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Gift in der Luft – Hamelner Rathaus-Etage geräumt

Mitarbeiter klagen über Atembeschwerden / Schadstoffe überschreiten Grenzwert

veröffentlicht am 21.11.2014 um 22:25 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:22 Uhr

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Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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Hameln. Die Sanierungsbedürftigkeit des Hamelner Verwaltungsgebäudes ist der Politik hinreichend bekannt. Es herrscht dringender Handlungsbedarf, doch mangels finanzieller Mittel ist bis auf die Gründung einer kaum tagenden Arbeitsgruppe das Thema seit geraumer Zeit auf Eis gelegt. Gestern dann die Schreckensmeldung aus dem Rathaus: Weil einige Büros in der vierten Etage des Langbaus so stark mit Schadstoffen belastet sind, hat Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) die Reißleine ziehen und noch am Morgen die besonders betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus ihren Büros nach Hause schicken müssen. Weitere Angestellte werden ihre Dienstzimmer im Laufe der kommenden Woche verlassen müssen. „Der Schutz der Gesundheit und die Fürsorgepflicht stehen ganz obenan“, begründet der Rathauschef seine Entscheidung.

Die Krisenstimmung in der Verwaltung haben Untersuchungsergebnisse des Bremer Umweltinstituts ausgelöst. In zwei Büros wurde der Grenzwert für 2-Butanonoxim deutlich überschritten. 360 bzw. 95 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft ermittelten die Experten – bei einem Grenzwert von 60 Mikrogramm. 2-Butanonoxim gilt als krebserregend und kann bei Hautkontakt Allergien auslösen. Die Messungen wurden in Auftrag gegeben, weil Mitarbeiter aus der vierten Rathaus-Etage über gesundheitliche Beschwerden geklagt hatten. „Es waren Probleme der Atemwege, der Schleimhäute, im Mund- und Rachenbereich, tränende Augen, Hautreiz und Kopfschmerzen“, hieß es gestern im Hamelner Rathaus. „Ich nehme das sehr ernst“, erklärte Griese.

Bislang steht die Stadt vor einem Rätsel, denn andere Räume sind gar nicht oder deutlich geringer mit 2-Butanonoxim belastet, sodass laut Einschätzung der Verwaltung keine akute Gefahr besteht. Die Experten des Umweltinstituts hätten jedoch dringend empfohlen, auch in den geringer belasteten Büros ständig zu lüften, um die Schadstoffkonzentration nicht weiter ansteigen zu lassen. Griese jedoch will kein Risiko eingehen. Die Verwaltung sucht daher bereits nach Ersatzräumen, die möglichst noch in der kommenden Woche bezogen werden sollen. Betroffen sind die Abteilung Finanzen mit der zentralen Buchhaltung und die Stadtkasse. Insgesamt sollen 40 Bedienstete ausquartiert werden. Wie lange die Rathausbüros gesperrt bleiben müssen, ist noch offen.

Ab Montag will sich die Verwaltung um Ursachenforschung bemühen. Noch sei völlig unklar, wie es zu der Schadstoffbelastung kommen konnte, heißt es. Fest stünde lediglich, dass es Ausdünstungen gebe. Was im Rathaus besonderes Kopfzerbrechen bereitet: Es sind vor allem Räume belastet, deren Fußböden erst im vergangenen Jahr saniert wurden. Gemeinsam mit den Experten des Bremer Umweltinstituts will die Stadt nun die Quelle der Belastung ausfindig machen. Griese ist jetzt klar geworden, dass eine Sanierung des Gebäudes nicht länger aufgeschoben werden darf. Er spricht von einem Warnschuss: „Wenn wir jetzt nicht zügig handeln, ist irgendwann die Arbeitsfähigkeit der Verwaltung nicht mehr gegeben.“

Michael Köhler vom Bremer Umweltinstitut (kleines

Foto) hat in Hameln Schadstoffwerte in Büros der obersten Etage des Rathaus-Langbaus gemessen. Oberbürgermeister Griese schickte daraufhin gestern zehn Mitarbeiter nach Hause.

Dana/pr




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