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Stadtwerke bohren Gasleitung an / Rohr muss auf einer Länge von sechs Metern ausgetauscht werden

Gefährlicher Job – Feuerwehr schützt Monteure

Hameln. Als Schweißer Dominik Ullwer um 11.30 Uhr eine Fackel an ein Eisenrohr hält, aus dem ein Erdgas-Luft-Gemisch strömt, ist das Gröbste geschafft: Eine anderthalb Meter lange orangerote Flamme schießt fauchend aus der Öffnung und flackert im Wind. Stadtwerke-Meister Christoph Nolte kontrolliert mit einem Gasspürgerät die Erdgaskonzentration. Nach zwei Minuten liegt sie bei 90 Volumenprozent. „Wenn 100 Prozent erreicht sind, ist alles wieder im grünen Bereich“, erklärt der Experte. „Dann ist das Gas im 250-Millimeter-Hauptrohr wieder rein.“

veröffentlicht am 06.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 06.11.2016 um 21:21 Uhr

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Autor:

Ulrich Behmann
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Dreieinhalb Stunden zuvor: Die Feuerwehr rückt mit einem Löschgruppenfahrzeug an. Es hat eine große Pulverlöschanlage an Bord. Mitarbeiter der Stadtwerke stellen dreieckige Warnschilder auf: „Arbeiten an Gasleitungen“ steht drauf. Ein Piktogramm (durchgestrichene glimmende Zigarette) zeigt an, dass Rauchen ab sofort verboten ist. Wachleute eines privaten Sicherheitsdienstes und Mitarbeiter der Stadtwerke überwachen das strikte Verbot. Nolte will auf Nummer sicher gehen, nichts dem Zufall überlassen. Zur Vorsicht werden noch vier Pulverlöscher rund um die Baugrube, die sich vor dem Dewezet-Gebäude an der Osterstraße befindet, platziert.

Die Monteure der Hamelner Stadtwerke müssen ihre Handys ausschalten. Ein Funke könnte eine Katastrophe auslösen. Nun stehen sie in der 1,25 Meter tiefen Grube und schweißen im Abstand von sechs Metern zunächst Muffen auf das Rohr. Daran befestigen sie zwei sogenannte Blasensperrsysteme und bohren das mit Erdgas gefüllte Stahlrohr an. Gas tritt nicht aus, weil sich der Bohrer in einem geschlossenen Schleusensystem befindet. Durch die beiden Öffnungen werden je zwei kleine Kunststoffblasen geschoben und aufgepumpt. So wird das unter Druck stehende Rohr (40 Millibar Leitungsdruck) auf beiden Seiten von innen provisorisch verschlossen. Die GWS-Monteure tragen Spezialkleidung und Flammschutzhauben. Eigentlich kann nichts passieren. Eigentlich. Schließt das Sperrsystem allerdings nicht korrekt, strömt Gas aus. Dann kann es sich entzünden. Ein Glimmstängel reicht. „Würde so etwas passieren, wäre die Flamme wohl mehr als drei Meter hoch“, schätzt Gas-Experte Christoph Nolte.

Die Feuerwehr überwacht die Arbeiten. Die Wachleute stellen sicher, dass sich dem Gefahrenbereich keine Raucher nähern. Meist reicht eine freundliche, aber bestimmte Bitte. „Manche Leute sind aber auch uneinsichtig“, sagt der Sicherheitsmann Matthias Hartlieb. Ein Mann sei einfach weitergegangen. Er habe seine Zigarette nicht austreten wollen. „Den habe ich dann festgehalten und darauf bestanden, dass er sie ausmacht.“

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30 Jahre hat das sechs Meter lange Teilstück in der Erde gelegen. Es muss ersetzt werden, weil sein Überbogen zu dicht am Pflaster war. „Damals hat man Versorgungsleitungen der Telekom und der Stadtwerke überbaut, indem man das Rohr wie eine Brücke über die Leitungen geführt hat“, erklärt Nolte, der bei den Stadtwerken Projektleiter für die Fußgängerzone ist.

Mit einem Bagger wird ein Kunststoffrohr in Position gebracht und über Muffen und Flansche an das Stahlrohr geschraubt. Die Arbeit ist fast fertig. Jetzt muss nur noch die Luft aus dem Kunststoffrohr. Dazu wird es mit Gas gefüllt. Das Gemisch wird über einen Schlauch in das Ausblasrohr geleitet und um 11.30 Uhr von Monteur Ullwer angezündet. Erdgas abfackeln nennt das der Fachmann. Die Monteure müssen nur noch den Überschieber an die Stahlleitung schweißen. Dazu muss das Rohr mit Gas gefüllt sein. „Wäre dort ein Erdgas-Luft-Gemisch drin, könnte es von der Hitze des Schweißbrenners entzündet werden. Dann hätten wir etwas falsch gemacht und eine Rohrbombe gebaut“, sagt Christoph Nolte und grinst.

Feuerwehrleute sichern die Monteure, die an der Gasleitung arbeiten, ab.

Rechts: Gas wird an der Osterstraße abgefackelt.



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