

Foto: fn
  • Foto: fn
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Die sechs Oldtimerfreunde kennen ihr Ford-Modell aus dem Effeff, schrauben selbst an ihren Vehikeln herum und wissen auch, dass Henry Ford fast alle Wagen schwarz lackieren ließ. Doch eines ist ihnen neu: In ihren Autos steckt Hamelner Know-how. Oldtimer-Experte Reinhard Burkart erzählt den Fordfahrern im Museum am Hefehof, dass im Selve-Werk die Aluminium-Kolben entwickelt wurden.

Auf sein T-Modell stieß Siepenkort im Jahr 1990. Elf Jahre lang war das Auto hinter Kisten versteckt gewesen, bevor er es für 30 000 D-Mark kaufte. Siepenkort hatte einen „Sponsor“ – das Finanzamt. In dem Jahr habe er eine satte Steuerrückzahlung erhalten, verrät der Schleswig Holsteiner. Von Beruf war Achim Siepenkort Pilot bei der Lufthansa, flog eine Boeing 727 und auch den Airbus A 320. Statt mit 900 Sachen um die Welt zu Fliegen tuckert er heute gern mit 65 Stundenkilometern über schmale Straßen. „Da kann ich die Landschaft richtig genießen“, meint er.

Auch zu Einkaufsfahrten schmeißt der Ford-Enthusiast ab und zu den Motor seiner „Blechliesel“ an. Angst, dass ihre liebevoll restaurierten Wagen geklaut werden, hat von den Fahrern keiner. „Wer kommt denn mit der Schaltung klar“, so der Tenor der Oldtimerfreunde. Geschaltet wird die Tin Lizzy mit den Pedalen. Durst hat sie reichlich. „12 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer“, sagt Heyco Hoops, einer der Fahrer. Dafür sei sie nicht wählerisch. „Die würde zur Not auch mit Petroleum fahren“, heißt es von den Experten.

Die sechs Oldtimer sind noch bis zum Sonntag auf den Straßen im Weserbergland zu sehen. Siepenkorts in Hameln wohnender Schwager Michael Kolewe hat für die Oldtimerbesitzer ein umfangreiches Programm zusammengestellt. Am Samstag tuckern die Wagen in Richtung Einbeck zu einem Automobilmuseum. Am Sonntag fahren die T-Modelle nach Pattensen. Dort feiert der Initiator der jährlichen Treffen seinen 90. Geburtstag.



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