weather-image
12°
Baggerfahrer Adnan Halili weiß, was er tut

Gefährlicher Abriss: Der Speicher ist Geschichte

HAMELN. 38 Meter hoch war das Silo am Hamelner Schutzhafen, 35 Meter lang ist der Baggerarm, mit dem das Gebäude nun abgerissen worden ist. Baggerfahrer Adnan Halili hat für den Abriss gesorgt, unterstützt von seinem Kollegen Mario Kahler, der ihn per Funk auf dem Laufenden gehalten hat. Ein Bericht von der Baustelle.

veröffentlicht am 18.09.2018 um 18:02 Uhr
aktualisiert am 19.09.2018 um 11:13 Uhr

Foto: ube
Ulrich Behmann

Autor

Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Metall quietscht, wenn sich der an einem 35 Meter langen Baggerarm montierte Einreißhaken in die Außenhaut des ehemaligen Kornspeichers drückt. Stahlträger scheinen zu ächzen und zu zittern. Krachend fallen Blechplatten zu Boden. Adnan Halili schaut hinauf zum Dach des 38 Meter hohen Gebäudes. Der Abbruch-Spezialist will erreichen, dass der obere Teil des Silos in den bereits seitlich aufgerissenen Getreidebunker fällt und darin verschwindet. Der 38-Jährige weiß, was er tut. Auch, wenn der Blechaufsatz mit den Funkantennen zeitweise bedrohlich ins Schwanken gerät und Außenstehende befürchten, der tonnenschwere Kasten würde gleich auf den 750 000 Euro teuren Longfront-Bagger und dessen Fahrer stürzen.

Adnan Halili hat die vergitterte Kabine gekippt und in einen Winkel von 45 Grad gebracht. So kann er besser nach oben schauen. Mit seinen Händen bedient er blind Joysticks und mit seinen Füßen mehrere Pedale. Von seiner Position aus überblickt er nur 70 Prozent der Situation. Was er nicht sehen kann, meldet ihm über Funk sein Kollege Mario Kahler. Der 36-Jährige ist sein zweites Paar Augen.

Es ist 11 Uhr. Strahlend blauer Himmel. Die Sonne steht schon hoch. Adnan Halili hat sie im Rücken. Das Licht kann ihn nicht blenden. Mit dem neun Meter langen Einreißhaken will der Baggerfahrer ein paar Stahlstützen „weich machen“. „Der Träger muss hin- und herbewegt werden. Dann gibt er irgendwann nach“, erklärt Halili das Prinzip. Er will den oberen Silo-Teil „kontrolliert herunterreißen“. Das ist sein Plan. Einfach wird das nicht. Der Stahl leistet Widerstand. Der Baggerfahrer legt den Einreißhaken am Boden ab. Arbeitskollegen eilen herbei, verlängern den Arm um einen Meter. Noch einmal versucht Halili, den Haken hinter das Stahlgerüst zu bekommen. Es klappt. Der Blechkasten wird instabil, sackt krachend in sich zusammen. Der Abbruch-Spezialist ist zufrieden. Ein paar Baggerhiebe später, klettert er aus der 67 Tonnen schweren Maschine und gönnt sich eine Zigarettenpause. Adnan Halili schaut sich sein Werk aus einer anderen Perspektive an. Sein Chef Werner Otto freut sich. „Hat alles hervorragend geklappt.“ Es brauche schon viel Erfahrung und ein bisschen Glück, um so einen Koloss aus Stahl und Blech planmäßig zu beseitigen, sagt der Unternehmer. Dann fügt er noch hinzu: „Abbruch ist generell nicht ganz ungefährlich.“ Man merkt: Der Chef ist stolz auf seinen Longfront-Fahrer. „Seit 2002 ist Halili im Betrieb. Als Bauhelfer hat er angefangen. Das Baggerfahren hat er von mir gelernt“, erzählt Werner Otto. „Heute ist Adnan Spezialist, können Kollegen von ihm was lernen.“

Montag, 13.52 Uhr: Mit Fuchsschwanz und Bagger wird die letzte Verbindung gekappt. Trennjäger können nicht eingesetzt werden, weil sich in dem langen Rohr Getreidestaub befindet. Funken könnten eine Staubexplosion auslösen. Foto: ube
  • Montag, 13.52 Uhr: Mit Fuchsschwanz und Bagger wird die letzte Verbindung gekappt. Trennjäger können nicht eingesetzt werden, weil sich in dem langen Rohr Getreidestaub befindet. Funken könnten eine Staubexplosion auslösen. Foto: ube
Montag, 19.59 Uhr: Im Schein der untergehenden Sonne reißt Adnan Halili den Kornspeicher mit einer Spezialschere in Stücke. Foto: ube
  • Montag, 19.59 Uhr: Im Schein der untergehenden Sonne reißt Adnan Halili den Kornspeicher mit einer Spezialschere in Stücke. Foto: ube
Dienstag, 11.08 Uhr: Am Dienstagvormittag setzt Abbruch-Spezialist Adnan Halili sein zerstörerisches Werk fort. Für Außenstehende sieht es so aus, als würde der obere Teil des Getreidebunkers gleich auf den Bagger und seinen Fahrer stürzen. Foto: ube
  • Dienstag, 11.08 Uhr: Am Dienstagvormittag setzt Abbruch-Spezialist Adnan Halili sein zerstörerisches Werk fort. Für Außenstehende sieht es so aus, als würde der obere Teil des Getreidebunkers gleich auf den Bagger und seinen Fahrer stürzen. Foto: ube
Dienstag, 11.10 Uhr: Krachend sackt der Blechkasten in sich zusammen. Foto: ube
  • Dienstag, 11.10 Uhr: Krachend sackt der Blechkasten in sich zusammen. Foto: ube
Dienstag, 14.30 Uhr: Nur noch die Hälfte des einst 38 Meter hohen Silos steht. Foto: ube
  • Dienstag, 14.30 Uhr: Nur noch die Hälfte des einst 38 Meter hohen Silos steht. Foto: ube
Montag, 13.52 Uhr: Mit Fuchsschwanz und Bagger wird die letzte Verbindung gekappt. Trennjäger können nicht eingesetzt werden, weil sich in dem langen Rohr Getreidestaub befindet. Funken könnten eine Staubexplosion auslösen. Foto: ube
Montag, 19.59 Uhr: Im Schein der untergehenden Sonne reißt Adnan Halili den Kornspeicher mit einer Spezialschere in Stücke. Foto: ube
Dienstag, 11.08 Uhr: Am Dienstagvormittag setzt Abbruch-Spezialist Adnan Halili sein zerstörerisches Werk fort. Für Außenstehende sieht es so aus, als würde der obere Teil des Getreidebunkers gleich auf den Bagger und seinen Fahrer stürzen. Foto: ube
Dienstag, 11.10 Uhr: Krachend sackt der Blechkasten in sich zusammen. Foto: ube
Dienstag, 14.30 Uhr: Nur noch die Hälfte des einst 38 Meter hohen Silos steht. Foto: ube

Den Stahlprofilwand-Speicher hatte die Zweigstelle der Wirtschaftlichen Landhandelsvereinigung (WLV) vor 50 Jahren bauen lassen. Fassungsvermögen: 2500 Tonnen auf einer Fläche von neun mal 19 Metern. 200 bis 250 Tonnen Stahl müssen abtransportiert werden. Diese Menge füllt 20 bis 25 Container, die jeweils 30 Kubikmetern fassen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt