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Michael Witgrefe fährt ein DDR-Modell – und muss das Benzin selber mischen

Go Wartburg, go

Barntrup. Wer den Film „Go Trabi Go“ kennt, der kennt auch den Wagen von Michael Witgrefe. Doch es ist kein schlichter Trabi, den der 55-Jährige fährt. Es ist ein Wartburg W 312 Camping. „Mit einer Einstiegsmöglichkeit über das Schiebedach“, wie Witgrefe erklärt. Bei Bedarf kann hier ein Zelt montiert werden, um zu nächtigen. Zumindest theoretisch. Denn das passende Zelt fehlte bei seinem Wagen. Da die Zelte nicht mehr nachgebaut wurden, nutzt Witgrefe das Modell ohne Camping-Option.

veröffentlicht am 10.11.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

VON ANDREA TIEDEMANN
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Stattdessen fährt der Mann aus Barntrup lieber – und das erfordert bei dem alten DDR-Auto schon ein bisschen Feingefühl. „Einen neuen Gang einlegen, das geht nicht so schnell“, erklärt der Oldtimer-Fan. Man brauche schon Erfahrung, um mit der Lenkrad-Schaltung umgehen zu können. Vier Gänge hat der Wartburg, plus Rückwärtsgang. Zumindest theoretisch. „Derzeit geht der Rückwärtsgang nicht“, sagt Witgrefe. Doch einfach mal eben zur nächstgelegenen Werkstatt fahren, das ist bei dem Modell aus dem Jahr 1967 nicht drin. Zum Glück gebe es in Wernigerode eine Fangemeinde – „ein paar ältere Mechaniker“ –, die sich noch mit den Ost-Modellen auskennen. Und ihr Wissen an die Jüngeren weitergeben, so die Hoffnung. Mit einem Anhänger bringt Witgrefe den Wagen dort hin.

Mit seiner Leidenschaft für ein Ost-Modell ist Witgrefe nicht allein. Im Landkreis Hameln-Pyrmont zum Beispiel sind noch zwei Wartburg zugelassen. Bei Trabis gibt es offenbar eine noch größere Fangemeinde: Beim Landkreis sind noch 25 gemeldet. Wieviele Autos es aber insgesamt gibt, ist schwer zu sagen, da sicher das eine oder andere Gefährt nicht mehr auf den Straßen unterwegs und daher nicht mehr angemeldet sein dürfte.

Längere Touren mutet Witgrefe seinem Wartburg eigentlich nicht mehr zu. Obwohl er stolz erzählt, es mit dem Wagen sogar schon bis ins italienische Rimini zum Urlaub geschafft zu haben. „Wenn die Italiener eine Nase voll Zweitakt-Benzin eingeatmet haben, wussten sie schnell, woher der Wagen stammt.“ Auch zu seiner eigenen Hochzeit nahm Witgrefe den Wagen – kurz nach der Wende, 1992. Damals, erinnert Witgrefe sich, „mochte sie aber keiner“. Das ist heute anders: „Das Auto ist ein Sympathie-Träger“, bemerkt Witgrefe. Als „Werbemagnet“ sei er ständig im Einsatz und „locke“ Leute an. Doch so überzeugend sein Äußeres, so nachsichtig muss man mit den inneren Werten des Wagens umgehen. Was die Leistung betrifft, sagt Witgrefe: „Er soll bei 130 laufen.“ Zumindest theoretisch. „110 – mehr mute ich ihm nicht zu“, ergänzt er.

900 Euro, inklusive TÜV

Aber es war auch mehr die Optik, die den Liebhaber verzauberte: Vier Türen, gelblich schimmernde Panoramafenster oberhalb der Seitenscheiben – ein typischer Mittelklasse-Wagen. „,Was für ein schönes Auto‘, habe ich damals gedacht“, sagt Witgrefe. Damals, das war rund um die Wendezeit. In einem der drei ostdeutschen Autohäuser von BMW habe er den Wartburg gesehen – und sich spontan entschieden, ihn zu kaufen. „Für 900 DM, mit TÜV.“

Die Mitarbeiter bei Wartburg seien „begnadete Ingenieure“ gewesen, sagt Witgrefe. „Die haben fantastische Fahrzeuge entworfen, auch Cabrios.“ Das Regime aber habe vieles davon unterbunden. Dass er ein DDR-Modell fährt, merkt Witgrefe vor allem beim Tanken. Einfach an die Zapfsäule fahren? War vielleicht in der DDR möglich, heute nicht mehr. „Der Zwei-takt-Motor braucht eine besondere Mischung.“ Zweitakt-Öl in den Kanister geben, Benzin draufkippen und dann per Hand mischen. „Der Akt dauert fünf Minuten länger.“

Wieviel Geld Witgrefe in den Wartburg bisher investiert hat, mag er zunächst gar nicht überschlagen. Vielleicht um die 10 000 Euro. „Unvernünftig“ sei das, gibt er zu, aber nun mal sein Hobby. Und alles, was er einbauen lasse, halte etwa 20, 30 Jahre. Erst vor einigen Jahren wurde ein neuer Motor eingebaut. Gerade erst hat Witgrefe die Innenausstattung modernisieren lassen – mit etwas edlerem Alcantara-Futter. Es ist schließlich nicht irgendein Trabi...

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