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Großeinsatz: Retter bringen 14 Schülerinnen in Klinik

veröffentlicht am 30.06.2011 um 20:37 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:35 Uhr

Von Ulrich Behmann
Hameln. Die Aufregung ist groß, die Bundesjugendspiele an der Theodor-Heuss-Realschule werden abgebrochen – Notarzt- und Rettungswagen der Feuerwehr und des Roten Kreuzes fahren am Mittag auf den Schulhof an der Breslauer Allee. Zahlreiche Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren haben Schmerzen, fühlen sich plötzlich nicht so gut, einige hyperventilieren. Das bedeutet: Sie atmen viel zu schnell, dadurch kommt es zu Stoffwechselproblemen, die zu einer Kreislaufschwäche führen. „Dieses Phänomen kennt man von Rock-Konzerten“, sagt ein Arzt.

Was genau passiert ist, weiß zu diesem Zeitpunkt niemand so genau. Der Hamelner Notarzt fordert wohl auch deshalb Unterstützung an. Die Regionalleitstelle „Weserbergland“ alarmiert den Leitenden Notarzt – Dr. Jörg Meckelburg aus Bad Pyrmont soll seinen Kollegen vor Ort unterstützen und den Einsatz koordinieren.

Die Schulleiterin fürchtet offenbar schlechte Presse, als sie einen Reporter erspäht. Sie verweist ihn des Schulgeländes, verbietet eine Berichterstattung und fordert: „Die Fotos, die Sie gemacht haben, löschen Sie!“ Thomas Wahmes, Sprecher der Stadt Hameln, die Schulträger ist, beurteilt das Verhalten der Lehrerin später so: „Das war keine sachgerechte Reaktion. Sie ist wohl der allgemeinen Aufregung geschuldet.“

Ein Team der Tatort-Gruppe und ein Streifenwagen treffen ein, um Ermittlungen durchzuführen.
 Nach und nach werden 14 Patientinnen mit Rettungswagen und einem Mannschaftstransportwagen der Feuerwehr zur Notaufnahme des Sana-Klinikums gefahren. In der Kinderklinik stehen schon drei Ärzte bereit, um die Patientinnen aufzunehmen. „Alles hat reibungslos geklappt – gerade auch im Krankenhaus“, sagt Dr. Meckelburg. Es sei nämlich keinesfalls normal, dass eine Klinik so viele Menschen gleichzeitig aufnehmen und behandeln könne. Kinderarzt Philipp Siebrasse gibt das Lob an die Retter zurück: „Die Mädchen waren bei Einlieferung bereits gut versorgt. Ein jedes trug eine Sichtungskarte um den Hals, auf dem die Verletzungsschwere und die Verdachtsdiagnose vermerkt waren.“ Am Nachmittag sagt der Sprecher des Sana-Klinikums, Peter Höxter: „Es befindet sich nur noch eine Schülerin in der Kinderklinik.“ Die anderen Patientinnen seien entlassen worden.

Dr. Meckelburg, der auch der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Hameln ist, sagt auf Anfrage der Dewezet, was auf dem Schulgelände passiert ist: „Es handelt sich um eine Verkettung unglücklicher Umstände. Ein Mädchen ist auf ein Knie, ein anderes auf den Bauch gefallen. Letzteres hat sich ein stumpfes Trauma zugezogen. Eine Schülerin bekam dann offenbar einen Asthma-Anfall. Die anderen Kinder haben sich wohl tüchtig aufgeregt, zu schnell geatmet, also hyperventiliert. Am Ende mussten 14 Schülerinnen medizinisch versorgt werden.“ Aus notärztlicher Sicht sei nichts Dramatisches passiert. „Die Patientinnen waren nur leicht bis mittelschwer erkrankt oder verletzt.“ Ausdrücklich lobt Dr. Meckelburg den Schulsanitätsdienst. Deren Mitglieder hätten sehr gute Arbeit geleistet. „Die haben sich sofort um ihre Mitschüler gekümmert und die anrückenden Einsatzkräfte eingewiesen.“
 Thomas Wahmes von der Stadt Hameln sagt, es sei eine freiwillige Teilnahme an einem 800-Meter-Lauf angeboten worden. „Einige Teilnehmer haben wohl ihre Kräfte falsch eingeschätzt.“ Unmittelbar nach dem Zwischenfall sei das Sportfest abgebrochen worden. „Die Schule hat nichts falsch gemacht, sie bedauert den Vorfall.“ Sie habe schnell und umsichtig reagiert und die Eltern informiert.

Am Nachmittag meldet sich der 1. Konrektor der Schule bei der Dewezet. Er sagt, die Teilnehmer seien auf einen solchen Lauf im Unterricht vorbereitet worden. „Ich bin seit Jahrzehnten im Schuldienst, aber so eine Massenpanik habe ich noch nie erlebt.“
 Die Polizei hat ihre Ermittlungen abgeschlossen. Ihr Fazit: „Es gibt keine Hinweise auf eine Straftat, auf eine Nahrungsmittelvergiftung oder auf Umweltgifte als Verursacher“, sagt Oberkommissar Jörn Schedlitzki.



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