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Gefährliche Gase in Gummimasken

veröffentlicht am 14.02.2010 um 19:48 Uhr
aktualisiert am 05.12.2017 um 14:36 Uhr

Hameln (jhe). Ob Tiger-, Hexen-, Piraten- oder Monsterkostüm – Verkleidungen gehören zum Fasching wie Karamellen zum Rosenmontag. Doch so schön es sein mag, für ein paar Stunden in eine andere Rolle zu schlüpfen, kann manch Maskerade gleichzeitig auch ein sehr ungesunder Spaß. Denn etliche Gummimasken, die vor allem bei Kindern und Jugendlichen beliebt sind, enthalten zum Teil hohe Mengen an Schadstoffen.
 Viele dieser Stoffe gelten als krebserregend, wie polyazyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Phthalaten oder Nitrosamine. Darüber berichtete das Verbraucher-Magazin Öko-Test in seiner jüngsten Ausgabe. „Wer seinen Kopf in eine solche Maske steckt, atmet jede Menge übles Zeug ein, darunter Aromaten, die das zentrale Nervensystem und innere Organe schädigen können“, heißt es auf der Internetseite des Verbraucher-Magazins. Öko-Test untersuchte insgesamt zehn Masken von Firmen wie Orlob Karneval, Rubies, KiK oder Festartikel Müller.
 Das bayerische Familienunternehmen Festartikel Müller beispielsweise bezieht seine Gummigesichter aus Fernost, da es laut Geschäftsführer Friedrich Müller in Deutschland seit etwa 20 Jahren keine Masken-Hersteller mehr gebe. Müller: „Unsere Waren sind verkehrsfähig, die gesetzlichen Bestimmungen wurden eingehalten. Dennoch nehmen wir die Testergebnisse sehr ernst.“ Für ein Zurückziehen der Masken sei es allerdings zu spät, da die Saison nun vorbei sei. Bevor der neue Katalog im April erscheine, wolle das Unternehmen allerdings eine Entscheidung treffen, „ob wir die Masken rausschmeißen oder mit den Herstellern zusammen die Werte senken“, sagt der Geschäftsführer.
 Für eine gelungene Verkleidung ist allerdings auch nicht unbedingt eine der schädlichen Gummimasken nötig. Großer Beliebtheit erfreuen sich die Gummifratzen laut Diethelm Plostica im närrischen Norden sowieso nicht. Der Präsident des 1. Hamelner Carneval Vereins weiß, welche weiteren Nachteile die Kautschukmasken neben der gesundheitsschädlichen Wirkung mit sich bringen: „So eine Maske kann ich vielleicht mal kurz zwischendurch aufsetzen, aber damit laufe ich nicht den ganzen Abend herum – tanzen oder sich unterhalten ist damit schlecht. Außerdem schwitzt man sehr darunter.“ Sein Kollege Günter Langosch vom Carneval Club Hameln pflichtet ihm bei: „Das Atmen unter einer Maske fällt ziemlich schwer und sie zu tragen, ist sehr unangenehm.“
 Statt zur Maske, rät Langosch zum Schminktopf zu greifen. Mit ein wenig künstlerischem Können „kann man sich auch so ziemlich verändern“. Und diese Veränderung durch Schminken und Verkleiden hat im Fasching eine lange Tradition, wie Diethelm Plostica erklärt: „In früherer Zeit wurde der Karneval dazu genutzt, um Kritik an der Kirche zu äußern.“ Unter der Verkleidung habe niemand seinen natürlichen Rollen-Erwartungen entsprechen müssen.



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