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Unsere Serie zum Sommerloch

Geschichten rund um Löcher: Das Hamelner Loch

HAMELN. Sommerloch – was ist das eigentlich? Geografisch gesehen ist es zunächst ein kleiner Ort in Rheinland-Pfalz. Journalistisch gesehen ist das Sommerloch die Bezeichnung für eine nachrichtenarme Zeit, hervorgerufen durch die Sommerpause in Politik, Sport und Kultur. Wir übersetzen es in diesem Sommer mal ganz anders: Unsere Zeitung nimmt das Sommerloch wörtlich und präsentiert über den Sommer Geschichten über alle möglichen Löcher. Heute starten wir mit dem Hamelner Loch.

veröffentlicht am 30.06.2017 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 13.07.2017 um 09:49 Uhr

Das Hamelner Loch musste mit einer Schiffsrutsche überwunden werden. Unser Bild stammt aus dem Jahr 1859. Foto: Archiv
Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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Man kann es nicht sehen, man kann es nicht anfassen, und nutzen kann man es auch nicht mehr. Und dennoch ist es das wohl berühmteste Loch Hamelns – natürlich: Es ist das Hamelner Loch. Historiker und Heimatforscher wissen, was es damit auf sich hat; auch diejenigen, die es von den Urgroßeltern erzählt bekommen haben. Ansonsten kann man es in Büchern und Zeitungen nachlesen: Das Hamelner Loch war in der Weser eine Art technische Schiffsrutsche, mit der die Hamelner von einst ganz hervorragend Geld verdienen konnten.

Eines der ältesten und größten Bauwerke in der Oberweser ist das Weserwehr in Hameln. Eine Urkunde aus dem Jahr 1314 erwähnt erstmals die „Schlagten“, also Wehre. Der Begriff „Schlagten“ wird von den einen durch die ursprüngliche Art des Wehrbaus erklärt, das Einschlagen von Pfählen in die Flusssohle. Andere erklären den Begriff mit dem Umschlag von Waren, der an Staustufen beim Ent- und Beladen der Schiffe zwangsläufig war. Die Hamelner Wehre wurden einst erbaut, die Weser aufzustauen – wohl, um dafür zu sorgen, zum einen die Wassergräben der damaligen Stadtbefestigung zu füllen und zum anderen, um die Wassermühlen zu betreiben. „Vielleicht wollte man aber auch, ähnlich wie die Städte Bremen und Münden, zu sicheren Einnahmen durch Schiffspassagezölle kommen“, schreibt Christian Meyer-Hermann in seinem im Verlag CW Niemeyer erschienenen Buch „Hamelner Personenraddampfer“.

Und in der Tat wurde durch das Wehr und das Hamelner Loch erst etwas möglich, das für Hameln sehr lukrativ wurde: das Stapelrecht. Nach einem extremen Hochwasser im Jahr 1342 änderte die Weser ihren Lauf und es wurde ein neues Wehr errichtet, das einen sehr kleinen Schiffsdurchlass, das Hamelner Loch aufwies, sodass die Schiffe erst entladen und die Waren gegen Gebühr in der Stadt angeboten werden mussten – das Stapelrecht kam zum Tragen. Die leeren Schiffe mussten dann über das Wehr gezogen werden – was sich die Hamelner gut bezahlen ließen. Aus diesem Grund wehrte sich die Stadt Hameln lange gegen einen Schleusenbau und hielt Beschwerden vor allem der Bremer Schiffer stand. Die Stadt Hameln legte sogar fest, wie viele Menschen den Zug betreiben durften, der das Schiff über das Wehr transportierte, wodurch die Entladung der Schiffe zum Zwang für die Schiffer und zur festen Einnahmequelle für Hameln wurde. Diese versiegte schließlich mit dem Bau der ersten Schleuse, die am 25. September 1734 für den Verkehr freigegeben wurde.

Das Hotel Bremer Schlüssel (das weiße Gebäudeensemble) zwischen Fischpforten- und Wendenstraße in einer Foto-Aufnahme von 1965. Foto: Archiv
  • Das Hotel Bremer Schlüssel (das weiße Gebäudeensemble) zwischen Fischpforten- und Wendenstraße in einer Foto-Aufnahme von 1965. Foto: Archiv
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Um die alte Schiffspassage am Hamelner Loch überhaupt zu ermöglichen, war am unteren Wehr in Höhe der Fischpfortenstraße eine Rinne geschaffen worden, die wie eine Rutsche funktionierte. Was allerdings auch Gefahren barg, schließlich berichten unterschiedliche Quellen über ein Gefälle von 1,80 bis 2,30 Metern. Wenn es also zu Tal ging, erreichten manche Schiffe schon mal „400 Fuß in 20 Sekunden“, grob gerechnet sind das etwas mehr als 20 Stundenkilometer. So mancher Lastkahn ging in Hameln zu Bruch. Da half wohl auch die an Land in der Wendenstraße installierte Winde wenig, die dazu diente, die Schiffe aufwärts zu ziehen und abwärts abzubremsen.

Durch das Stapelrecht wurde der Hamelner Ladeplatz an der Fischpforte zu einer Art Marktplatz. Getreide, Holz, was auch immer auf den Weserkähnen und -schiffen geladen war, wurde hier umgeschlagen, gestapelt, zum Kauf angeboten. Später entstand dort das Hotel Bremer Schlüssel – schräg gegenüber der Pfortmühle zwischen Fischpforten- und Wendenstraße. Der Bremer Schlüssel existiert heute nicht mehr, der Komplex wurde Anfang/Mitte der 70er Jahre abgerissen.

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