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Zahl der Bettler in der Innenstadt offenbar gestiegen / Stadt vermutet organisierte Ringe

„Gefühlt nimmt das zu“

Hameln. Sie sitzen am Hochzeitshaus, in der Bäckerstraße, vor der Stadt-Galerie oder auch – bevorzugt an Markttagen – im Tunnel, der zum Rathausplatz führt, meist auf einem Stück Pappe, das nur notdürftig vor der Kälte von unten schützt. Bettler oder Bettlerinnen strecken Passanten einen leeren Kaffeebecher entgegen und sprechen meist nur dieses eine Wort, mitleiderregend langgezogen: „Biiiitte!“ Selten in den vergangenen Jahren – so glauben zumindest viele Hamelner – gab es so viele Bettler in der Stadt. Doch Statistiken führt offenbar niemand. Es ist ein Thema der Eindrücke und Vermutungen.

veröffentlicht am 27.02.2014 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 23:21 Uhr

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Autor:

Christa Koch
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„Gefühlt nimmt das zu“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Zwar habe es immer mal eine Art Wellenbewegung gegeben, doch die Hinweise auf Bettler mehren sich nun im Rathaus. Dabei ist das Betteln auch keineswegs verboten. Die Frage, ob man dies per Satzung unterbinden sollte, ist zwar im Fachausschuss schon einmal diskutiert, vonseiten der Politik dann allerdings verneint worden. Dennoch hat die Stadt eine Handhabe gegen solches Tun.

„Wenn Passanten gestört, bedrängt oder belästigt werden, schreiten wir ein“, versichert der Verwaltungssprecher. Mitarbeiter der Ordnungsabteilung würden in solchen Fällen Platzverweise aussprechen. „Das tun wir regelmäßig, auch gegen Bettler, die sich in die Mitte der Fußgängerzone vielleicht sogar auf die Blindenleitlinie setzen, wie wir seit einigen Monaten beobachtet haben.“ Denn sie würden ein Hindernis für Fußgänger darstellen. Wahmes versichert, dass man im Rathaus jeden Hinweis ernst nehme und Beschwerden nachginge.

Andererseits: „Man muss natürlich auch denen, die Geld geben, den Spiegel vorhalten. Das ist vielleicht gut gemeint, fördert aber das Betteln nur.“ Denn: „Gäbe niemand Geld, würde auch niemand dort sitzen“, ist sich der Stadtsprecher sicher. Er spricht von „Hinweisen“, dass das Betteln in den Innenstädten oft in organisiertem Stil betrieben wird. Die Frage, ob der einzelne Bettler, die einzelne Bettlerin überhaupt etwas von dem Geld behalten darf, das zusammenkommt, ist für ihn eigentlich keine: „Das sind meist organisierte Bettelringe, die abkassieren.“ Und im Übrigen müsse ja niemand in Deutschland betteln. „Es gibt genügend staatliche Stellen, die in Notfällen helfen.“

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Der Polizei, nach der immer mal wieder von Bürgern gerufen wird, sind weitgehend die Hände gebunden. „Bei reiner Bettelei könne wir nichts machen. Wir können erst dann einschreiten, wenn sich der betreffende Personenkreis aggressiv verhält“, sagt Pressesprecher Jörn Schedlitzki. Er vermutet insgeheim, dass das verstärkte Auftreten von Bettlern in der Stadt unter anderem mit der EU-Erweiterung zusammenhängt – auch wenn es darüber ebenfalls keine Statistiken gibt.

Was die Polizei machen kann: Immer dann einschreiten, wenn Trickbetrug mit im Spiel ist. Jüngstes Beispiel: der „Rosenmann“. Erst vor wenigen Tagen beschäftigte ein Mann die Aufmerksamkeit der Polizei, der am Hamelner Bahnhof um Spenden gebeten und Reisenden dabei Rosen unter die Nase gehalten hatte. Er habe weder eine Reisegewerbekarte noch eine Spendenliste vorweisen können, sagt Schedlitzki. Der Hauptkommissar schließt zudem nicht aus, dass es sich dabei um einen besonderen Trick handelt. Die Polizei kennt zumindest eine Masche, in der Blumen eine wichtige Rolle spielen: Der Mann spricht Fußgänger an, fuchtelt mit einer Rose herum und drückt sie dem Gegenüber in die Hand. Nimmt dieser an, wird er um eine Spende gebeten. Hat er erst einmal sein Portemonnaie gezückt, kommt es manchmal vor, dass blitzschnell und unbemerkt Geldscheine gestohlen werden.

Ob der Hamelner „Rosenmann“ diese Masche nun allerdings ebenfalls benutzt, ist unbekannt. Die Polizei sprach gegen ihn einen Platzverweis aus, wenige Tage später war er in der Osterstraße unterwegs.



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