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Vor zehn Jahren zog es sie in die Schweiz

Goodbye, Hameln: Warum Katharina Schwigon trotzdem zurückkam

TÜNDERN. „Casa Schwigon“ steht auf einem Schild neben der Klingel an der Eingangstür zum Elternhaus von Katharina Schwigon. Hier in Tündern ist sie aufgewachsen. Hier wohnt sie nun mit ihrer Tochter. Dabei wollte sie vor rund zehn Jahren einfach nur weg – und wanderte aus.

veröffentlicht am 26.11.2018 um 13:27 Uhr
aktualisiert am 26.11.2018 um 17:44 Uhr

Rot und Weiß: Die Farben der Schweizer Flagge sind auch im Wohnzimmer von Katharina Schwigon zu finden. Zu dem Land hat sie eine besondere Beziehung. Foto: mo
Muschik, Moritz

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Wenn Katharina Schwigon heute ihre zweite Heimat besucht, ist ein Abstecher zum Zürichsee Pflicht. „Da sitze ich dann mit einer Freundin – und heule einfach nur, weil das so schön ist“, erzählt sie. Im glitzernden See spiegeln sich die Berge. Es wird gegrillt, gebadet.

„Und dann sitzen da so viele Menschen aus jeder Nation, machen Musik oder Handstand auf dem Rasen. Ein riesengroßes Treiben“, sagt die 33-Jährige. „Wer sich da nur ein bisschen darauf einlässt, hat ein ganz tolles Leben dort.“ Dennoch hat sie das Schweiz-Kapitel in ihrem Leben inzwischen geschlossen.

Aufgewachsen in Tündern, geht sie zur Wilhelm-Raabe-Schule, macht später eine Ausbildung zur Friseurin. Doch als sie 23 Jahre alt ist, sehnt sie sich nach der Ferne – und wandert in die Schweiz aus. „Ich wusste nicht genau, worauf ich mich einlasse und dachte: Das wird sich schon alles irgendwie regeln“, sagt sie heute. Sie meint auch: „Es war ein absolutes Abenteuer.“

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Als ihre Zeit in der Schweiz im Kanton Solothurn beginnt, ist ihr klar, dass sie möglichst schnell einen Arbeitsplatz braucht. „Drei Monate darf man sich in der Schweiz aufhalten, ohne ein Visum beantragen zu müssen“, erklärt sie. „Also habe ich die drei Monate genutzt, um einen Job zu finden – egal, ob es Putzen war oder sonst was.“

Diese Zeit prägt ihre Entwicklung. „Durch manche Sachen musste ich einfach durch“, sagt sie. „Wenn ich keine Kohle mehr hatte, waren nicht einfach Mama und Papa da und konnten aushelfen. Dann musste ich mir was einfallen lassen.“

In einem Friseursalon am Hauptbahnhof in Zürich findet sie schließlich einen Job. „Am Tag sind da ungefähr 350 000 Menschen vorbeigelaufen“, erzählt sie. An die Arbeit und die Kollegen im Salon erinnert sie sich gern – auch an eine Weihnachtsfeier, die in einer Käserei auf einem Berg stattgefunden hat: „Wir haben Raclette und Fondue gemacht. Das war der Oberknaller. Wir waren ein großes Unternehmen mit drei Salons. Aber jeder kannte jeden. Am Ende gab es eine große Schneeballschlacht und ein Lagerfeuer.“ Katharina Schwigon schafft es über die Jahre bis zur Salonleitung. Dann wird sie schwanger – und kann nicht mehr als Friseurin arbeiten.

„Die größte Erinnerung an die Zeit in der Schweiz ist meine Tochter“, sagt die 33-Jährige heute. Zusammen mit ihrem Kind wohnt die alleinerziehende Mutter inzwischen wieder in der „Casa Schwigon“ in Tündern – auch, weil sie hier die Unterstützung ihrer Eltern hat. „Als ich nach Deutschland zurückkam, habe ich so viele Menschen wiedergetroffen, die ich vorher verloren hatte“, sagt die 33-Jährige. Auch ihre Familie sei zusammengerückt. Mit ihrer Tochter möchte sie nun unbedingt die Schweiz besuchen, ihr den Zürichsee und den Salon zeigen.

Ob Katharina Schwigon noch mal auswandern würde? „Auf jeden Fall“, sagt sie. „Aber dafür muss meine Tochter älter sein und ich wieder in Vollzeit arbeiten können.“ Derzeit ist sie bei einem Friseursalon in der Hamelner Stadtgalerie beschäftigt, arbeitet dort von Mittwoch bis Freitag. An das Abenteuer Auswanderung und ihre Zeit in der Schweiz denkt sie noch immer gern zurück. Sie sagt: „Ein Teil von meinem Herz ist geblieben.“



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