weather-image
17°
Stadt untersucht zweimal jährlich 18 000 Bäume / Aktuelle Schadensfälle durch abgebrochene Äste

Gratwanderung: Pracht oder Gefahr?

Hameln. Ihre tägliche Arbeit kann man mit der eines Hausarztes vergleichen. Weiße Kittel tragen sie nicht. Aber wie in Praxen führen sie eine Kartei über ihre „Patienten“: 18 000, allesamt Hamelner Bäume, sind in einem Kataster zusammengefasst sind – EDV-gestützt. Im Kataster sind Angaben zu Art, Gattung, Stammumfang und Kronenhöhe eingepflegt. Statt mit Otoskop und Stethoskop untersuchen sie mit Schonhammer und Fernglas, notfalls auch mit Bohrer. „Hausbesuche“ sind Standard. Zweimal im Jahr werden ihre Patienten kontrolliert – einmal belaubt und einmal unbelaubt.

veröffentlicht am 27.06.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 17:41 Uhr

270_008_6437821_hm301_fn_2706.jpg
Frank Neitz

Autor

Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Für die 18 000 Bäume auf städtischen Grundstücken hat die Stadt Hameln eine Verkehrssicherungspflicht. Städtische Baumpfleger sorgen dafür, dass keine Gefahren von den Bäumen ausgehen können. Bei ihrer Überprüfung arbeiten die Spezialisten wie Gartenmeister Michael Herdin weitestgehend visuell. Bäume werden auf Pilzbefall, Höhlungen, Morschungen, Stammverletzungen sowie auf tote oder brüchige Äste kontrolliert, 70 bis 120 am Tag je Mitarbeiter. Bei Befunden verfassen die Baumpfleger Stellungnahmen, die dem Umweltausschuss vorgelegt und auch veröffentlicht werden. Dass neuerdings eine Baumfällliste einzusehen ist, begrüßt Ralf Hermes, Kreisgruppenvorstand des BUND Hameln: „Die Transparenz ist wichtig und positiv die Nachprüfbarkeit. Wir haben dadurch die Möglichkeit nachzufragen.“ Im schlimmsten Fall werden betroffene Bäume gefällt. Meist jedoch wird Totholz entfernt oder das nötige Lichtraumprofil freigeschnitten.

Trotz ständiger Beobachtungen der Bäume kommt es auch zu nicht vorhersehbaren Schäden. Zwei abgebrochene Äste beschäftigten in der vergangenen Woche die Wachbereitschaft der Hamelner Feuerwehr mit Aufräumarbeiten. Am Montag, 17.06., brach aus einer an der Hamel stehenden circa 50 Jahre alten Trauerweide bei Windstille ein acht Meter langer und 35 Zentimeter dicker Ast ab. Im Fallen riss der Ast eine entlang des Hahlbrockwegs verlaufende Daten- und Kommunikationsleitung eines Industriebetriebs nieder und krachte dann auf den dortigen Fußweg. Verletzt wurde niemand. Der Sachschaden soll 5000 Euro betragen. Am Samstag stürzte ein ähnlich großer Ast einer alten Eiche auf die Helpenser Landstraße. ohne Folgen für Autofahrer.

Die Ursache für den Astbruch an der Weide hat Herdin festgestelt: Eine alte von unten nicht einsehbare Schnittstelle sorgte für eine Morschung, die dann zum Bruch führte. Nach Fällungen stehen die Baumpfleger in der Kritik der Bürger. Wie bei Manfred Schulz, der seinen Unmut über das Fällen von Pappeln an der Weserpromenade oder einer Kastanie in der Goethestraße zum Ausdruck bringt. „Darüber würde ich gern Gespräche führen“, sagt der Baumsachverständige Herdin und verweist auf die Verkehrssicherungspflicht .

270_008_6437795_hm302_fn_2706.jpg

Gartenmeister Michael Herdin führt eine Bohrwiderstandsmessung an einer Kastanie durch. fn (2)

Der abgebrochene Ast dieser Trauerweide krachte auf eine Datenleitung und dann auf einen Gehweg.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare