weather-image
Fahrer verunsichert, ob ihr Wagen den neuen Biokraftstoff E10 verträgt / Super könnte teurer werden

Gefährliches Rätselraten an der Zapfsäule

Hameln (tk/dpa). Beim Stopp an der Tankstelle müssen Autofahrer demnächst noch genauer hinschauen. Immer mehr Tankstellen bieten jetzt unter der Bezeichnung E10 Ottokraftstoff mit einem höheren Ethanolanteil an. Aber längst nicht jedes Auto verträgt den neuen Bio-Kraftstoff. Für drei Millionen Pkw kann der Sprit sogar extrem schädlich sein: er greift Gummidichtungen und Aluminiumteile an. Zudem befürchtet der ADAC, dass die Preise für das alte Super (E5) deutlich erhöht werden könnten, um die Autofahrer zum Umsteigen auf Super E10 zu bewegen. An der Tankstelle herrscht Verwirrung bei den Autofahrern. Viele wissen nicht, ob sie E10 tanken dürfen. Welcher Zapfhahn ist denn nun der richtige?

veröffentlicht am 25.02.2011 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 02:21 Uhr

Schon jetzt ist Super Plus 6 Cent teurer als Super E10.  Foto: Dana
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Bisher ist der Biotreibstoff E10 nur an der gelben Jet-Tankstelle an der Ohsener Straße in Hameln zu haben. Trotz der deutlichen Kennzeichnung ist Marion Dormann verwirrt. Was ist E10? Kann ich das tanken? „Ich brauche Super!“ Die 58-Jährige fährt einen fünf Jahre alten Renault und hat bisher von einem neuen Ökosprit nichts gehört. Ähnlich geht es Bernd Meinthaler. Auch er hat keine Ahnung, ob seine „alte Schleuder“, ein knallroter Toyota Corolla, Baujahr 2001, E10 verträgt. Um auf Nummer sicher zu gehen, tankt der Mittvierziger nur noch Super Plus, auch wenn das deutlich teurer sei. Mit seiner Vorsicht ist er nicht alleine: Wie der ADAC in einer aktuellen Online-Umfrage herausgefunden hat, wissen immer noch rund 22 Prozent der Autofahrer nicht, ob ihr Fahrzeug E10 verträgt. 70 Prozent antworteten auf die Frage, ob sie E10 tanken werden mit „nein“.

„E“, das steht für den Alkohol Ethanol und die „10“ für die zehnprozentige Beimischung. Bis Ende März soll der neue Biokraftstoff flächendeckend eingeführt werden. Die Bundesregierung verspricht sich von dem neuen Benzin, die Ölreserven zu schonen und zum Klimaschutz beizutragen. Rückblick: 2007 hatten die Minister Horst Seehofer (CDU) und Sigmar Gabriel (SPD) ihre Pläne für den Biosprit verkündet. Jetzt ist das neue Super stillschweigend auf den Markt gekommen und die unzureichende Informations- und Aufklärungspolitik der Mineralölkonzerne ruft den Ärger der Verbraucher hervor.

„Seit wir E10 eingeführt haben, fragen die Kunden verstärkt bei uns nach“, sagt Dominic Cruttenden, Mitarbeiter der Jet-Tankstelle. „Viele Kunden sind erst mal verwirrt und wissen nicht, ob sie E10 tanken können.“ In der Tankstelle liegen deshalb Broschüren aus, Säulen und Zapfpistolen sind eindeutig gekennzeichnet, um ein Fehltanken zu vermeiden: „Bitte beachten: Neuer Kraftstoff Super E10! Unbedingt Motortauglichkeit prüfen!“

270_008_4470756_hm205_2602.jpg

Bereits eine einzige irrtümliche Tankfüllung mit E10 kann zu ernsten, nachhaltigen Schäden führen. „Wichtig ist, dass das Fahrzeug nicht gestartet wird, damit der Kraftstoff nicht in das gesamte System gelangt“, sagt Dirk Kridde, Kfz-Meister der Firma Weser-Team. „Der Tank muss dann umgehend abgepumpt werden, da das Bioethanol Kunststoffe angreift und Gummiteile porös werden lässt. Aluminiumteile könnten oxidieren.“ Im schlimmsten Fall ende das Ganze mit einem Motorschaden – „und das wird teuer“, meint Kridde.

Wer persönlichen Rat sucht, wird an der Tankstelle nicht fündig. Das Personal hält sich zurück: „Wir geben keine Auskunft. Wir wollen doch nicht schuld sein, wenn der Kunde einen Motorschaden erleidet“, sagt etwa Peter Barghorn von der Westfalen Tankstelle. Identisch klingt es bei den anderen Tankstellen-Betreibern. Auch der Mineralölwirtschaftsverband rät den Tankstellen davon ab, Auskünfte zu geben. „Das ist Sache des Autoherstellers, damit haben die Tankstellen nichts zu tun“, äußerte sich Karin Retzlaff, Pressesprecherin des Mineralölverbands in Berlin, gegenüber der Presse.

Der Kunde steht mal wieder in der Pflicht, sich selbst zu informieren. Die Info-Broschüren an den Tankstellen sind dabei mal mehr, mal weniger hilfreich. Das Unternehmen Jet begnügt sich damit, auf die Anfrage beim Pkw-Hersteller hinzuweisen und einen Link zur Homepage der Deutschen Automobil Treuhand anzugeben. Aral macht es den Kunden etwas leichter: Ihr „E10-Flyer“ beinhaltet eine ausführliche Liste mit allen Auto- und Motorradtypen. Detaillierte Informationen finden sich im Internet: ADAC und Deutsche Automobil Treuhand (DAT) haben Listen veröffentlicht, auf denen Autofahrer prüfen können, ob ihr Fahrzeug E10-tauglich ist. Ist das nicht der Fall, droht der Preis-Hammer.

Der ADAC warnt vor versteckten Preiserhöhungen. Die Befürchtung: Um Autofahrer zum Umsteigen auf Super E10 zu bewegen, könnten die Anbieter den Preis für das alte E5-Super erhöhen. Schon jetzt stellt der Automobilclub fest, dass die Durchschnittspreise für das alte Superbenzin E5 in den Städten höher sind, in denen der neue Biosprit bereits angeboten wird. Grund: Die Ölkonzerne sind verpflichtet, einen bestimmten Anteil von Biokraftstoffen zu verkaufen – andernfalls drohen hohe Strafen.

Wie sieht es mit den Preisen in Hameln aus? Noch ist die Jet-Tankstelle der einzige Anbieter von E10. Die Filiale verkauft den Biosprit derzeit für 1,48 Euro und damit ganze 6 Cent billiger als das Super Plus. Im Vergleich: Der Preis für bislang übliches Super E5 schwankt bundesweit laut ADAC derzeit um die Marke von 1,50 Euro. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hält der Mineralölwirtschaft vor, dass sie sich bei denjenigen Autofahrern bediene, deren Fahrzeuge kein Super E10 vertragen. Sollten die Anbieter künftig nur noch Super Plus mit 98 Oktan als Bestandsschutzsorte anbieten, dann, so der Minister, „können und müssen sie es billiger machen“.

Laut ADAC wird Super E10 dort, wo es bereits zu haben ist, zum bisherigen Preis des herkömmlichen Super E5 verkauft. Gleichzeitig wird der Preis von Super E5 um bis zu acht Cent auf das Niveau von Super Plus angehoben oder es wird nur noch Super Plus angeboten. Der Grundgedanke der Bestandsschutzregelung, der die Anbieter verpflichtet, die nächsten Jahre ein preisgünstiges Benzin mit fünf Prozent Ethanol anzubieten, wird damit missachtet. Röttgen: „Es war immer klar, dass die Einführung von E10 nicht zur Benachteiligung jener Autofahrer führen darf, deren Fahrzeuge den Kraftstoff nicht vertragen.

Bis spätestens Ende März soll aus allen Zapfpistolen an Hamelner Tankstellen der neue Kraftstoff E10 fließen. Allerdings vertragen rund drei Millionen Pkws den Bio-Sprit nicht.

Foto: dpa



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt