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Morgen Verkaufsstart in Deutschland / Verhaltene Reaktionen bei den heimischen Buchhändlern

Gehört dem elektronischen Buch die Zukunft?

Erster Testlauf: Angelika Wüstenfeld-Schulz und Hans Freiwald beim Lesen eines E-Books.

veröffentlicht am 09.03.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 12.11.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Andrea Gerstenberger
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Hameln. Das E-Book – ein vorübergehender Hype, zukunftsweisende Technologie oder der Untergang der abendländischen Kultur? Zum deutschen Handelsstart des neuen Mediums am 11. März auf der Leipziger Buchmesse haben wir uns umgehört unter den Hamelner Buchhändlern, was sie von den elektronischen Lesegeräten im Taschenbuchformat, den sogenannten Readern, halten, die das Lesevergnügen revolutionieren sollen.

„Das ist nichts für meine Kunden. Die möchten ein richtiges Buch aus Papier zum

Umblättern“, ist sich Cornelie von Wedemeyer von der gleichnamigen Buchhandlung in der Baustraße sicher. Und meint außerdem: „299 Euro für das nackte Gerät sind einfach zu teuer. Das ist etwas für Technikfreaks.“

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Verhalten auch die Reaktion ihres Kollegen aus der Bäckerstraße. „Wir Buchhändler sollen etwas vertreiben, was uns selbst die Existenz abgräbt“, befürchtet Stefan Matthias,Juniorchef der Buchhandlung Matthias und steht mit dieser Meinung nicht allein. Insgesamt ist die Skepsis seiner Kollegen groß, insbesondere der Vermarktung der Geräte, aber auch der Leseinhalte, den eigentlichen E-Books, gegenüber.

Der Buchhandel soll die Reader beziehungsweise den Sony PRS-505, wie das Gerät genau heißt, an den Mann und die Frau bringen. Aus diesem Grund hatte der Landesverband Niedersachsen-Bremen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels eingeladen, um das neue Medium und seine Vermarktung im Detail vorzustellen. Doch nur wenige Buchhändler waren dem Ruf nach Hannover gefolgt. Dort wurde nicht nur die Strategie der Markteinführung präsentiert, sondern auch das erste massentaugliche Gerät für den deutschen Markt vorgestellt.

Idealer Begleiter für unterwegs

Seine Maße sind die eines Taschenbuches: knapp 18 Zentimeter hoch, 12 Zentimeter breit und nicht einmal einen Zentimeter dick. Bildschirmdiagonale sechs Zoll, dabei 250 Gramm leicht und somit der ideale Begleiter für unterwegs. Aber wie funktioniert es nun, das Lesen eines Buches mit dem Reader? „Der Kunde kauft im Buchladen das Gerät, den Reader. Die eigentlichen E-Books, sprich die Titel, die er lesen möchte, bezieht er dann als Download im Format einer PDF-Datei von einem Internetshop. Von seinem PC, für den er die passende Software zum Runterladen und Übertragen beim Kauf des Readers bekommt, spielt er die Datei per USB-Kabel auf sein Lesegerät, das etwa 160 Bücher speichern kann. Ganz einfach also“, erklärt Bertram Pfister von Libri, einem der Großhandelspartner des Buchhandels.

Ganz einfach, vorausgesetzt, man kennt sich mit dem Downloaden von Dateien und dem Überspielen auf einen Massenspeicher aus. Und da setzt die Kritik der Buchhändler an. „Derjenige, der sich damit auskennt, kauft sich seinen Lesestoff gleich bei den großen Internetportalen und nicht über seinen Buchhändler“, ist sich Angelika Wüstenfeld-Schulz vom Buchladen am Markt aus Emmerthal sicher. Sie war als heimische Buchhändlerin der Einladung des Börsenvereins gefolgt. Verärgert ist sie darüber, dass in der Startmaske der Software des Readers zum Runterladen der E-Books schon Internetportale vorgegeben sind, und zwar unter anderem die von Thalia und der Mayersche Buchhandlung. „Uns zuzumuten, Werbung für die großen Mitbewerber zu machen, das geht gar nicht.“ Dem Gerät selbst steht sie dennoch positiv gegenüber. „Ein schönes Spielzeug und praktisch. Wäre was für den Mallorca-Urlaub, um das Gewicht der vielen Bücher zu sparen, die ich mitnehme. Doch es ist mir einfach zu teuer, aber sicher ein Medium der Zukunft“, glaubt sie.

Zukunftsforscher sehen den Marktanteil des elektronischen Buches im Jahr 2025 bei 15 Prozent. Eine echte Alternative zum gedruckten Buch also? Schon jetzt kann man Bücher auf iPods oder den PDA laden und dort lesen. Allerdings ist das sicher nichts für einen 500-Seiten-Roman, der damit nur sehr mühsam zu lesen wäre. Den elektronischen Reiseführer so in der Jackentasche zu haben, ist dagegen eine feine Sache. Der Sony Reader oder auch der Kindle von Amazon, die in den USA und Japan schon länger auf dem Markt sind, bieten einen besseren Lesekomfort. Das größere Display, die einfache Handhabung beim „Umblättern“, ein Schriftbild, das in allen Lichtverhältnissen dem eines gedruckten Buches gleichwertig ist, und nicht zuletzt die veränderbare Schriftgröße machen dieses Medium attraktiver. Das meint auch der Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen-Bremen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Hans Freiwald. „Ich finde es aber etwas kompliziert, das Downloaden über den heimischen PC machen zu müssen. Kundenfreundlicher wäre es, die Bücher im Buchladen direkt auf den Reader spielen zu können. Gerade für die Generation 50 plus wäre das ein begrüßenswertes Serviceangebot. Denn älteren Menschen kann das Lesegerät mit der größeren Schrift, seinem geringen Gewicht und der einfachen Bedienung ein Stück Lebensqualität bringen.“

Möglichkeit eigener Notizen fehlt

Für Peter Peschke von der Bücherstube Seifert in der Deisterallee ist das E-Book zwar auch zukunftsweisend, aber er sieht bei dem derzeit angebotenen Gerät keinen großen praktischen Nutzen, da die Möglichkeit der eigenen Notizen fehlt. Etwas melancholisch meint er sogar, „Es geht ein Stück Kultur verloren: das Buch als Lebensbegleiter, als Erinnerungsstück mit Randnotizen und den Spuren des Gebrauchs. Man möchte doch bewahren, was einen geprägt hat.“ Angst hat er sogar, dass viele Geschichten verlorengehen, wenn sie mal gar nicht mehr gedruckt werden. „Sie existieren dann gar mehr zum Anfassen und gehen beim Löschen unwiederbringlich verloren im Orbit der Bits & Bites.“

Gar keine Berührungsängste hat man dagegen bei der Buchhandlung Thalia in der Stadtgalerie mit dem neuen Medium. Buchhändlerin Petra Bunte berichtet von einer regen Nachfrage. „Es gibt schon mehrere ernsthafte Kaufinteressenten. Eine Mutter möchte es als Konfirmationsgeschenk für ihreTochter. Wir haben genügend Geräte bestellt und werden die pünktlich zum Deutschlandstart am 11. März unseren Kunden präsentieren.“



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