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Geplatzte Kaugummiblase als Auslöser / Vater ärgert sich über Verhalten der Kraftverkehrsgesellschaft

Genervt – Fahrer wirft Schüler aus dem Bus

Hameln (bha). Die Entschuldigung der KVG am Telefon beschwichtigt Salin Celik kaum, sondern er ist auch zwei Tage nach dem Vorfall noch sauer auf die Öffis. Sein Sohn wurde am Donnerstag von einem Fahrer aus dem Bus geworfen, der ihn mittags von der Theodor-Heuss-Realschule nach Wangelist zur Böcklerstraße bringen sollte. Für den 13-Jährigen war am Breiten Weg Schluss, weil dem gereizten Busfahrer offenbar der Kragen geplatzt war.

veröffentlicht am 14.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 05:21 Uhr

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Ein Kaugummi hat den Fahrer den Schilderungen des Vaters zufolge in Rage gebracht. Sein Sohn „hat wohl Blasen damit gemacht“, erzählt Celik die Version, wie er sie von dem Jungen, seiner Tochter (11), die im Bus neben ihm saß und einigen anderen mitfahrenden Schülern erzählt bekommen hat. Der Fahrer soll angehalten haben, nach hinten zu dem Jugendlichen gegangen sein und ihn „wie ausgerastet“ angeschrien haben. „Raus, raus, raus“, soll der Fahrer „sechs-, sieben-, achtmal“ geschrien haben. Zufällig habe seine Frau gerade mit der Tochter am Handy telefoniert und alles mitbekommen.

Celik ist nicht nur entsetzt darüber, dass sein Sohn von da an zusehen konnte, wie er nach Hause nach Wangelist kommt, sondern auch über den Ton, in dem der Fahrer mit den Schülern gesprochen habe. „Ob mein Sohn was falsch gemacht hat oder nicht – ich erwarte, dass ein Fahrer damit anders umgeht! Ein Kind kann man doch nicht rausschmeißen“, sagt Celik. Von anderen Schülern habe er erfahren, dass derselbe Fahrer bereits am Vortag einige Fahrgäste zurechtgewiesen habe, die sich nicht benommen hätten. Angeblich, so die Aussage der KVG, habe der Fahrer den Sohn mehrfach ermahnt, das Knallen von Kaugummiblasen zu lassen; doch der Sohn erzählt eine andere Geschichte. Die Kraftverkehrsgesellschaft Hameln stellt sich zunächst uneingeschränkt hinter den Fahrer. „Unsere Fahrer führen immer mehr Klage über Respektlosigkeit“, sagt Heinz-Jürgen Aust. Der, „der da vorne links sitzt, hat einen harten Job“, nimmt Aust die Männer und Frauen in Schutz, die tagein, tagaus einen gehörigen Geräuschpegel und manchmal frechste Pöbeleien auszuhalten haben. Wenn einem die Nerven blankliegen, überdrehe man manchmal, fährt er gegenüber der Dewezet fort, als er auf den Tonfall angesprochen wird, der im Bus geherrscht haben soll. Zudem habe der Mann den Jungen mehrfach ermahnt. Diesen Satz revidiert Aust nach einem weiteren Gespräch mit dem Vater jedoch. Wie sich später herausstellt, hat es offenbar den Falschen in einem ungünstigen Moment erwischt. „Ich kann ja von vorne nicht beurteilen, wer das war“, sagt Aust aus Sicht der Fahrerposition. Im Kern sei es wohl darum gegangen, dass der Fahrer sich beim Platzen von Kaugummiblasen jedes Mal erschrocken und gedacht habe, er sei irgendwo gegengefahren. Am Vortag hatte sich nach Austs Ausführungen das gleiche Szenario abgespielt, was den Fahrer aufgebracht hatte – nur war Celiks Sohn da gar nicht an Bord. Dessen Kaugummi-Blase hat aber offenbar einen Tag später das Nerven-Fass zum Überlaufen gebracht. Der Fahrer habe noch am selben Tag von sich aus von dem Vorfall berichtet, weil ihm wohl „Zweifel gekommen waren“, so Aust, der von sich sagt „ich stehe hinter dem Fahrer“. Der sei Profi.

Grundsätzlich komme so etwas „hin und wieder vor, aber sehr, sehr selten“. In einem anderen Fall habe die KVG gerade ein Beförderungsverbot über zwei bis drei Wochen ausgesprochen, über das Eltern und Schule vorher informiert worden seien. Jugendliche hatten laut Aust trotz mehrfachen Mahnens die Türen immer wieder geöffnet und an den Sicherheitseinrichtungen rumgespielt – und damit gegen die Allgemeinen Beförderungsbedingungen verstoßen. Darin heißt es unter Paragraf 4 „Verhalten der Fahrgäste“: „Fahrgäste haben sich … so zu verhalten, wie es die Sicherheit … und die Rücksicht auf andere Personen gebietet. Anweisungen des Betriebspersonals ist zu folgen.“ Sollte er das tatsächlich nicht getan haben, sagt Celik über seinen Sohn, „hätte ich ihm die Ohren lang gezogen“. Weder er noch Aust waren letztlich dabei und kennen die eine Wahrheit. Celik ist so wütend, weil er sich zunächst habe anhören müssen, dass seine Kinder schlecht erzogen seien. „Das kann in Zukunft nicht so gehen“, sagt er über das Verhalten des Fahrers. Kinder rausschmeißen, das dürfe einfach nicht passieren. Was Celik besonders ärgert: Zunächst sei die KVG ihm gegenüber sehr unfreundlich gewesen; erst nachdem die Dewezet sich der Sache angenommen habe, „ist der ganz nett gewesen und hat sich entschuldigt“.

Die Verkehrsgesellschaften haben einen Beförderungsauftrag, von dem nur bestimmte Personengruppen ausgenommen sind: Betrunkene, jemand, der Drogen genommen oder ansteckende Krankheiten hat oder geladene Schusswaffen mit sich trägt, es sei denn, er ist dazu berechtigt. Auch nicht schulpflichtige Kinder unter sechs müssen nicht mitgenommen werden, wenn keine Begleitperson dabei ist. Allgemein können Personen ausgeschlossen werden, die „eine Gefahr für die Sicherheit oder Ordnung des Betriebes oder für die Fahrgäste darstellen“.

Der Sohn, der sich zu Fuß auf den Heimweg gemacht hatte, wurde übrigens von seiner Mutter unterwegs mit dem Auto eingesammelt.



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