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40 Jahre bei der Volksbank: Heinz-Walter Wiedbrauck beantwortet vier Fragen zu vier Jahrzehnten

„Griechenland braucht eine Euro-Pause“

Hameln. Vor 40 Jahren begann die Karriere von Heinz- Walter Wiedbrauck bei der heutigen Volksbank Hameln-Stadthagen. Im Dewezet-Interview blickt der heutige Vorstandsvorsitzende zurück und beantwortet vier Fragen zu seinen vier Dienst-Jahrzehnten.

veröffentlicht am 18.12.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 00:21 Uhr

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Autor:

Frank Henkeund Marc Fisser
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1973: Die Ölkrise wird zur Wirtschaftskrise. Wie reagieren Kunden und Kollegen im Weserbergland?

Ich erinnere mich noch gut an die autofreien Sonntage, an denen man überall auf den Straßen herumlaufen konnte. Nur die Rettungsfahrzeuge durften fahren. Die Opec hatte damals die Ölförderung vermindert aufgrund des Konfliktes mit Israel. Man wollte die westlichen Staaten zwingen, auf Israel Einfluss zu nehmen. Auf lange Sicht hat dies dazu geführt, dass Energiesparmaßnahmen angeschoben, neue Möglichkeiten der Ölförderung – wie in der Nordsee – erschlossen wurden. Damals hat sich der Heizölpreis in kurzer Zeit mehr als verdoppelt. Ich hatte im Oktober 1972 gerade bei der Volksbank angefangen. Bei den Kunden spielte die Krise damals keine große Rolle. Aus heutiger Sicht handelte es sich nur um eine kleine Wirtschaftskrise.

1989: Die Menschen fliehen aus der DDR in die Freiheit – und zur D-Mark, im November fällt die Mauer. Was bedeutete das für Ihre Bank?

Das war geschichtlich ein ganz wichtiges Datum. Dass die Mauer eines Tages fällt, hätte man sich zuvor nicht vorstellen können. Für uns bedeutete das natürlich eine Ausweitung der wirtschaftlichen Entwicklung. Wir haben damals sehr viele Kredite für Investitionen bereitgestellt. Das war eine Zeit, in der es richtig brummte – auch hier in Hameln. Viele Unternehmen gingen damals nach drüben und haben sich dort auch etabliert. Genau wie unser Haus: Wir sind 1990 nach Quedlinburg gegangen und haben dort die Raiffeisenbank im wahrsten Sinne des Wortes aufgebaut und bis 1996 auf gesunde Beine gestellt. Einen Tag in der Woche war ich damals mindestens in Quedlinburg.

1999: Der Euro wird – zunächst als Buchwährung – in 11 Staaten eingeführt. Mit welchen Erwartungen begegneten Sie der neuen Währung?

Man war damals schon euphorisch gestimmt. Eine einheitliche Währung für damals 11, heute 17 Länder war zum einen für den Bürger im Urlaub von Vorteil: Er kann überall mit einer Währung zahlen, muss nicht umrechnen und hat den Preisvergleich. Die Wirtschaft hat weniger profitiert, als man sich das damals vorgestellt hat. Die Exporte im Euroraum sind nach 1999 – anders als erwartet – nicht exorbitant gestiegen. Deutschland hat sich andere Exportmärkte gesucht – im asiatischen Raum oder auch die USA. Der Anteil Europas ist prozentual zurückgegangen. Dass eine Währungsunion mit beispielsweise Italien schwierig wird, wusste man schon damals. Politiker wie Helmut Kohl haben den Euro damals politisch eingeführt, haben aber nicht die Grundvoraussetzungen für eine gemeinsame Währung – eine einheitliche Steuergesetzgebung, eine einheitliche Wirtschaftspolitik – geschaffen. Die Auswirkungen sieht man heute.

2007: Die globale Finanzwelt beginnt zu wanken, als eine riesige Immobilienblase platzt. Waren Sie überrascht?

Die Subprime-Krise hatte ich schon befürchtet. Man hatte damals alles beliehen, was irgendwie ging. Mit Beleihungsrichtlinien, die mit unseren gar nichts zu tun haben. Man hat quasi Gartenhäuser zu einem Vielfachen ihres Wertes beliehen. Diese Finanzierung haben die großen Baufinanzierer den Banken wieder abgenommen. Das wurde in strukturierte Anlagen gepackt und wieder verkauft – dadurch ist die Sicherheit keineswegs besser geworden. In unserem Haus haben wir schon Anfang 2007 die Hälfte unseres Wertpapierbestandes verkauft. Ich hatte mir damals – über Weihnachten 2006 – Gedanken gemacht und war zu dem Schluss gekommen, dass das nicht gutgehen kann. Wir hatten dann 2008 eine ziemlich geringe Abschreibung in unserem Wertpapierbestand. Aus der Bankenkrise wurde schließlich die Staatsschuldenkrise, in der wir heute leben. Leider sind wir in diesem Bereich nicht bereit, Konsequenzen zu ziehen. Indem wir Geld in die Krisenstaaten geben, erkaufen wir uns nur Zeit. Wir sollten Griechenland oder anderen Staaten die Möglichkeit geben, temporär, für zehn Jahre, aus dem Euro auszusteigen. Dann könnten diese Staaten wirtschaftlich wieder auf die Füße kommen.

Von der Ölkrise bis zur Finanzkrise: Im Interview blickt Heinz-Walter Wiedbrauck auf Ereignisse aus vier Jahrzehnten zurück.Foto: Wal



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