weather-image
28°
Apothekerin: „Ich kann mich nicht erinnern, wann es jemals so heftig war“

Grippe-Medikamente: Notstand in Apotheken

HAMELN. Die heftige Grippewelle hinterlässt auch in den Apotheken ihre Spuren: Nicht nur die Zahl der Mitarbeiter ist dezimiert, auch die Regale leeren sich in rasanter Geschwindigkeit.

veröffentlicht am 01.03.2018 um 17:25 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 18:50 Uhr

„Wir haben säckevoll Engpässe“, sagt Peter Frenes, Apotheker in der Löwenapotheke. Foto: Doro
Dorothee Balzereit

Autor

Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Vor allem Ibuprofensaft, der gegen Fieber und Schmerzen hilft, ist kaum noch vorhanden, berichtet Ulrike Berz, Apothekerin in der Rathsapotheke. Aber auch Antibiotika gehe zu Neige. Das hilft bei einer Virusgrippe zwar nicht, aber oft werde es verschrieben, wenn sich zur Grippe noch eine bakterielle Infektion geselle. „Ich kann mich nicht erinnern, wann es mal so heftig war“, sagt sie.

Nicht nur die Raths-Apotheke am Pferdemarkt ist betroffen. Seit Mittwoch gibt es beispielsweise in der Löwenapotheke in der Bäckerstraße keine Paracodeintropfen mehr, die starken Hustenreiz lindern. Seit letztem Monat spüre man die Nachschubprobleme deutlich, sagt Apotheker Peter Frenes. Solveig Mitchell, Inhaberin der Weser-Apotheke am Mertensplatz, kann die Nachfrage zwar gerade noch bedienen, sagt aber: „Es wird immer brenzliger.“ Rund eineinhalb mal mehr Kunden als sonst kommen derzeit zu ihr.

Grund für die Engpässe ist allerdings nicht allein die Grippe. Sie fördert nur zutage, was in der Branche seit Längerem ein Problem ist: Immer wieder Lieferengpässe bei Medikamenten.

„Wir haben säckevoll Engpässe“, sagt Peter Frenes. Auch Pantoprazol, das die Bildung von Magensäure hemmt, fehlt. Bei Solveig Mitchell war es vor Kurzem Bepanthen Nasen- und Augensalbe. „Das ist unser tägliches Brot“ sagt sie. Frenes nennt es eine Katastrophe. Ein Grund ist aus seiner Sicht die Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer. Unterschiedliche Unternehmen ließen nur noch bei einem Hersteller produzieren, „geht dort was schief, gibt es eben nichts mehr“.

Auch die Krankenkassen, die durch Rabattverträge mit der Pharmaindustrie die Preise drücken, seien mitverantwortlich. Zur Erklärung: Bei einem Rabattvertrag sagt ein Pharmahersteller einer Krankenkasse zu, dass er für ein Medikament oder auch ein ganzes Sortiment einen Rabatt auf den bundesweit einheitlichen Apothekenverkaufspreis gewährt. Die Krankenkasse wiederum sagt dem Hersteller zu, dass alle ihre Versicherten im Normalfall künftig nur dessen Präparate erhalten.

Das Unternehmen Ratiopharm, inzwischen eine Tochter von Tewa, kann diese Rabattverträge aufgrund der Engpässe inzwischen nicht mehr bedienen, wie ein Sprecher bestätigt. Als Grund wird Rohstoffverknappung angegeben.

Und was passiert, wenn der Medikamentenhersteller nicht liefern kann? „Dann weichen wir auf Produkte mit dem gleichen Wirkstoff aus, die möglichst nicht teurer sind“, erklärt Solveig Mitchell. Noch funktioniere das. Wenn es doch teurer wird, weil es nur dieses Medikament gibt, dokumentiere sie das auf dem Rezept. Bisher habe es noch keine Probleme mit den Krankenkassen gegeben.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare