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Gerade Ältere werden von Autofahrern leicht falsch eingeschätzt

Gefahr durch E-Bike: Radler werden immer schneller

HAMELN. Kam die Energie fürs Fahrradfahren bisher stets aus den Beinen, fließt sie nun immer häufiger aus einem Akku-Pack, das unauffällig am Rahmen befestigt ist. Schon warnen Unfallstatistiker vor neuen Gefahren – durch und vor allem für schnelle E-Radler. In Hameln boomt der Markt für diese Fortbewegungsmittel ganz besonders.

veröffentlicht am 20.03.2017 um 15:40 Uhr
aktualisiert am 20.03.2017 um 15:50 Uhr

E-Bikes sind flotter, als es Autofahrer gewohnt sind. Das führt immer wieder zu gefährlichen Situationen. Chantal Diekmann trägt zur Sicherheit, wie von den Händlern empfohlen, einen Helm. Foto: WAL
Marc Fisser

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Marc Fisser Reporter / Newsdesk zur Autorenseite
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Da rollt der sportliche Radler flott durch die Stadt – und macht große Augen, wenn er von einer leichtfüßig kurbelnden Seniorin überholt wird. Oder am Berg: Der eine strampelt sich ab, der andere schnurrt hinauf, ohne zu schwitzen. Beim Radfahren vollzieht sich 200 Jahre nach dessen Erfindung eine Revolution: Kam die Energie bisher stets aus den Beinen, fließt sie nun immer häufiger aus einem Akku-Pack, das unauffällig am Rahmen befestigt ist. Schon warnen Unfallstatistiker vor neuen Gefahren – durch und vor allem für schnelle E-Radler. In Hameln boomt der Markt für diese Fortbewegungsmittel ganz besonders.

„Wir händigen unseren Kunden einen Zettel zu Sicherheitsaspekten aus“, sagt Ralf Henke, der den E-Bike-Shop von „Bunny Hop“ leitet. Der Fahrer erreiche schnell ein Tempo von 25 Stundenkilometern. „Besonders Ältere werden von den Autofahrern falsch eingeschätzt“, weiß Henke. Der Radfahrer ist dann schneller als erwartet an der Kreuzung – schlecht, wenn er eigentlich Vorfahrt hat. „Wir erklären auch, dass es sinnvoll ist, einen Fahrradhelm zu tragen“, erzählt der Fachmann, doch 95 Prozent der Kunden lehnten es ab. Oft werde auf die Frisur verwiesen. Dabei sind Kopfverletzungen beim Radfahren oft folgenreich, nicht selten tödlich. Bundesweit nimmt die Zahl der registrierten Fahrradunfälle deutlich zu. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes verunglückten zwischen Januar und November vorigen Jahres knapp 77 000 Radler – vier Prozent mehr als im Jahr zuvor –, davon 381 tödlich. Bei den Pedelecs allein schnellte die Zahl der Verunglückten um ein Drittel auf 3765 empor; 57 der Fahrer kamen ums Leben. Die Polizisten im Bereich der Inspektion Hameln-Pyrmont/ Holzminden notierten für das gesamte Jahr 205 Unfälle mit Radfahrern. Tote gab es glücklicherweise nicht, aber 24 Schwer- und 112 Leichtverletzte, zitiert Polizeisprecher Jörn Schedlitzki aus der Verkehrsunfallstatistik, die heute vorgelegt wird. An zehn der Unfälle waren Pedelecs oder E-Bikes beteiligt. Drei der Pedelec-Fahrer wurden schwer verletzt, drei leicht. In fünf Fällen seien die Pedelec-Nutzer die Verursacher gewesen. „Oft sind Radfahrer entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung unterwegs“, berichtet Schedlitzki. Wenn der Autofahrer damit nicht rechnet, kann es leicht krachen. Auch die Polizei kennt die Gefahr, dass das Tempo der Elektrobikes unterschätzt wird. „Vorfahrt missachtet“, heißt es dann. Und das kommt sicherlich sehr viel häufiger vor, als offiziell bekannt ist: Die Pedelecs haben leistungsfähige Hydraulikbremsen, sodass die Fahrer solche Kollisionen wohl meistens noch abwenden können.

Information

E-Bike 25

Die Generation 65plus ist Vorreiter beim Fahrradfahren mit Elektrohilfe. Sieben Prozent der Seniorenhaushalte in Deutschland verfügten 2015 über ein solches Bike, berichtet das Statistische Bundesamt. Bei den 18- bis 64-Jährigen waren es erst drei Prozent – doch die Jüngeren und Sportlichen entdecken die Geräte zunehmend auch für sich. Zumeist wird ein „E-Bike 25“ gekauft, dessen Motor auf 25 km/h gedrosselt ist. Für das noch schnellere „E-Bike 45“ besteht Helm- und Versicherungspflicht. mafi

Der bundesweit große Zuwachs bei den Pedelec-Unfällen muss nach Ansicht von Rainer Klenke, Chef des Geschäftes „Fun Corner“, differenziert betrachtet werden. Denn die Verkaufszahlen galoppieren, die Unfallzahlen folgen eben diesem Trend. „Seit fünf Jahren erleben wir permanente Absatzsteigerungen“, freut sich Klenke. Allein im vorigen Jahr seien es 30 Prozent Zuwachs gewesen – während der Verkauf herkömmlicher Fahrräder um 6 Prozent zurückgegangen sei. Klenke: „Das Pedelec ist in unserer Region erfolgreicher als das E-Auto.“ Und die Hersteller prognostizieren die Fortsetzung des Runs, teilweise werde sogar eine Verdoppelung des Absatzes gegenüber dem Vorjahr erwartet. „Jeder möchte jetzt ein Fahrrad mit Elektrounterstützung“, sagen Klenke und Henke unisono: Fühlte sich anfangs nur die Generation 60plus angesprochen, legten sich nun auch Junge ein solches Bike zu. „Viele fahren damit zur Arbeit und verzichten auf das eigene Auto“, beobachtet Henke. Bei einer Reichweite von 80 Kilometern sei das Pedelec ideal, während bei Elektroautos die Reichweite von 200 Kilometern als Manko empfunden werde, erklärt Klenke. Für Touren- und Trekking-Räder mit Stromspeicher legen die Kunden 2000 bis 4000 Euro auf den Tisch, für Sportausführungen sogar bis zu 6000 Euro.

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