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Mehrheitsgruppe und SPD haben sich für die preiswertere Pflaster-Lösung entschieden

Granit und Betonstein für die Nebenstraßen

Hameln (ni). Bei allen Sträußen, die sie sonst miteinander ausfechten: Über das neue Pflaster für die Nebenstraßen der Fußgängerzone sind Mehrheitsgruppe und SPD sich einig. Nach internen Beratungen haben sich beide unabhängig voneinander gegen die Naturstein-Variante und für die sogenannte Ein-Drittel-/Zwei-Drittel-Lösung entschieden. Bei den Anliegern von Ritter- und Emmernstraße hält sich die Begeisterung in Grenzen.

veröffentlicht am 15.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 05.11.2016 um 13:41 Uhr

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„Uns hätte eigentlich ein Ausbessern des alten Pflasters genügt“, sagt Klaus Pfisterer, der täglich in seinem Modellbau-Laden in der Emmern-straße steht. Aber wenn die Straße für die Verlegung neuen Leitungen und Rohre ohnehin auf ganzer Länge aufgerissen werden müsse, sei neues Pflaster sicher die vernünftigere Alternative. Doch wenn schon neu, „warum sollen wir dann hinten anstehen und uns mit der zweitbesten Lösung zufriedengeben?“, fragt sich der Geschäftsmann. Schließlich hätten die Anlieger der Emmernstraße die Hauptlast des Baustellenverkehrs tragen müssen, als der erste Abschnitt der Fußgängerzone rund um Hochzeitshaus und Pferdemarkt erneuert wurde. Auf der anderen Seite sei das Betonpflaster, „wenn es ordentlich verlegt wird, aber vielleicht viel besser für alle Rollstuhl- und Rollatorfahrer“. Und letztlich sei es der Politik doch sowieso egal, was die Anlieger gern hätten. Pfisterer: „Man hat uns ja gar nicht gefragt, was wir wollen.“

Pfisterer hat recht, muss die grüne Fraktionschefin Ursula Wehrmann einräumen. Eine Versammlung, bei der Anlieger ihre Wünsche hätten äußern können, gab es nicht. Was Wehrmann um so mehr ärgert, als die Mehrheitsgruppe schon Anfang Juli in einem Schreiben an Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann eine solche Informationsveranstaltung in Vorfeld der Baumaßnahmen gefordert hatte. „Auf den Brief haben wir bis heute keine Antwort“, sagt Wehrmann. Und nach der Sommerpause habe die Verwaltung plötzlich auf eine Pflaster-Entscheidung gedrängt, mit der Begründung, die Ausschreibung müsse zügig auf den Weg gebracht werden. Andernfalls drohen Verzögerungen und könne die Stadt den für das Förderprojekt Fußgängerzone vorgegebenen Abrechnungstermin nicht mehr einhalten.

Die Gründe, die SPD und Mehrheitsgruppe für ihre Entscheidung anführen, sind deckungsgleich: Die angespannte Finanzlage der Stadt lasse Mehrausgaben von grob geschätzten 50 000 bis 60 000 Euro für ein Pflaster nur aus Naturstein nicht zu. Außerdem sehen Regierungsmehrheit und Opposition ihren Beschluss auch als richtungsweisend für die Zukunft: Die Festlegung auf den Mix aus Natur- und Betonstein, so sagen CDU-Fraktionschef Claudio Griese und die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Meyer übereinstimmend, soll nicht nur für Ritter- und Emmernstraße gelten, sondern „auch für alle anderen Nebenstraßen, die früher oder später noch erneuert werden müssen“. So lasse sich vermeiden, dass die Wahl des Pflasters von der jeweils aktuellen Kassenlage abhängig gemacht werde und sich die Nebenstraßen am Ende sehr uneinheitlich präsentierten.

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Entlang der Fassaden ein Streifen Granitpflaster, in der Straßenmitte eine farblich angepasste Version der „Hamelner Mischung“ aus Beton – Heike Nolte von Schuh-Müller in der Ritterstraße „kann damit leben“. Schließlich koste auch diese zweitbeste Lösung schon „einen Haufen Geld, das nicht da ist“. Viel mehr als Pflaster beschäftigt die Geschäftsfrau seit zwei Tagen die Frage, „warum wir erst Donnerstag von den Stadtwerken ein Schreiben erhalten haben, dass ab Montag die Straße aufgerissen wird“. Für die Planung des Wareneinkaufs wären solche Informationen viel früher nötig, weil sich eine Großbaustelle vor der Ladentür negativ auf den Umsatz auswirke. Jetzt sei es zu spät, auf den erwarteten Kundenrückgang mit entsprechen zurückhaltendem Einkauf zu reagieren.

Anders als Nolte plädiert Horst Wellner vom gleichnamigen Modehaus in der Ritterstraße gegen „eine halbherzige Lösung“ und für das hochwertige Granitpflaster. Wie in Oster- und Bäckerstraße gehe es auch bei den Nebenstraßen schließlich „um eine Investition für die nächsten 30 Jahre“. Vor diesem Hintergrund halte er die Mehrkosten für die Naturstein-Version für vertretbar. Und dem Gesamtbild der Stadt, ist Wellner überzeugt, wäre eine einheitliche Gestaltung der Straßen nur zuträglich.

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