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Radweg-Plan:Gartenpächter gibt auf

„Gehe freiwillig – aber nur unter Protest“

HAMELN. Die Querelen um seinen Garten an der Weser haben Karl-Heinz Meyer mürbe gemacht. Lange hat er sich gegen die Pläne der Stadt Hameln an der Fischbecker Landstraße auf den Grundstücken der bisherigen Pachtgärten einen neuen Radweg zu bauen, gewehrt.

veröffentlicht am 20.08.2018 um 16:57 Uhr

Die Hütte steht noch, aber keine „Anti-Stress-Ecke“ mehr: der Garten von Karl-Heinz Meyer an der Fischbecker Landstraße. Foto: ll
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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Und lange hat sich Meyer auch geweigert, das Feld einfach so zu verlassen. Trotz angedrohter Zwangsräumung. Der Bad Pyrmonter sagt nun: „Jetzt habe ich auch keinen Bock mehr!“ Er habe den Spaß verloren an seinem Garten, den er über viele Jahre als seine „Anti-Stress-Ecke“ betrachtete, wie er betont.

Wie bekannt, will die Stadt Hameln den Weserradweg zwischen Jugendherberge und Upnor-Gelände verlegen. Fahren Radler heute direkt an der Fischbecker Landstraße entlang, sollen sie künftig näher an der Weser unterwegs sein. Der Bereich, wo sich einst 20 Gärten befanden, soll der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Deshalb hatte die Stadt im letzten Jahr 16 Pächtern die Verträge gekündigt.

Viele der Ex-Pächter sind nach der Kündigung durch die Stadt verschwunden aus ihren Gärten. Etliche Grundstücke hat sich inzwischen die Natur zurückgeholt. Dort wachsen wilde Gräser, Sträucher und Bäume. In Meyers Garten steht noch ein Gartenhaus aus Holz, gebaut auf Pfählen wegen des möglichen Hochwassers. Meyer nutzt den Garten schon seit über einem Jahr nicht mehr, doch über kurz oder lang wird er auch seine Holzhütte abbauen müssen.

Beim Thema Gartenhaus ist der Bad Pyrmonter jedoch empfindlich und ärgert sich noch heute über das Vorgehen der Stadt Hameln. Meyer sagt: Vor gut zwei Jahren, im Mai 2016, habe er noch einmal knapp zweitausend Euro in die Reparatur seines Holzhauses gesteckt. „Das Dach war undicht.“

Immer noch unverständlich aus Meyers Sicht heute: Dass die Stadt nicht schon damals ein Zeichen gegeben habe, dass die Gärten über kurz oder lang geräumt werden müssten. „Vor der Renovierung habe ich extra Rücksprache mit der Stadt gehalten.“ Sonst hätte er das Häuschen gar nicht erst repariert. Die städtischen Pläne mit dem Radweg waren da aber schon lange klar: Im April 2016 war der Bebauungsplan zur Verlagerung des Weserradweges entlang der Fischbecker Landstraße Gegenstand der Beratungen im zuständigen Fachausschuss des Hamelner Stadtrates. Ein halbes Jahr nach der Investition in den „Anti-Stress-Garten“ habe er dann im November 2016 die Kündigung erhalten. „Die Pacht für 2017 hatte ich da aber schon bezahlt.“ Das wurmt Meyer.

Dass er dann im Februar 2017 den Garten geräumt haben sollte, sei ihm Nachgang immer noch eine „Unverschämtheit“ gewesen. „Es ist unverständlich, dass man uns so früh rausschmeißt, ohne konkrete Pläne zu haben“, richtet Meyer seine Beschwerde gen Hamelner Rathaus.

Zuletzt hatte es die Stadt nicht mehr so eilig, das Weserufer an der Fischbecker Landstraße umzugestalten und mit einem Parkplatz sowie dem neuen Radweg zu versehen. „Der Radweg wird erst gebaut, wenn das Upnor-Gelände erworben und entsprechend überplant worden ist“, sagte ein Stadtsprecher in diesem Frühjahr gegenüber unserer Zeitung. Ein Radwegebau, ohne die künftige Gestaltung des ehemaligen Briten-Übungsplatzes zu kennen, ergebe keinen Sinn, hieß es im März. Auf längere Sicht sollen auf dem Upnor-Gelände Freizeitmöglichkeiten direkt am Fluss realisiert werden.

Am Montag teilte eine Rathaussprecherin ganz allgemein mit, dass noch nicht alle E-Pächter ihren Räumungsverpflichtungen nachgekommen seien. „Es gibt noch einige Fälle, bei denen unsere Rechtsabteilung tätig werden wird“, sagte sie. Frühestens, wenn dieses Prozedere abgeschlossen sei, würden die Planungen zum Radweg konkret vorangebracht.

Karl Heinz Meyer ist es denn egal, wie schnell die Stadt mit den weiteren Radweg-Planungen vorankommt. „Jetzt gehe ich freiwillig, aber nur unter Protest“, resigniert der Bad Pyrmonter. Ein Problem besteht dennoch weiterhin, sagt er. Die Gartenhütte müsse ja schließlich abgebaut werden. „Das schaffe ich nicht selbst“, meint Meyer.



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