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„LiScha Himalaya“: Hamelner erleben, wie ihre Spenden in Nepal eine große Hilfe sind

Gegen den Hunger – für die Bildung

Kurz vor Weihnachten 2011 schlägt Günter Merten die Zeitung auf. Unter dem Titel „Kleines Licht und eine Schattenregion“ wird dort erzählt, wie die Braunschweiger Daniela Jährig und Steffen Schöley mit ihrem Verein „LiScha-Himalaya“ im Süden Nepals in den Mahabharat-Bergen helfen, eine Schule zu bauen, um Mädchen durch Patenschaften den Schulbesuch zu ermöglichen. Zudem verteilen sie Bienenkörbe an Familien, sodass diese das geringe Einkommen aufbessern können. Auch die medizinische Grundversorgung von Schülern und Erwachsenen steht auf dem Programm. Günter Merten und seine Frau Gertrud informieren sich auf der Internetseite www.lischa-himalaya.org über die Hintergründe und suchen auch das persönliche Gespräch: Beide sind schnell überzeugt, dass bei diesem Projekt Spenden gut angelegt sind. Und vor allem, dass das Geld auch dort ankommt, wo es schnell und unbürokratisch hilft.

veröffentlicht am 22.12.2013 um 19:15 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 12:43 Uhr

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Autor

Frank Westermann Redakteur zur Autorenseite
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Anfang 2012 übernehmen die beiden Hamelner zwei Mädchenpatenschaften, sie spenden einige Bienenkörbe und eine Lkw-Ladung Steine für den Schulbau in der Gemeinde Silinge. Langsam reift bei ihnen der Entschluss, die Projektregion zu besuchen. Anfang März 2013 ist es soweit. Eine Reise nach Nepal beginnt, und der Höhepunkt wird der Besuch der Projektregion in den Mahabharat-Bergen. Daniela Jährig und Steffen Schöley holen die Hamelner ab. Mit einem Allrad-Fahrzeug geht es hinauf in die Berge auf einer Route, die nur in der Trockenzeit befahrbar ist. Ansonsten erreicht man die Projektregion von der Hauptstraße Bharatpur-Hetauda aus nur zu Fuß in einem fast fünfstündigen Marsch mit Flussdurchquerungen und einem Aufstieg, der bei 50 Höhenmetern beginnt und auf 1300 Metern endet.

Günter und Gertrud Merten werden den ersten Eindruck nie vergessen: „Mit unbeschreiblicher Freude und Begeisterung wurden wir empfangen, die ganze Schule und Umgebung war auf den Beinen. Ein Spalier von jungen Schülerinnen in Schuluniform, die uns selbst hergestellte Blumenkränze umhängten, mussten wir durchschreiten. Der Schulleiter und sein Kollegium begrüßten uns.“

Ins Auge fiel beiden sofort der zweigeschossige Schulneubau. Denn das alte Schulgebäude, das waren sechs kleine Räume – zum Teil ohne Dach –, in denen 600 Kinder unterrichtet wurden. Der Bau des neuen Schultraktes in Silinge war Daniela Jährig und Steffen Schöley seit Bestehen von LiScha ein wichtiges Anliegen. Sie hatten sich für das Gebäudes von Anfang an für eine Art „Baukastensystem“ entschieden – ein System, das immer auf die aktuellen Spendeneinnahmen abstimmbar ist und so die Möglichkeit gibt, Raum für Raum anzusetzen.

Dafür hatten sie einerseits in Deutschland begonnen, Geld zu sammeln, und andererseits haben sie in Nepal wieder und wieder und wieder die staatlichen Stellen darauf hingewiesen, dass die Kinder von Silinge in einer unzumutbaren Schulsituation unterrichtet werden. Das stete Engagement trug auf nepalesischer Regierungsebene Früchte. Durch die bereits laufenden Projekte, besonders im medizinischen Bereich, wurden die dortigen Medien immer aufmerksamer auf die beiden Deutschen und ihre Arbeit. Dies öffnete dann auch die Ohren und Augen und Geldsäckel auf Regierungsebene. Der Staat sicherte zu, drei Klassenräume zu finanzieren. Ein großer Erfolg, da die Haushaltstöpfe sehr leer sind in einem der zehn ärmsten Länder dieser Welt.

Mit diesen Geldern und den Spenden aus Deutschland konnten jetzt sechs große lichtdurchflutete Klassenräume auf zwei Etagen eingeweiht werden. Gertrud und Günter Merten waren auch bei ihrem Besuch nicht mit leeren Händen gekommen. Eein Geschenk war ein kleine Statue vom Hamelner Rattenfänger: Jährig und Schöley ließen sie rahmen und in einem Klassenzimmer aufhängen, das auf den Namen „Pied-Piper-Room“ getauft wurde, nun also das „Rattenfänger-Zimmer“ ist.

Land mit einer

unfassbar hohen Todesrate bei Geburten

Steffen Schöley und Daniela Jährig sind in diesen Tagen wieder in Deutschland, sie sind sozusagen auf Tournee und stellen ihr Projekt vor: in Schulen beispielsweise, oder bei den Stadtwerken Hameln, wo Günter Merten Prokurist war. Bei den Geschichten, die die beiden erzählen, zerreißt es einem manchmal das Herz. Wenn sie von den Kindern berichten, die morgens erst einmal Wasser holen müssen und dafür früh lernen, wie man große schwere Pötte schleppt, die dann zur Schule gehen – wenn sie denn gehen, da es in Nepal keine Schulpflicht gibt – und manchmal Stunden benötigen, ehe sie im Klassenzimmer sitzen. Und wie sie nachmittags zurückgehen und dann in der ärmlichen Strohhütte, die sie sich mit den Eltern, den Großeltern und ihren fünf, sechs Geschwistern teilen, das Feuer anzünden, damit sie kochen und gegen 17 Uhr den ersten Bissen des Tages zu sich nehmen können. Und in einem Land, ohne Schulpflicht reicht es auch nicht, einfach eine Schule zu bauen und dann auf die Kinder zu warten. Sie werden nämlich nicht kommen, weil sie zu Hause gebraucht werden: Sie müssen sich um ihre kleinen Geschwister kümmern, werden mit zwölf Jahren verheiratet, sind kurz drauf schwanger und leiden: Nepal ist ein Land mit einer unfassbar hohen Todesrate bei Geburten. Also haben Daniela Jährig und Steffen Schöley und ihre vielen Helfer aus den Dörfern beim Schulbau einen Raum anders eingerichtet: Hier gibt es jetzt einen Kindergarten.

Die beiden Braunschweiger kümmern sich um das Volk der „Chepang“, Nepals Ureinwohner und eine der kleinsten ethnischen Minderheiten. Sie sind ein fast vergessenes Volk, das heute zu den Ärmsten Nepals zählt. Die Chepang waren ursprünglich Nomaden, die von Tibet in die bewaldeten Bergregionen Nepals kamen. Doch im Wald oder in Höhlen leben sie schon längst nicht mehr. Vor über 50 Jahren wurden sie, mit der Begründung die „primitiven“ Ureinwohner zu zivilisieren, vom damaligen König in den flacheren Regionen zwangsangesiedelt und damit ihrer Wurzeln und Traditionen beraubt. Sie sind Bauern geworden, die kaum Land besitzen, das sie bewirtschaften können.

Das nächste Großprojekt, das Jährig und Schöley in Angriff nehmen, ist ihr bislang wohl ambitioniertestes: Eine tägliche Schulspeisung für alle Kinder, denn die Mangelernährung hat ihre Spuren hinterlassen, viele Kinder leiden unter einem Blähbauch. Günter und Gertrud Merten werden weiterhin spenden und damit helfen. Warum das so ist, kann im Gästebuch nachgelesen werden: „Wir konnten hautnah erleben, was das Team um Daniela und Steffen hier in einer zurückgebliebenen und vergessenen Region leistet.“

Auch der Rintelner Frank Motulla, der mit der Parfümerie Koulen 2500 Euro sammelte und sich persönlich davon überzeugte, wie das Geld eingesetzt wird, war bei seinem Besuch beeindruckt: „Ich habe in meinem Leben in fast allen Erdteilen dieser Welt schon gearbeitet, aber mein Besuch von Silinge war alle Strapazen und Entbehrungen wert. Die Arbeit des Vereins ist mehr als unterstützungswürdig und dem Einsatz von Daniela und Steffen vor Ort gebührt meine volle Bewunderung.“

Spenden: LiScha Himalaya e.V., Konto 190009071, BLZ 180 500 00, Sparkasse Spree-Neiße. Unter Verwendungszweck am besten „Freie Spende“ eintragen, dann kann das Geld dort eingesetzt werden, wo am dringendsten Hilfe benötigt wird. Postadresse im Verwendungszweck angeben, damit die Spendenbescheinigung und die Patenbriefe zugeschickt werden können.

Wer spendet, der möchte nicht nur Menschen helfen, denen es schlechter geht, sondern auch wissen, dass sein Geld dort ankommt, wo es benötigt wird – und nicht in den Mühlen der Bürokratie versandet. Günter und Gertrud Merten aus Hameln unterstützen seit zwei Jahren ein Projekt in Nepal. Sie haben sich entschlossen, dort selbst vorbeizugucken: Kommt die Hilfe auch an? Seitdem gibt es in einer Schule in 1300 Höhenmetern auch ein „Rattenfänger-Zimmer“.



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