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Bei der hameln group läuft Gefahrgutstoff aus / Straße gesperrt, Mitarbeiter ärztlich betreut

Großeinsatz: Salzsäure legt Produktion still

Afferde (CK). Ein Großeinsatz von Feuerwehr, Polizei und weiteren Behörden hat in der Nacht zu gestern Anwohner und Mitarbeiter diverser Firmen im Langen Feld in Afferde aufgeschreckt: Gegen 1.30 Uhr gab es Giftalarm bei der „hameln group“ im Langen Feld. Dort war in einer Produktionshalle des pharmazeutischen Unternehmens Salzsäure ausgelaufen, es drohte Gefahr für Mitarbeiter und Umwelt.

veröffentlicht am 23.08.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 17:21 Uhr

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Nach Angaben von Einsatzleiter Andreas Zerbe war die Kooperative Regionalleitstelle von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei nachts um halb zwei von dem Zwischenfall informiert worden. Sofort rückten die Kräfte mit insgesamt 21 Fahrzeugen und 90 Mann aus, darunter auch der Leiter des Rettungsdienstes und ein Notarzt. Das Großaufgebot war nach Zerbes Worten nötig, brauchten die Kräfte doch diverses Spezialgerät, unter anderem zu Luftmessungen, aber auch für die Stromerzeugung mitten in der Nacht. Kurzzeitig musste auch die Straße gesperrt werden, der Anlieferverkehr für den Großmarkt C+C Schaper war nicht möglich, bis Zerbe seine Männer auf das Betriebsgelände der hameln group verlegen ließ. „Die Sperrung war nur kurzfristig, aber wir mussten zwischenzeitlich auch die Hamelner Straße dichtmachen, weil wir dort Luftmessungen durchgeführt haben“, sagt der Einsatzleiter.

Seine Männer evakuierten zunächst 51 Mitarbeiter des Unternehmens, das normalerweise im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten lässt, und erkundeten danach unter Chemikalienschutzanzügen die Lage in der Halle. Sie stellten fest: Ein Container mit etwa 200 Liter Salzsäure war durch eine Pumpe – die Ursache ist noch unbekannt – leer gepumpt worden. Der Gefahrstoff dient nach Angaben von Unternehmenssprecherin Eva Banholzer normalerweise zur Neutralisierung von Abwässern, also der Stabilisierung des ph-Wertes – solche Abwässer fallen bei der Abfüllung von Ampullen und sogenannten Vials (Behälter für flüssige Arzneimittel) an. Die Salzsäure gelangte aber in dieser Nacht nicht wie vorgesehen in die Produktionsanlage, sondern in die Halle.

Zerbe ließ umgehend weitere Spezialkräfte zur Gefahrgutbekämpfung alarmieren. „Einzelne Gefahrstoffreste konnten mit Chemikalienbindemittel abgestreut und somit unschädlich gemacht werden, aber während der weiteren Erkundung wurde klar, dass sich rund 200 Liter Salzsäure unter der Pumpe im sogenannten Pumpensumpf gesammelt hatten. Diese mussten mit Spezialpumpen in besondere Behälter gefüllt und geborgen werden“, beschreibt er die Szenerie.

Während des Einsatzes wurden Messwagen der Kreisfeuerwehr und auch die Untere Wasserbehörde hinzugezogen, um die Lage für mögliche Gefahrstoffeinleitungen in die Kanalisation zu beurteilen. Außerdem war ein Klärmeister vor Ort, der zusätzlich Stichproben entnahm. In der Kanalisation auf dem Firmengelände sei die Säure nachzuweisen gewesen, während einige Meter weiter im öffentlichen Kanalnetz keine Säure mehr feststellbar gewesen sei, so der Einsatzleiter.

Unternehmenssprecherin Banholzer war die lange Nacht gestern nicht anzumerken; geduldig beantwortete sie Fragen verschiedener Medien. Wann die Produktion im ersten Abschnitt, in dem sich der Zwischenfall ereignet hatte, wieder aufgenommen werden kann, vermochte sie gestern allerdings nicht zu sagen – die Untersuchungen nach dem gegen Mittag beendeten Großeinsatz dauerten während des ganzen Tages an. „Wir sind zunächst mal erleichtert, dass Menschen und Umwelt nicht zu Schaden gekommen sind“, sagte sie. Da befürchtet worden sei, dass aufgrund der Salzsäsure Aerosole in die Luft gelangt sein könnten, möglicherweise durch die betriebseigene Lüftung, hätten die Räumlichkeiten im ersten Produktionsabschnitt erst einmal wieder entlüftet werden müssen.

Gestern Nachmittag wartete man dann auf den TÜV, der eine mögliche Kontaminierung überprüfen soll. „Unsere Mitarbeiter sind noch in der Nacht von Ärzten untersucht worden“, so die Pressesprecherin. Zum Glück sei aber bei keinem etwas festgestellt worden. Die ausgelaufene Säure muss im Auftrag der hameln group durch eine Spezialfirma entsorgt werden. Ob Wände oder Kabel betroffen sind, lässt sich nach Angaben der Pressesprecherin letztlich noch nicht sagen und auch nichts über die Höhe des Schadens, besonders durch den Produktionsausfall.

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