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Mehr als 30 Lesepaten fördern Kompetenz von Schulkindern

Gegen das Leistungsgefälle

Hameln. Apo aus der 3a ist neun Jahre alt und brennt darauf zu zeigen, wie gut er lesen kann. Mit dem Zeigefinger hüpft er von Wort zu Wort, die er zwar etwas abgehackt und betonungslos, aber fast fehlerfrei aneinanderreiht. Hinter ihm wartet seine Klassenkameradin Emily ungeduldig, bis sie endlich an der Reihe ist.

veröffentlicht am 19.03.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

von Ernst August Wolf
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Betreut werden die beiden Grundschüler von „Lesepatin“ Lea Trapp. Die 17-jährige Schülerin des Schiller-Gymnasiums ist extra früher aufgestanden und hat eine Freistunde geopfert, um jeden Mittwochmorgen Grundschülern der Wilhelm-Raabe-Schule Südstadt beim Lesenlernen zu helfen. Lea ist die jüngste von mehr als 30 ehrenamtlichen Lesepaten, die sich nach einem Dewezet-Aufruf gemeldet hatten.

„Wir sind die bunteste Grundschule der Stadt“, so Deutschlehrerin Martina Markut. Kindern aus mittlerweile 23 Nationen Lesen und Schreiben beizubringen, sei keine leichte Aufgabe. „Wir wollen mithilfe unserer Paten erreichen, dass das am Anfang sehr mühsame Lesenlernen durch tägliches Training mehr und mehr zum Vergnügen wird“, sagt Markut, die am Studienseminar auch angehende Lehrkräfte im Fach Deutsch ausbildet.

„Das Leistungsgefälle hier in der Schule ist gewaltig“, stellt Lesepatin Elke Burkart fest. Die Mutter von drei erwachsenen Söhnen hat bereits in der Papenschule dreieinhalb Jahre Erfahrung in der Leseförderung gesammelt. Die Ursachen für die großen Unterschiede sieht Burkart im oft bildungsfernen Elternhaus. „Zu Hause wird kaum noch gelesen“, klagt die Lesepatin. Das sei aber kein Nationalitätenproblem, sondern beträfe in gleichem Maß auch deutschsprachige Kinder.

„Die Kinder werden heute außerdem nun mal in einer multimedialen Welt groß und haben meist einen ganz anderen Wortschatz als unsere Generation“, sagt Lesepatin Ruth Busch. „Deshalb ist Wortschatzarbeit immens wichtig“, ergänzt Martina Markut. Wer für ein Wort auch viele andere kenne, der erweitere so seine Ausdrucksfähigkeit. „Das gibt mehr Sicherheit und ist ein erster Schritt auf dem Weg, das Lesen von einer Anstrengung zu einem Vergnügen werden zu lassen“, so die Pädagogin.

Mittlerweile sind die Lesepatinnen zu den neuen Lieblingen vieler Grundschüler geworden. Dabei geht es den Helfern nicht nur um die Vermittlung der Technik für besseres Lesen, sondern auch um den Aufbau sozialer Kontakte, wie sie sagen. „Mittlerweile sind wir echte Bezugspersonen geworden“, berichtet Elke Burkart. „So etwas wie die Großeltern für die Kinder. Ich habe wirklich fast 21 Enkelkinder dazugewonnen.“ Deren Eltern allerdings blieben in der Regel unbeteiligt, viele wüssten oft gar nicht, mit welchem Spaß ihre Kinder an der Förderung, die viermal pro Woche stattfindet, teilnehmen.

„Na, geht so“, antwortet Apo auf die Frage, wie er denn seine Lesefähigkeit einschätzt. Am liebsten liest er Abenteuer der auf einer Müllkippe lebenden „Olchis“, aber auch die Geschichte vom faulen König findet er toll. Emily übt am liebsten mit dem Buch „Findet Nemo“. Am meisten Spaß macht beiden Drittklässlern das Lesen ihrer Lieblingsgeschichten mit Lesepatin Lea Trapp. Die hatte früher selbst Probleme, wenn sie etwas laut vorlesen sollte. „Langsam und stotternd“ habe sie dann immer gesprochen, erinnert sich die Gymnasiastin, „auch deshalb will ich den Kindern der 3a zeigen, dass man das überwinden kann“.



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