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Was das altbekannte Phänomen alles mit sich bringt …

Groß, dunkel – und erholsam: Das Sommerloch

Hameln. Laut Definition ist ein Loch eine große oder kleine Öffnung, gefüllt mit Nichts, in das ganz wunderbar etwas hineinfallen kann. So gesehen könnte so ein Loch also nach einiger Zeit jede Menge Einfälle beherbergen. Man müsste nur reingreifen, sie rausholen, ein bisschen vom Staub befreien und sie präsentieren. Wenn es doch nur so einfach wäre mit diesem Loch, diesem ungeliebten Sommerloch. Da das Phänomen in den Medien geboren wurde und dieses Kind ihnen das Leben schwermacht, haben wir uns das dunkle Ding näher angesehen, Passanten in der Fußgängerzone dazu befragt, und dabei sogar auch schöne Aspekte des Phänomens entdeckt.

veröffentlicht am 09.08.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 08.11.2016 um 06:21 Uhr

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Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Politik: Die ist überhaupt schuld an dem Übel. In dem Moment, in dem Politiker ihre Sommerpause einlegen, herrscht auf der Welt gefühlter Stillstand. Ein Interviewter in der Hamelner Fußgängerzone nimmt kein Blatt vor den Mund: „Der Bundestag ist ja gerade im Urlaub. Gott sei Dank, dann können die wenigstens keinen Scheiß verzapfen.“ Genau. Das normale Leben geht zwar ohne Politik genauso weiter wie mit, doch fehlt es an ernstzunehmenden Entscheidungen, die kommentiert werden wollen und an brauchbaren Vorschlägen zur Verbesserung der Gesellschaft. Stattdessen wachsen aus dem Sommerloch manchmal seltsame Pflänzchen. Für die Redaktion zum Spaß hätten wir so gerne mal wieder so einen hübschen Sommerloch-Füller wie die Geschichte mit Ulla Schmidt und ihrem Fahrer samt Dienstwagen in Spanien. Das war schön. Oder noch einmal einen ähnlichen Vorschlag wie der des Ex-SPD-Generalsekretärs Klaus Uwe Benneter und des Grünen-Politikers Hans Christian Ströbele: Sie forderten 2006 die Einführung einer Siesta in Deutschland. Olé. Und wir fordern eine Initiative zur Vermeidung eines drohenden Winterlochs und einen Stresstest für Politiker.

Schule: Schule …, Schule … – da war doch was. Ach ja, die. Die fängt erst am 17. August wieder an. Bis dahin sind die Klassenräume leere Löcher, in denen sich maximal ein Handwerker blicken lässt. Die Ferien sind unter anderem die Ursache für den nächsten Punkt:

Party: Das ist die Antwort einiger Jugendlicher auf die Frage, was sie denn mit dem Sommerloch verbinden: „Party und Freunde treffen“ – und „Urlaub“.

Parkplätze: Himmlisch. Vor den Schulen meistens Wahlfreiheit, in den Nebenstraßen der gleiche Luxus, sogar an den Hauptverkehrsstraßen gibt es im Sommerloch unentgeltliche Parklöcher.

Straßen: Freie Fahrt! In Hameln steht derzeit kaum einer im Stau – weil alle an die Küste gefahren sind. Der Weg dorthin dürfte allerdings einigen die Urlaubslaune vorzeitig verdorben haben: 10, 17, 20 Kilometer Stau vor dem schwarzen Loch, das den Eingang zum Elbtunnel bildet.

Rathaus: Gefühlt ist dort gerade jeder zweite Bürostuhl unbesetzt. Der Vertreter des Vertreters ist erst wieder da, wenn deren Vertreterin aus dem Urlaub zurückkommt … Wenn die Politik als Chef nicht da ist, haben auch die Verwaltungsmitarbeiter Pause. Kein Ansprechpartner, keine Auskunft, keine Berichte – dafür ein Bericht übers Phänomen „Sommerloch“.

Kunst: Ein Traum – mit drei Metern Abstand lässt sich jedes Kunstwerk in jeder Galerie bestaunen, ohne dass einem zwischendurch ein anderer kultivierter Kopf die Sicht versperrt. Tipp der Kultur-Redaktion: Chance nutzen und einen Besuch in einer der Galerien einplanen. Aber vorher Öffnungszeiten checken! Manche haben jetzt nämlich … Pause!

Telefon: Die Anbieter müssten in diesen Tagen eine Flaute spüren. Es steht zwar nicht still, doch unter „heißlaufen“ versteht man wirklich was anderes. Angenehme Erholung für Ohren und Stimmbänder.

Theater: Nichts. Kein Theater. Noch bis zum 4. September bleiben die Sessel im Hamelner Theater unbesetzt und die Bühne ruht still wie der See. Wer Theater haben will, muss das jetzt selbst zu Hause anzetteln. Wer Kinder hat, muss sich darüber weniger Gedanken machen …

Tatort: Macht Pause. Das gewohnte Sonntagabendprogramm mit dem Ersten muss völlig neu überarbeitet werden. Es sei denn, jemand liebt es, die alten Fälle noch einmal zu lösen.

Fußball: Ist doch alles wieder gut, Jungs – die Pause ist doch jetzt schon wieder vorbei. Die Bundesliga ist aus dem Sommerloch gekrochen und sorgt endlich wieder für Adrenalinkicks für Couch-Potatoes, schweißnasse Hände bei Fernseh-Fußballern und Freiräume für Ehefrauen, die ihre Männer für Familienaktivitäten am Samstagnachmittag wieder abschreiben können.

Nachrichten: Tja. Siehe Politik. Laut Wikipedia ist das Sommerloch eine nachrichtenarme Zeit, in der Themen Platz finden, die sonst nicht in die Tageszeitung und andere Medien einziehen. Häufig werden angebliche auch Berichte platziert, die keinen Nachrichtenwert haben … zum Beispiel über Sommerlöcher? Anders betrachtet, schaffen es auch endlich mal jene Dinge aufs Papier, die einen Unterhaltungswert haben, der es sonst nicht über die hohe Messlatte der Nachrichtenagenturen schafft.

Sommerloch: Im Landkreis Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz gibt es eine Gemeinde mit dem Namen „Sommerloch“ und niedlichen 431 Einwohnern.

Silly Season: Als solche wird das Sommerloch im englischsprachigen Raum bezeichnet: verrückte Saison.

Saure Gurken: Das Gemüse hält ebenfalls für eine Zeit her, die wenig Ertragreiches zu bieten hat und könnte somit als kleiner Bruder des Sommerlochs bezeichnet werden.

Eine Video-Umfrage zum großen Sommerloch gibt es unter dewezet



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