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Hannelore Meyer ist den Schauspielern eine große Stütze / 66-Jährige kennt die Stücke auswendig

Große Gestik aus dem Souffleusen-Kasten

Wehrbergen. Im Wohnzimmer erzählt Hannelore Meyer von ihren Erfahrungen als Souffleuse der Laienspielgruppe Wehrbergen. Sie entspricht dem Bild, das damit verbunden ist: Sie spricht leise und zurückhaltend, wählt Worte mit Bedacht. „Vor zehn Jahren habe ich den Job übernommen. Damals verließen Freunde Wehrbergen, und ich habe mich bereiterklärt, von der Bühne in den Souffleusenkasten zu wechseln“, sagt die 66-Jährige.

veröffentlicht am 25.05.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 11.11.2016 um 20:41 Uhr

Bei den Proben sind Schauspieler und Souffleuse ganz bei der Sac

Autor:

Matthias Rohde
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Was die Rentnerin bescheiden verschweigt: An ihrem Arbeitsplatz wird sie zur – leider nur für die Schauspieler zu sehenden – Attraktion. Bei den Proben fixieren die Schauspieler ihre Souffleuse, und das nicht nur, weil sie mit Textunsicherheiten kämpfen. Allein mit ihrem Blick vermag Meyer ihnen auf die Sprünge zu helfen. Es ist ein fordernder, keinen weiteren „Hänger“ duldender, einer, der weit über das hinausgeht, was als Hilfestellung allein Beachtung findet. Und dann ist da noch ihre rechte Hand. Während die linke das Manuskript hält, sticht Meyer hin und wieder mit der anderen unsichtbare Löcher in die Luft, manchmal beugt sie sich auch mit dem Oberkörper vor. „Ich kenne meine ‚Pappenheimer‘“, sagt die Souffleuse und erklärt, dass sie im Laufe der Jahre gelernt habe, Anzeichen von Textschwäche frühzeitig zu erkennen. „Wenn Schauspieler mich verstärkt ansehen, dann weiß ich: ‚Aufpassen, gleicht hakt’s‘.“

Dabei sei es enorm wichtig, so Meyer, Blickkontakt zu vermeiden, denn das entgehe dem Zuschauer nicht. Manchmal sei es aber trotzdem unvermeidlich, zum Beispiel dann, wenn Schauspieler ihre künstlerische Freiheit allzu ernst nähmen und den Text an entscheidender Stelle nach ihrem Gusto veränderten. „Ich erinnere mich an eine Szene, als zwei Männer um einen Tisch laufen mussten. Eine Schauspielerin sollte dazukommen, wenn einer ein bestimmtes Wort sagte. Nur: Der gute Mann sagte das Wort nicht. Also liefen sie und liefen sie, während die Schauspielerin hinter der Bühne auf ihr Stichwort wartete. Und reinrufen darf ich ja nicht“, erklärt Meyer. Gott sei Dank sei die Regisseurin so geistesgegenwärtig gewesen und hätte die Schauspielerin irgendwann einfach sanft auf die Bühne geschubst.

Sie selbst sieht sich als „Sanitäterin“ des Ensembles. „Ich helfe dann, wenn die anderen mich brauchen“, sagt die Wehrbergerin und gibt zu: „Manchmal möchte ich aus meinem Kasten klettern“, und scherzend ballt sie die Fäuste. Den Schauspielern ist Meyers Enthusiasmus willkommen. Einmütig stellen die Laiendarsteller fest: „Mit dieser Souffleuse lernt man den Text besser ganz genau auswendig.“ Und Meyers Ehemann Ernst, der aktives Mitglied der Theatergruppe ist, sagt: „Ich kann den Text an den Lippen meiner Frau ablesen. Das hilft ungemein.“ Der 72-jährige Hobbyschauspieler gibt zu bedenken, dass es mit zunehmendem Alter immer schwerer werde, die mitunter langen Texte auswendig zu lernen.

Manuskripte werden kopiert und vergrößert

Die Souffleuse hingegen lernt quasi als Nebenprodukt ganze Stücke auswendig. „Wenn wir ein neues einstudieren, dann treffen wir uns am Anfang zu gemeinsamen Leseabenden. Später, wenn die Rollen verteilt sind, können sich die Darsteller auf ihren Text konzentrieren, aber ich muss alles lesen.“ Es sei keine Seltenheit, dass sie den kompletten Text 20-mal und mehr lese. Und weil es im schummrigen Souffleusenkasten nicht einfach ist, die kleine Schrift zu entziffern, hat sich Meyer jede Seite des Manuskriptes kopiert, vergrößert und farbig markiert. „So finde ich schneller die Textstellen wieder, wenn einer wieder einmal von dem Originaltext abgewichen ist.“ Die meiste Zeit lese sie still, nur die Lippen bewegend, jede Zeile mit.

Derzeit bereitet die Gruppe die Komödie „Pretty Belinda“ von Bernd Spehling vor. Die Aufführung im Theater musste aus Termingründen abgesagt werden, aber am 7., 8., 13. und 14. November führen die Laiendarsteller das Stück im Dorfgemeinschaftshaus von Wehrbergen auf. Und dass alles reibungslos über die Bühne geht, dafür wird wieder einmal Hannelore Meyer sorgen.



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