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Sebastian Pufpaff im Interview

Goldene Zeiten für das Kabarett

HAMELN. Sebastian Pufpaff hat eine steile Medienkarriere hingelegt. Die hat ihn bis in die „Anstalt“ geführt. Am 30. November können die Hamelner Pufpaff jetzt live erleben. Dann stellt er ab 19 Uhr im Weserberglandzentrum sein Programm „Auf Anfang“ vor.

veröffentlicht am 27.11.2017 um 18:29 Uhr

Sebastian Pufpaff präsentiert sein Programm „Auf Anfang“ Weserberglandzentrum in Hameln. Foto: Manuel Berninger/PR

Autor:

Interview Ernst August Wolf
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Mit ihrem Nachnamen, schleppt man da nicht haufenweise kindliche Traumata mit?
Sebastian Pufpaff: Überhaupt nicht. Dank meines Nachnamens bin ich mit lachenden Gesichtern groß geworden. Ich muss zugeben, es war von Vorteil, dass ich ein ziemlich langer Kerl war, eigentlich immer der längste der Klasse, da wird man weniger gehänselt.

Wie sind Sie Kabarettist geworden?
Ich bin Politikwissenschaftler mit Schwerpunkten Soziologie und Staats- und Verfassungsrecht. Mein Magistervater hatte damals die Auflage, dass man ein Parteibuch haben sollte, ich zeigte ihm einen Flyer meiner ersten Kabarettkombo und das hat er mit den Worten: Hauptsache politisch aktiv, akzeptiert.

Wo darf ich Sie einsortieren? Comedian, Politkabarettist, Entertainer …

Was halten Sie davon, wenn Sie mich nicht einsortieren? Wie wäre es, wenn Sie sich offenen Geistes etwas Neuem öffnen? Was bringt Ihnen die Schubladisierung außer Vorurteilen und Blaupausen? Wenn Sie es trotzdem brauchen, nennen Sie mich Humorist.

Haben Sie Vorbilder in Ihrer Profession?
Ich bin ein großer Fan von Dean Martin und Steve Martin. Vorbilder, denen ich nacheifere, sind es aber eher nicht, beide konnten beziehungsweise können singen, das lasse ich wohl mal lieber.

Sie sind jetzt on top. Gibt’s dennoch Träume? Vielleicht late-night-Talker à la Dirty Harry Schmidt?
Der Tag, an dem ich keine Träume mehr habe, ist der Tag, an dem ich aufhören werde zu arbeiten. Late-Night ist mit Sicherheit einer meiner größten Träume, genauso wie eine eigene Sitcom. Mal schauen, was da noch so alles kommt.

„Auf Anfang“ heißt ihr Programm, das Sie im WBZ spielen. Was oder wen setzen Sie da auf Anfang und warum?

Mein Wunsch ist es, die Werkseinstellung in unseren Köpfen aktivieren zu können. Dass wir mal naiv raus in die Welt treten und vielleicht im nächsten Stau nicht aggressiv den Vordermann schneiden, sondern fröhlich lächelnd die Situation akzeptieren und denken: Was ein Scheiß hier, aber da müssen wir gemeinsam durch. Wir haben zu viel Druck auf dem Kessel, weil wir eine Erwartungshaltung haben, die überhaupt nicht mehr erfüllt werden kann.

Spulen Sie ihr Programm nach Vorlage ab oder gibt es aktuelle Improvisationen? Wie stark fließt Aktuelles ein?
Das Programm ist jeden Abend anders, da ich auch improvisiere und immer Aktuelles mit einfließen lasse. Die Witze sind einfach besser, wenn man merkt, wie nah sie doch an der Realität sind.

Das deutsche politische Kabarett erlebt wieder einen Aufschwung, trotz massenhaftem Comedy-Gewusel? Scheibenwischer reloaded in der „Anstalt“?
Da ist sie wieder, die Schubladisierung. Es gibt so viel exzellente politische Comedy und auch so viel schlechtes Unter-der-Gürtellinie-Kabarett, nur weil Anstalt oder Quatsch Comedy da drauf steht, sagt es noch nichts über die Qualität aus. Tatsächlich ist es so, dass durch YouTube und Facebook fast jeder denkt, er müsse jetzt irgendwas zwischen Heidi Klum und Mario Barth sein. Das ist fatal, denn wir sind nicht alle dazu berufen, den oberflächlichen Weg einzuschlagen.

Goldene Zeiten für Kabarett dank Trump und Sondierungsspektakel?
Ganz ehrlich, ja. Es bleiben aber viele der Witze an der Oberfläche. Wir dürfen nicht vergessen: Trump und die Sedierungsgespräche sind ein Ergebnis unseres Desinteresses und der gepflegten Panikmache. Sie sind weniger Ursache als vielmehr Spiegel.

Groko, Minderheitsregierung, Neuwahlen. Was ist Pufpaffs Präferenz?
Meine Präferenz ist ein anderes Wahlergebnis. Unter den gegebenen Umständen würde ich tatsächlich die Minderheitsregierung wählen, da sie nach idealtypischen Gegebenheiten, nämlich, dass Politiker ein Land zum Besseren hin gestalten möchten und nicht den Stillstand pflegen, auch von einer Opposition getragen werden kann.



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