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Hamelner üben sich im Fasten und sehen es als Gewinn

Gebackene Bananen – da fällt der Verzicht schwer

Hameln (lkr/mafi). Seit dem Aschermittwoch ist der Spaß vorbei: Jetzt wird gefastet – und das 40 Tage lang. Natürlich ist heute niemand mehr dazu gezwungen, auch die Gläubigen nicht. Doch obwohl sich viele Menschen von den Kirchen abgewandt haben, ist das Fasten, der Verzicht auf liebgewonnene Gewohnheiten, zunehmend populär. Die Hamelnerin Simone Kirchner (21) zum Beispiel hat sich in diesem Jahr zum ersten Mal dazu durchgerungen: „Ich will das mal ausprobieren“, erklärt sie. „Erst wollte ich es knallhart durchziehen und auf alles verzichten, aber ich glaube, das wird nichts. Deshalb verzichte ich jetzt auf Süßigkeiten. Das wird schon schwer genug.“

veröffentlicht am 15.02.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 04.11.2016 um 14:41 Uhr

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Gaby Meyer (49) hat sich entschieden, ganz bewusst auf Fleisch zu verzichten. „Ich bin gespannt, wie lange ich das durchziehe“, sagt sie – und lässt damit durchblicken, dass der Erfolg nicht selbstverständlich, ein Misserfolg aber auch keine Katastrophe ist. Anna Emmel, die ebenfalls bis Ostern den Süßigkeiten abschwört, geht es dabei nicht nur um die Gesundheit und die Figur. „Ich möchte mir den Überfluss bewusst machen“, schildert die 26-jährige Sozialpädagogin, die in der katholischen Jugendarbeit aktiv ist. Der Verzicht könne dazu führen, das Leben wieder wertzuschätzen. Die guten Verhältnisse, in denen hier die meisten leben, empfänden besonders junge Leute heute als selbstverständlich.

Carsten Overdick (46), Diakon im „Haus der Kirche“ am Pferdemarkt, hat erstmals mit 16 Jahren „gefastet“. Damals hatte seine evangelische Jugendgruppe in den Wochen vor Ostern keine Motorfahrzeuge nutzen wollen. „Das haben wir nicht durchgehalten“, räumt Overdick ein. Später hat er mal den Fernseher wochenlang ausgelassen. Das sei einfach gewesen und habe sogar einen Zeitgewinn gebracht. In diesem Jahr will Carsten Overdick ohne Süßes und ohne Alkohol auskommen – nicht, um abzunehmen oder weil er sonst zu viel Alkohol konsumiere, sondern um zu erkennen, „was wirklich wichtig ist“. Als er gestern Mittag eine gebackene Banane stehen lassen musste, war das nicht einfach, erzählt er. Wirklich unverzichtbar sind für den Kirchenmitarbeiter Telefon und Internet – ob privat oder dienstlich. „Das wäre zu heftig“, meint Overdick.

„Das Fasten muss ein echter Verzicht sein – oder ein Gewinn“, sagt Thomas Risel (50), Pastor der Marktkirche. Er will für sieben Wochen täglich zwei Stunden lang zu Fuß oder auf dem Fahrrad, allein, mit anderen Menschen oder mit Hund die Landschaft und Natur wahrnehmen – und auch sich selbst. Gedanken zu wälzen oder Termine zu planen, sei in dieser Zeit tabu. „Am schönsten ist es am Morgen bei Sonnenaufgang“, hat Risel bereits festgestellt.

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S. Kirchner

Wer das traditionelle Fasten, das Einschränken beim Essen, richtig machen will, sollte während dieser Zeit viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Das rät Christine Schmidt. Die 42-Jährige arbeitet im Reformhaus und kennt sich aus: „Ich mache das zweimal im Jahr – im Frühjahr und im Herbst“, erzählt sie. „Dann gibt es bei mir nur noch Gemüsesäfte und -suppen. Nach zwei Wochen nehme ich noch Mineralien zu mir. Das ist besonders wichtig, wenn man viel Sport treibt.“ Schmidt fastet seit 15 Jahren regelmäßig. „Das Schöne ist, dass ich schon nach drei bis vier Tagen merke, wie mein Körper mehr Kraft bekommt. Außerdem habe ich, seitdem ich faste, keine Migräne mehr. Einen besseren Ansporn kann es gar nicht geben.“

Die Dewezet wird bei den genannten Fastenden in den nächsten Wochen mehrmals nachfragen, wie es läuft.



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