weather-image
Sponsoren sind unverzichtbar für die „Musikwochen Weserbergland“

Geld für schöne Töne

WESERBERGLAND. Ohne sie blieben die Violinen stumm. Die Orgeln auch. Und singen würde auch keiner: Die Unternehmen, die als Sponsor auftreten, damit die Besucher der Musikwochen Weserbergland für sehr wenig Geld hochwertige Klassik genießen können, sind eine der drei Säulen, auf denen die Finanzierung der acht Konzerte ruht.

veröffentlicht am 10.04.2017 um 08:49 Uhr

Kreiskantor Stefan Vanselow. Foto: geb/archiv
Birte Hansen

Autor

Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die dritte Säule bilden die institutionellen Förderer wie die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover, die NDR-Musikförderung oder der Landschaftsverband.

Fritz-Eckhard Sticher ist mit Doppelfunktion unterwegs: als alter Hase unter den Sponsoren und als Jungspund bei der Sponsoren-Akquise. Als „alter Hase“ hat er aus Erfahrung die besten Argumente an der Hand, die es braucht, um andere Unternehmen zu überzeugen, einen Betrag X zu zahlen, damit die Musikwochen Weserbergland wieder stattfinden können. „Wer’s mal besucht hat, weiß, was das für eine herausragende Angelegenheit ist“, schwärmt er von den Klassik-Konzerten, die in kleinen Kirchen des Weserberglands geboten werden, und die den Besucher nur das kostet, was er freiwillig zahlen möchte. „Tolle Veranstaltung, tolle Resonanz“ – also auch große Reichweite. Doch eines Umstands ist sich Sticher bewusst und formuliert ihn als Frage: „Meinen Sie, die verkaufen deswegen ein Getriebe mehr?“ In jeder Marketingabteilung ist klar, dass Sponsoring nicht mit Verkaufsförderung gleichzusetzen ist. Und trotzdem: Imagebildend kann es sein. „Gut für unsere Region, gut für unsere Mitarbeiter“ – das als Devise ist eine gute Basis für ein Engagement als Sponsor.

Der Betrag, der von den Unternehmen geschultert wird, liegt zwischen 25 000 und 30 000 Euro – in diesem Jahr verteilt auf zwei Hauptsponsoren (Lenze und Sticher), die die höchsten Beträge beisteuern und sieben Sponsoren, die jeweils weniger zahlen. Sticher selbst ist mit seinem Steuerberater-Büro seit fünf Jahren dabei und jetzt erstmals als Hauptsponsor. 5000 Euro kostet ihn das eigentlich. Doch weil kurzfristig ein anderes Unternehmen abgesprungen sei, habe er für diese Spielsaison ausnahmsweise auf 7500 Euro erhöht.

Als Gegenleistung für ihr Engagement könnten die Unternehmen zum Beispiel bei den Konzerten Sitzplätze reservieren lassen bei ansonsten freier Platzwahl für alle. Mitarbeiter, Kunden, Geschäftspartner könnte so ein besonderes Dankeschön in Klangform zuteilwerden. Doch: „Das wird wenig in Anspruch genommen“, sagt Sticher, der die Sponsoren-Akquise erst vor wenigen Monaten von Thomas Grau, kurz vor dessen Tod, übernommen hat. Natürlich taucht der Name der Unternehmen auf den Programm-Flyern auf, und auf der Internetseite findet sich auch jeder wieder. Doch ein Mehr an Gegenleistung für den gezahlten Betrag wird nach Stichers Schilderungen gar nicht verlangt.

Garantien erhält Sticher aber nicht. Nur, weil in diesem Jahr ein Unternehmen als Sponsor auftritt, bedeutet das nicht die automatische Beteiligung im nächsten Jahr. Zu Stichers Bedauern. Er würde das Sponsoring gerne längerfristig ausrichten für mehr Planungssicherheit auf beiden Seiten.

Zuletzt sind die Stadtwerke als Sponsor ausgestiegen, BHW ist schon längst nicht mehr dabei – Unternehmen richten ihre Marketingbudgets neu regelmäßig neu aus und gerade die Lokalgrößen wollen immer gerne alle einmal berücksichtigen. Manchmal passt auch „Kultur“ einfach nicht mehr ins Konzept. „Gesetzt ist keiner“, wissen auch die Kreiskantoren für Hameln, Stefan Vanselow, und seine Kollegin aus dem Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder, Christiane Klein.

Das Werben von Sponsoren lebe „viel von persönlichem Kontakt“, sagt Vanselow, der die Musikwochen zusammen mit Christiane Klein organisiert. Während Sticher sich jetzt um die Sponsoren kümmert, versuchen Klein und Vanselow jeweils vor den Konzerten bei den Besuchern „mit Charme und Werbekraft“ zu punkten – und ihnen deutlich zu machen, dass die Musikwochen ohne deren freiwillige Spende ebenso wenig möglich wären wie ohne Sponsoren. Das Ergebnis: Im Schnitt geben die Zuhörer neun Euro, manche zwei, andere 50.

Am Ende ist in jedem Jahr ein Budget von etwa 80 000 Euro erforderlich – und etwa 60 Ehrenamtliche –, damit: Die Violinen eben doch erklingen. Und die Orgeln. Und die Stimmen. Los geht es mit den Musikwochen am 30. April um 17 Uhr in der Johanniskirche Groß Berkel mit barocken Kantaten.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare