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Gehen auf dem Weihnachtsmarkt die Lichter aus?

veröffentlicht am 18.09.2009 um 18:18 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:37 Uhr

Hameln (ni).

Hameln (ni). Die Interessengemeinschaft Weihnachtsmarkt fühlt sich von der Stadt  vor den Kopf gestoßen. Durch die Änderung der Kriterien, nach denen die Verwaltung aus der Vielzahl der Bewerber die Beschicker auswählt, die einen der begehrten Stände auf dem Weihnahtsmarkt erhalten,  drohe der IG die finanzielle Basis entzogen zu werden  -   und damit dem Weihnachtsmarkt in seiner jetzigen Form das Aus. Der Vorstand des Vereins mit Peter Ehlerding und Georg Stiller an der Spitze hat die Mitglieder für kommenden Montag zur Krisensitzung eingeladen.

Die Interessengemeinschaft in der Klemme: Sie hat einen Batzen Schulden bei der Stadt, darf auf dem Weihnachtsmarkt 2009 nicht mehr als geschlossene Gesellschaft auftreten und verdienen und sieht ihre in der Vergangenheit so gut wie garantierten Einnahmen aus dem Werbegroschen schwinden.  „Die Stadt wirbt mit dem schönen Ambiente des Weihnachtsmarktes und hat selbst keinen Pfennig dazu beigetragen hat“, stellt Ehlerding nüchtern fest. Ob Tannenbäume oder Pyramide, Leuchttransparente oder Knusperhäuschen, Kinderprogramm, Chöre oder dekoratives Beiwerk, mit dem sich das heimelige Dorf aus kleinen Hütten in der Adventszeit schmückt – „alles haben wir bezahlt“. Und dann redet er sich doch noch in Rage: „Wir haben den Weihnachtsmarkt zu einer Marke entwickelt, und das wird jetzt mit einem einzigen Federstrich kaputt gemacht.“ Wir, das war die fest gefügte Gemeinschaft der Beschicker, die alle Jahre wieder ihren Platz auf dem Weihnachtsmarkt einnahm und mit ihrem Werbegroschen das ganze Drumherum finanzierte.
 Jetzt droht diese Gemeinschaft auseinanderzubrechen. „Erbhöfe“ auf dem Weihnachtsmarkt gibt es nicht mehr, seit die Verwaltung die Kriterien für die Auswahl der Beschicker geändert hat. Was sie laut Beschluss des Verwaltungsgerichtes Hannover tun musste, um dem Wettbewerbsrechts gerecht zu werden. Was sie aber „auch eleganter hätte lösen können“ als mit einer Punktetabelle für die Hüttenästhetik, ist Stiller überzeugt. Von Osnabrück und Oldenburg kennt er ein anderes Verfahren. Dort werde nur eine bestimmte Anzahl der Standplätze an neue Bewerber vergeben; der große Rest sei einem festen Stamm an Beschickern sicher, der ins Beiprogramms investiere. Weil in Hameln aber keiner mehr eine Garantie habe, auch im nächsten Jahr noch dabei zu sein, sei es fraglich, ob die Altbeschicker weiterhin Interesse an einer Mitgliedschaft in der IG haben; und noch fraglicher, ob sie weiterhin den freiwilligen Werbegroschen berappen. Am aller fraglichsten aber: ob die Neuen überhaupt bereit sind, ihn zu zahlen. 

Kommenden Montag treffen sich die rund 70 Mitglieder des Vereins zur Krisensitzung. Dann soll abgefragt werden, wer sein Portemonnaie noch zücken will. Nachdem einige der zahlungskräftigen Altbeschicker in diesem Jahr bei der Standvergabe durch die Verwaltung leer ausgegangen sind, rechnen Ehlerding und Stiller bestenfalls mit Zusagen in Höhe von 80 000 Euro. Erst wenn klar ist, wie viel Geld in die Kasse kommt, könne die IG mit der Programmplanung für den Weihnachtsmarkt beginnen. „Die Zeit ist verdammt knapp“, weiß Ehlerding.
 Und malt sich in düsteren Stunden schon aus, wie dieser Weihnachtsmarkt aussehen wird, wenn das Budget noch schmaler ausfällt: „Das wäre dann ein Weihnachtsmarkt ohne Beleuchtung, ohne Pyramide, ohne Kinderprogramm“. Allein 14 000 Euro kosteten nämlich Aufbau, Abbau und Transport der über 200 Tannenbäume, die Verkleidung von Štromkästen und Müllcontainern, die zusätzliche Reinigung der Flächen rund um die Buden sowie der öffentlichen Toiletten. 9000 Euro werden für die Stromversorgung durch Elektroma fällig, weitere 3000, damit die Pyramide sich wieder dreht und 14 000 Euro, damit das Knusperhäuschen wieder an ihrem an seinem Platz steht; 5000 Euro sind für den Kauf der Tannenbäume einkalkuliert, 4000 für die Dekoration. Und 2000 Euro soll die IG zur Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt beitragen. Die Jahresrate von 12 000 Euro zur Tilgung der Schulden bei der Stadt kämen noch obendrauf, wenn die Stadt keine Stundung gewährt. Und 40 000 Euro „Altlasten“ drücken die Interessengemeinschaft außerdem noch. Dieses Minus hat sie als Veranstalter der großen Silvesterparty eingefahren. Um es wieder auszugleichen, hatten die Mitglieder ausnahmslos einer Erhöhung des Werbegroschens zugestimmt. Damals gingen alle noch davon aus, sich beim Weihnachtsmarkt 2009 in der gleichen Zusammensetzung wieder zu treffen.



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