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Heimische Wasserwelt ist auf künstliche Ebbe und Flut nicht eingerichtet

„Gezeiten“ machen Fischen und Pflanzen zu schaffen

HAMELN. Die von Schleuse und Wasserkraftanlagen erzeugte „Ebbe und Flut“ wecken am Werder zwar einen Hauch von Lebensgefühl an der Küste. Für das Ökosystem vor Ort sind diese künstlichen „Gezeiten“ jedoch nicht förderlich. Lutz Meyer, vom Fischereikundlichen Dienst des Landes Niedersachsen, erklärt, wieso.

veröffentlicht am 17.05.2018 um 17:14 Uhr

Am sogenannten Unterwasser, also unterhalb der Schleuse und der Wasserkraftanlagen, kommt es zum Leidwesen von Tier- und Pflanzenwelt immer wieder zu Schwankungen des Wasserstands. Foto: wal
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die „Ebbe und Flut“, die von der Schleuse und den Wasserkraftanlagen erzeugt werden, wecken am Werder, wie gestern berichtet, zwar einen Hauch von Lebensgefühl an der Küste. Für das Ökosystem vor Ort sind diese künstlich herbeigeführten „Gezeiten“ allerdings nicht förderlich. Lutz Meyer, Dezernatsleiter des „Fischereikundlichen Dienst des Landes Niedersachsen“ in Hannover, erklärt, wieso.

Anders als Fische, die in Tidenbereichen leben, seien die heimischen Wassertiere im Weserbereich Hameln nicht auf Schwankungen des Wasserstandes, wie sie durch Schleusenbetrieb und Wasserkraftanlagen auf unnatürliche Weise entstehen, eingerichtet, führt Meyer aus.

Mit empfindlichen Folgen: „In diesem Wechselbereich (also, in dem ,Ebbe‘ und ,Flut‘ häufig einander abwechseln; Anm. d. Red.) ist Fischleben kaum möglich“, sagt der Dezernatsleiter. Denn gerade in den flachen, Schutz bietenden Uferbereichen hielten sich Jungfische auf, deren Bestand durch die wechselnden Wasserstände gefährdet würden. Geht das Wasser zurück, würden sie mitgezogen und in die Flussmitte getrieben, wo sie entweder gefressen oder von der Strömung fortgerissen werden. „Die Biomasse, also der Fischbestand, nimmt dadurch ab“, so Meyer.

Es verändere sich aber auch die Zusammensetzung der vorhandenen Arten. „Eher mobile Arten, also starke Schwimmer wie Döbel, Karpfenfische oder Forellen bleiben, während andere bodengebundene Kleinfischarten verschwinden“, schildert Lutz Meyer.

Den Einwand, die Wasserstandswechsel träten ja nur unregelmäßig auf und zögen meist keine größeren Schwankungen als 30 Zentimeter nach sich, lässt der Experte nicht gelten. „Für Fische ist ein Wasserrückgang von 30 Zentimetern auch kurzfristig ein Problem“, betont Meyer.

Auch die hiesige Pflanzenwelt werde durch die „Gezeiten“ in Mitleidenschaft gezogen. „Da, wo das Ufer ständig unterspült wird, können keine Unterwasserpflanzen wachsen“, sagt der Experte. Auch am Wesergrund, der überwiegend aus Kies und grobem Sediment bestehe, gingen die schwankenden Wasserstände nicht vorbei. „Es finden Umlagerungen statt“, so Meyer.

So schön das Plätschern des Wassers im Zuge der „Gezeiten“ für den Menschen also auch ist: Es gibt Tiere und Pflanzen in und an der Weser, für die dieses Phänomen weniger erfreulich ist.

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