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Gewalt-Jugendliche als moderne Raubritter

veröffentlicht am 08.10.2009 um 15:11 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Hameln (CK). Angsträume in Hameln – es gibt sie wirklich. Der das sagt, ist der Psychologe Dr. Michael Heilemann, der seit 25 Jahren Anti-Aggressionstraining macht, davon allein 20 Jahre in der Hamelner Jugendanstalt. Seine Methode, jugendliche Schläger aus ihren gewohnten Verhaltensmustern herauszulösen und auch als Tutoren zu gewinnen und sie, gilt inzwischen deutschlandweit als gelungenes Modell und quasi als „Mutter jedes Antigewalttrainings“.
 Auch wenn die Polizei eher von einer „gefühlten Bedrohung“ in manchen Stadtbezirken spricht – Heilemann weiß, dass diese Bedrohung existiert: am ECE etwa, an der Weserpromenade, am Bahnhof. „Da wirken gewaltbereite Jugendliche als Gang, ähnlich den früheren Raubrittern. Als einzelner sollte man solche Plätze meiden“, empfiehlt er und spart in diesem Zusammenhang nicht mit Kritik an öffentlichen Institutionen. „Viele öffentliche Räume in Hameln werden inzwischen von solche Gangs beherrscht. Man hat versäumt, hier gegenzusteuern und ihnen stattdessen diese Bereiche überlassen“, beklagt Heilemann, der in solchen Jugendlichen – die meisten von ihnen kommen nach seinen Erfahrungen aus bildungsfernen Schichten  mittlerweile eine „Parallelgesellschaft mit Dominanzbewusstsein“ sieht. Und: „Wir haben es verschlafen, eine Infrastruktur zu schaffen, um diese Problemjugendlichen zu integrieren.“ Das aber gehe nur über Verlockung, Geborgenheit und Stolz, Dinge, die sie sonst lediglich in der verschworenen Gemeinschaft ihrer Gang fänden.



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