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Zahl der Cannabisplantagen nimmt auch im Weserbergland zu / Anbau trotz Risiko attraktiv

Gras aus deutschen Landen

HAMELN. Die Konkurrenz für den Schwarzen Afghane schläft nicht: Ob auf Waldlichtungen, im Feld oder in alten Hallen – immer öfter nehmen Leute in der Region das Risiko auf sich, beim Anbau von Cannabis erwischt zu werden. Das Ziehen von deutschem Marihuana, oft mit einem hohen THC-Gehalt, lohnt sich anscheinend.

veröffentlicht am 18.04.2017 um 16:34 Uhr

Indoor-Plantagen werden oft zufällig während eines Polizeieinsatzes entdeckt. Foto: dpa
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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In den Landkreisen Hameln und Holzminden ist die Zahl der entdeckten Cannabisplantagen von 2015 auf 2016 ebenfalls angestiegen: In Hameln-Pyrmont von 12 auf 18, in Holzminden von sechs auf neun. In diesem Jahr wurden bereits zwei Plantagen entdeckt (in Holzminden eine). Meist handelt es sich um Kleinplantagen (ab 20 Pflanzen). Allerdings: Einige Fälle, sind in der Hamelner Polizeistatistik nicht enthalten, wenn das Verfahren von anderen Dienststellen wie dem LKA geführt wurde.

In Niedersachsen ist die Zahl von 79 auf 85 gestiegen (gezählt wird hier erst ab 20 Pflanzen, also ab einer Kleinplantage), wie das Landeskriminalamt (LKA) bestätigt. Kleinplantagen machen zwar den den Hauptanteil aus (47 in 2015 und 48 in 2016), den größten Zuwachs verzeichnen allerdings die Großplantagen (von 29 im Jahr 2015 auf 34 in 2016). Profiplantagen (ab 1000 Pflanzen) wurden in den beiden zurückliegenden Jahren jeweils drei entdeckt.

Ein Vergleich mit anderen Bundesländern sei zwar derzeit nicht möglich, weil der Bericht des BKA noch nicht vorliege, aber: „In den letzten Jahren wurden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen die meisten illegalen Cannabis-Indoorplantagen entdeckt“, sagt ein Sprecher des Landeskriminalamtes. Laut Suchtbericht der Bundesregierung war Niedersachsen bereits 2010 das Bundesland mit den meisten Cannabisplantagen.“

Woran liegt das? „Es scheint preislich interessant zu sein“, vermutet Polizeisprecher Jens Petersen.

Nach dem härteren Vorgehen der niederländischen Behörden gegen Handel und Anbau von Cannabis hatte sich die Szene 2010 in Richtung Deutschland verlagert. Inzwischen sei die frühere Konzentration der Anlagen in der Nähe der holländischen Grenze einer gleichmäßigen Verteilung über ganz Niedersachsen gewichen, so das Landeskriminalamt.

Auch in Bad Münder stieß die Polizei schon auf niederländische Spuren: Die Fahnder einer auf Betäubungsmittel und organisierte Kriminalität spezialisierten Abteilung des LKA wiesen nach, dass der Haupttäter mindestens 450 Marihuanapflanzen aus den Niederlanden einführen ließ, mit denen Indoor-Plantagen in Sarstedt und Bad Münder bestückt wurden. LKA-Fahnder bestätigten einen hohen THC-Gehalt. In der abseits stehenden Scheune stießen die Beamten auf ausgeklügelte Belüftungs- und Beleuchtungstechnik.

„Das Equipment für Cannabisplantagen kann in Deutschland über das Internet und in Geschäften, sogenannten „Grow Shops“, legal gekauft werden. Nur eine Beratung zum Anbau ist dort nicht zulässig.

Die größte, professionell betriebene Anlage mit 987 Pflanzen fanden die Einsatzkräfte bei einer bundesweiten Aktion ebenfalls in Bad Münder – allerdings schon 2014. Dagegen nimmt sich die Plantage mit 60 Pflanzen, die im Juni 2016 im selben Ort gefunden wurde, schon fast bescheiden aus.

In Hameln zählte die größte bisher entdeckte Plantage 47 Pflanzen. Entdeckt wurde sie im November 2015 in der Nordstadt. 40 Pflanzen fand die Polizei im Juli 2016 in Reinerbeck auf einer Waldlichtung und weitere 40 in der Wehler Marsch (2016). Um wie viele Pflanzen es sich in einem niedergebrannten Haus in Gellersen handelte, lasse sich nicht beziffern. Brandursachenermittler waren auf eine Anzuchtstation mit mehreren Cannabispflanzen gestoßen.

„Oftmals werden Indoor-Plantagen eher zufällig während eines Polizeieinsatzes – zum Beispiel wegen Streitigkeiten oder Ruhestörung – entdeckt“, sagt Jens Petersen. Die meisten werden nach Hinweisen von Bürgern aufgespürt, erklärt ein Sprecher des LKA. Auch Auffälligkeiten im Zusammenhang mit der Gebäudenutzung (zum Beispiel erhöhter Stromverbrauch, Bestellvorgänge im Internet, Annahme der Redaktion) gehören dazu. „Um die polizeiliche Ermittlungsarbeit zu unterstützen, besteht auch die Möglichkeit, einen Hubschrauber einzusetzen“, sagt der Sprecher.

Aus der Luft machen sich die Fahnder zum Beispiel mit eine Wärmebildkamera auf die Suche. Die Strahlung der Lampen – oftmals 600-Watt-Natriumdampflampen, die täglich so viel Strom wie eine Durchschnittsfamilie im halben Jahr verbrauchen – verraten den Standort. Manch ein Anbauer investiert deshalb sogar in aufwendige Wärmedämmung.

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