weather-image
11°

Unter sieben Häuten steckt ein gehaltvolles Herz: Warum die Zwiebel jede Träne wert ist

Großer Auftritt für ein scharfes Gemüse

Sie stänkerte – dennoch wurde sie einst von Joachim Ringelnatz gekauft: „weil sie käuflich war“. Was der Dichter mit ihr machte, hat er im „Lustmord“ beschrieben: „Ich riß ihr gierig mit rauher Hand die einzelnen Kleider herunter, zunächst ein leichtes Flittergewand, dann anderen, gröberen Plunder...“ Rock um Röckchen fällt, Ringelnatz wütet und weint – bis er sie endlich, nackt und bleich, in seinen Händen hält: die Zwiebel. Sieben Häute soll das Lauchgewächs besitzen, unter denen sich ihr „Wahres“ verbirgt: das Würzige, Schmackhafte und Gesunde. Egal, ob deftige Hausmannskost oder raffinierte Gerichte – um die Zwiebel kommt man nicht herum, wenn’s munden soll. Und dafür kann man ruhig mal ein paar Tränen in Kauf nehmen.

veröffentlicht am 13.10.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 20:21 Uhr

270_008_4381213_hm203_1410.jpg
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Ganz in Weiß, Braun oder Rot gehüllt, ist das ursprünglich aus Asien stammende scharfe Gemüse in jedem Fall gesund, genießt schon seit der Antike den Ruf eines Lebenselixiers, gilt als Jungbrunnen für Vitalität und Stärke. Beim Bau der ägyptischen Pyramiden sollen die Arbeiter massenweise mit Zwiebeln und Rettich versorgt worden sein, um die Schwerstarbeit leisten zu können. Zwiebeln enthalten kaum Kalorien und überhaupt kein Cholesterin, dafür aber viel wertvolles Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphat, Zink, Selen, Fluorid, Jod, Carotinoide, Folsäure und Vitamin C. Außerdem ätherische Öle, Allicin, Gerbstoffe und das insulinähnliche Pflanzenhormon Glukokinin. Zwiebeln wirken antibiotisch, verdauungsfördernd, schleimlösend, entzündungshemmend und entwässernd, blutreinigend und blutdrucksenkend – und ein natürliches Kosmetikum sollen sie auch noch sein: Dem Gemüse werden Haarausfall stoppende und hautreinigende Eigenschaften zugeschrieben.

Vor allem ältere Menschen sollten bei Zwiebeln kräftig zulangen, beugen diese doch altersbedingten Gefäßerkrankungen vor und regen den Sauerstofftransport in den Zellen an. Gewiss, ein Wundermittel ist auch die Zwiebel nicht, aber sie ist heilfördernd und entfaltet ihre Qualitäten nicht nur beim Verzehr, sondern ebenso bei der äußerlichen Anwendung, um beispielsweise Stiche und Schwellungen zu lindern.

Vor allem aber spielt das pikante Gemüse eine Hauptrolle in der Küche und hat jetzt im Herbst seinen großen Auftritt. Denn: Herbstzeit ist auch Zwiebelkuchen-Zeit. „Und dafür eignen sich am besten die großen Gemüsezwiebeln,“ sagt Gerhard Bungenstock vom gleichnamigen Hof in Tündern. Auf dem Wochenmarkt bietet er das Kilo Gemüsezwiebeln für 1,80 Euro an. Rote Zwiebeln gibt’s bei ihm für 2,95 Euro, normale Zwiebeln für 1 Euro und Schalotten für 3 Euro pro Kilo. Ein Bund Lauchzwiebeln kostet 70 Cent.

Herzhaft sind sie alle, aber jede Zwiebelart hat ihre eigene Note: Die roten, etwas milderen Zwiebeln machen sich gut im Salat. Weiße und braune Küchenzwiebeln sind besonders vielseitig und würzig im Ge-schmack. Perlzwiebeln werden zum Einlegen und Schmoren verwendet. Die länglichen Schalotten haben das feinste Aroma. Und Lauchzwiebeln geben vielen Eintöpfen Pfiff.

Für einen deftigen Zwiebelkuchen muss man zunächst den Mürbeteig herstellen: Dazu Mehl, Butter, ein Eigelb und etwas Salz mit wenig Wasser zu einem Teig kneten und zugedeckt 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Danach den Teig ausrollen und in eine ausgebutterte Quiche-Form geben. Für den Belag Bauchspeck würfeln und mit Öl in einer Pfanne erhitzen, in Ringe geschnittene Zwiebeln und Lauch (Porree) dazugeben, 5 Minuten dünsten und anschließend auf dem Teig verteilen. Eine mit Muskat und Pfeffer gewürzte Mischung aus Eiern, Sahne, Milch und geriebenem Gruyère oder einem anderen würzigen Käse darübergießen. Den Zwiebelkuchen im Ofen bei 200 Grad eine Dreiviertelstunde backen, bis er goldbraun ist. Am besten schmeckt

er warm. Dazu passt traditionell Neuer Süßer oder Federweißer, ein noch nicht ganz durchgegorener junger Wein. Genau das richtige Rezept, um an einem trüben Herbsttag in Stimmung zu kommen.

Übrigens: Wer die Tränenflut beim Zwiebelschälen etwas eindämmen will, sollte sie vor dem Schneiden in den Kühlschrank legen, dann verströmen sie weniger Reizstoffe, und ein wirklich scharfes Messer verwenden. Auch einen Schluck Wasser im Mund kreisen zu lassen, soll beim Zwiebelschälen helfen.

Vom Hamelner Wochen-

markt berichtet

Karin Rohr



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt