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Katie Hucks führt seit 35 Jahren Touristen durch die Stadt

Gästeführerin zeigt den Leuten Hameln, wie es ist

HAMELN. Dank ihrer langjährigen Erfahrung erkennt Stadtführerin Katharina Hucks schnell, was ihre Gäste wünschen – und darauf geht sie ein. Kein Herunterrasseln von Zahlen, sie zeigt den Leuten die Stadt, wie sie ist, und das seit nunmehr über 35 Jahren. „Keine Stadtführung ist wie die andere; das macht es sehr spannend“, schildert Hucks.

veröffentlicht am 17.04.2017 um 14:36 Uhr

Im Bürgergarten: Katharina Hucks führt Gäste aus den USA durch die Rattenfängerstadt. Foto: Dana

Autor:

Anastasia Patsiarizis
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In Schlesien aufgewachsen, ist Katharina Hucks, die die meisten einfach Katie nennen, mit ihrer Familie 1945 in Voremberg ansässig geworden und später nach Hastenbeck gezogen. Sie ging damals oft zu Fuß nach Hameln. Die Kriegsschäden im Zentrum sind ihr noch in Erinnerung – gerade der Bereich um die heutige Volksbank mit dem links angrenzenden Komplex war ein einziges Brandloch. Das darauf errichtete Kepa-Gebäude führte im Untergeschoss eine Kantine, was die Familie als modern und fortschrittlich empfand.

Katie Hucks startete als Gästeführerin während der Altstadtsanierung in den 80er Jahren. Etwas Kapazität an Zeit und ihr persönliches Interesse an der Stadtgeschichte führten sie zunächst zur Volkshochschule. Sie informierte sich im Stadtarchiv sowie beim Fremdenverkehrs-Verein. Beim Letzteren wurde sie auf die Aufgabe angesprochen. Das passte: Sie wollte ohnehin etwas Neues übernehmen.

Zwei Jahre Englisch-Studium an der Berlitz-Sprachenschule in Hannover und Hameln, sechs Jahre als Dolmetscherin für die englische Armee sowie ihr späterer englischer Ehemann haben sie befähigt, die Fremdsprache vollends zu beherrschen. Katie Hucks versteht fast alle Dialekte. Schon damals war sie für Bürgermeister als Dolmetscherin im Einsatz, bei Besuchen aus England und der Partnerstadt Torbay wurde sie gerne hinzugezogen.

Damals führten noch Schüler des Viktoria-Luise- und des Schiller-Gymnasiums und einige wenige Hausfrauen Gäste durch Hameln. Wenngleich überwiegend Schüler pflichtgemäß einen Ausflug zum „Rattenfänger von Hameln“ unternahmen, so kamen Anfang der 90er Jahre immer mehr Touristen mit dem Bus in die Rattenfängerstadt. „Hameln ist keine Weltstadt, aber die Welt kommt zu uns nach Hameln“, pflegt Katie Hucks bei ihren Stadtführungen gern zu sagen. Damals wurden die Gäste noch vom Bahnhof abgeholt und über die Ampel beim „Grünen Reiter“ geführt. Die Altstadtsanierung war beispielhaft in Deutschland, Schüler höherer Jahrgänge erkundigten sich an Ort und Stelle im Rahmen ihres Erdkunde-Unterrichts über das Konzept. Die Fußgängerzone brachte Hameln eine enorme Wertsteigerung. Heute werden über 3000 Gästeführungen gezählt, über 50 Gästeführer sind im Einsatz.

„Schon beim Eintreten in die Fußgängerzone wird ein Wohlgefühl ausgelöst“, meint Hucks. Besonders, wenn die Sonne scheint und die Häuser an der Osterstraße ins rechte Licht gesetzt werden, fühle man sich gleich wohl. „Wir haben in Hameln wunderschöne Fassaden und wir haben das Glück, dass wir eine Misch-Architektur haben, aus jedem Jahrhundert etwas“, so die Gästeführerin. „Vom Rattenfängerhaus sind alle beeindruckt“, sagt sie mit einem Lächeln. Gäste würden staunen, mit welch einfachen Mitteln die Sandsteinfassade verziert wurde. Dann wären sie überwältigt von den beiden Bürgermeisterhäusern: dem Stiftsherrenhaus und dem Leisthaus. Beide stehen in einem Vergnügungspark in Japan neben dem Heidelberger Schloss als Replik.

Zum Hamelner Münster meint sie: „Die alte Kirche hat schon was – sie ist eindrucksvoll und ein Ort der Ruhe für die Gäste.“ In der Marktkirche lenkt sie gerne den Blick der Gäste zum Rattenfänger-Fenster. Die zweite Fußgängerzonen-Sanierung sei sehr gelungen, die Häuser kommen noch mehr zur Geltung. „Abends wirkt die Altstadt verzaubernd und magisch“, findet Hucks.

Sie erlebte viel Humorvolles auf ihren Touren: Von einer Gruppe Viertklässler wurde sie mal zu McDonald’s eingeladen, bestellt wurde ihr ein Big Mac. Es war der Erste ihres Lebens. Sie fragte schüchtern nach Besteck, was bei den Schülern ein Riesengelächter hervorgerufen habe.

Die Besucher-Trends schwankten in all den Jahren: Erst kamen Amerikaner, dann Japaner und danach Chinesen. Der durchschnittliche englische Gast kam aus der Verwaltung, verfügte über ein gutes Gehalt. Später kamen viele Ex-Soldaten mit ihren Familien. Ein Herr aus England machte sich gar mit 93 Jahren auf den Weg, um den Rattenfänger zu sehen. Vertrauensvoll geben Firmen ihre Englisch sprechenden Geschäftspartner in die Hände von Frau Hucks: Halbtagsbetreuung, inklusive Mittagstisch, was auch Fahrten in die Umgebung einschließt. Darunter auch sehr viele Chinesen aus Hongkong. Sie führt viele Journalisten durch Hameln – neuerdings zudem Blogger. „Da ist ein Unterschied erkennbar“, meint sie. „Blogger sind mehr an Personen interessiert, schießen Selfies. Eine junge Dame wollte auf den Markt und interessierte sich für Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt, von Hamelns Geschichte wollte sie kaum etwas wissen“, sagt sie. Also dann: selbst gemachte Schokolade und selbst gepresster Apfelsaft aus eigenem Anbau auf dem Wochenmarkt – doch ohne im Pfannekuchenhaus einzukehren, ließ die Gästeführerin die Bloggerin nicht ziehen.

Mit Kindern und Jugendlichen arbeitet Katie Hucks besonders gern. Sie engagiert sich stark im Museum Hameln. Darüber hinaus gestaltet sie dort auch seit zwei Jahren ein lebhaftes Programm zur Stadtgeschichte für Migranten. Eine junge Frau aus Damaskus in Syrien schilderte ihr, dass sie in der Schule die Geschichte gelesen habe – diese Rückmeldung bekommt sie immer wieder. Menschen aus den USA, China, Japan, Afrika und Indien, Internatsschüler aus Bombay und Istanbul berichteten ihr davon. „Das ist schon verblüffend“, meint sie – und hofft, dass sie noch eine gute Weile im Einsatz bleiben kann.

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