weather-image
12°
Stammgäste trauern um ihr Stammlokal

„Grill am Klüt“ schließt nach 32 Jahren

HAMELN. Das Ehepaar Hanke hat sich nach 32 Jahren entschlossen, in Rente zu gehen. Der „Grill am Klüt“ wird gegen Ende des Jahres geschlossen. Doris und Ludwig Hanke suchen momentan nach einem geeigneten Nachfolger.

veröffentlicht am 13.06.2016 um 16:54 Uhr
aktualisiert am 26.10.2016 um 08:53 Uhr

270_0900_1750_hm103_Grill_am_Kluet_1306.jpg

Autor:

von Diana Koschorreck
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Man kennt sich im „Grill am Klüt“. Jeder wird freundlich begrüßt. Der Gastraum wirkt einladend: urige Holztische und -stühle, familiäre Atmosphäre. Hinter dem Tresen, an dem man auch auf einem Hocker verweilen und ein Pläusschen mit den Wirten halten kann, hängen handgeschriebene Tafeln, auf denen die angebotenen Speisen und Getränke zu finden sind: Schnitzel, Schaschlik, Gyros, Fisch, Pommes, Salate. Aber der eigentliche Verkaufsschlager ist der „Klütburger“. „Das ist ein Muss in Hameln“, findet Ludwig Hanke. Der 64-Jährige betreibt den „Grill am Klüt“ zusammen mit seiner Frau Doris nun schon seit 32 Jahren. Doch bald ist Schluss: Das Ehepaar möchte sich Ende des Jahres zur Ruhe setzen und sucht nun nach einem Käufer für ihren Imbiss.

Ludwig Hanke kündigte seinen Job für den Imbiss-Traum „Es wäre schön, wenn der Nachfolger aus der Gastronomie käme und den Betrieb weiterführen würde“, sagt Ludwig Hanke. Aber wenn es nicht anders geht, würde er die 706 Quadratmeter auch als Baugrundstück hergeben. Wichtig ist Doris und Ludwig Hanke nur, dass sie einen klaren Schnitt machen können. Sie wollen nach dem Verkauf nicht mehr mit „einem halben Bein drin bleiben“ im Geschäft.

Der Betrieb in der Klütstraße ist ein Urgestein in Hameln. „Es kommen viele Motorradclubs auf ihren Touren hierher“, sagt Ludwig Hanke. „Und vor Kurzem erst wurden wir aus Salzburg gegrüßt“, fügt seine Ehefrau hinzu. Ehemalige Stammkunden seien in die österreichische Stadt ausgewandert und hielten nun Ausschau nach Autos mit Hamelner Kennzeichen, um deren Besitzer zu bitten, das Ehepaar Hanke zu grüßen, sagt die 63-Jährige. Der Großteil der Gäste im Grillimbiss sind Stammkunden. Dafür hat Doris Hanke eine einfache Erklärung: „Man unterhält sich mit den Leuten und jeder kann hier ein Wort loswerden, wenn er möchte“, sagt sie.

270_0900_1751_hm304_1406_nin_grill.jpg
  • Der Verkaufsschlager ist der Klütburger. Foto: nin
270_0900_1752_hm305_1406_nin_grill.jpg
  • Doris Hanke erinnert sich an alte Zeiten. Bis Ende der 1970er Jahre war ihr Grillimbiss noch eine von vier Tankstellen auf der Klütstraße. Foto: nin
270_0900_1749_hm101_Grill_am_Kluet_1306.jpg
  • Ehepaar Hanke setzt sich nach 32 Jahren Imbiss zur Ruhe Foto: Dana

Sie hat den Satz noch nicht ganz ausgesprochen, da kommt ein befreundetes Ehepaar zur Tür hinein. Die beiden hatten von der Schließung des Grillimbisses gehört. „Da habe ich gesagt: ‚Los, wir müssen noch mal einen Burger bei Ludwig essen, bevor wir keinen mehr kriegen‘ “, sagt die Frau.

Ähnlich wie dieses Ehepaar waren auch die anderen Stammgäste des Grillimbisses traurig, als sie von seinem nahen Ende erfuhren. „Einige haben sogar gesagt, wir sollten noch ein paar Jahre weitermachen“, berichtet Ludwig Hanke. „Aber das wollen wir nicht. Irgendwann ist auch mal Schluss“, findet seine Frau. „Wir sind jetzt alt genug und hier muss frischer Wind rein.“

Bis Ende der 1970er Jahre war auf dem Grundstück eine Tankstelle. Als das Ehepaar es aber 1983 pachtete, stand hier schon der einstöckige Imbiss. Der ehemalige Besitzer war ein Kunde von dem damals noch im Außendienst eines Lebensmittelwerkes tätigen Ludwig Hanke. Als er verstarb, entschloss der heute 64-Jährige sich kurzerhand, den Betrieb zu übernehmen. Etwa ein Jahr lang haben die Hankes das Gebäude renoviert. Aber die früheren Kunden sind dem Imbiss nach der Neueröffnung treu geblieben. „So würde es auch wieder laufen“, glaubt Ludwig Hanke, „wenn unser Nachfolger bereit ist, gutes und preiswertes Essen anzubieten, bleibt die Stammkundschaft.“

Das Ehepaar Hanke blickt mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf die 32 Jahre „Grill am Klüt“ zurück. „Es sind viele Freundschaften entstanden und es war eine schöne Zeit“, sagt Doris Hanke. „Aber wir freuen uns auch auf die Zeit danach. Wir möchten uns ein bisschen was von der Welt angucken“, ergänzt ihr Mann. Eine Reise zum Nordkap ist ihr gemeinsamer Traum. Und für die restlichen Tage suchen die beiden sich neue Hobbys und Herausforderungen. „Eins haben wir schon“, sagt Doris Hanke. Ein gepachtetes Waldgrundstück in Hameln soll dem Ehepaar nun zur Erholung dienen.

Aber bis sie das richtig nutzen können, dauert es noch ein wenig. Klar ist für Doris Hanke erst einmal nur: „Spätestens an Weihnachten ist für uns Schluss.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt