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Ein Buch, eine Verleihung und eine Dankesrede in schönster Prosa: Rattenfänger-Literaturpreis für Felicitas Hoppe

Funkelnde Geschichten vom Gestern und Heute

Hameln. Wie bedankt sich eine Hamelnerin für einen Hamelner Literaturpreis? Natürlich, sie erzählt von Hameln. Und davon, wie sie sich bedanken würde, wenn sie keine Hamelnerin wäre. Typisch Felicitas Hoppe. Die erste heimische Preisträgerin des renommierten Rattenfänger-Literaturpreises verknüpfte gestern Abend in ihrer eloquenten Dankesrede das Gestern ihrer Kindheit mit dem Heute ihrer Anwesenheit in der Rattenfängerstadt zu einer funkelnden Geschichte, die (zufällig) auch vom Rattenfänger handelte. Ein großartiger Auftritt.

veröffentlicht am 26.11.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 09.11.2016 um 14:21 Uhr

Musik von Alon Sariel und Shir Shemesh (li.), Jubel mit Ratte: Felicitas Hoppe und OB Susanne Lippmann (M.), Viki-Lu-Schüler ins

Autor:

Karin Rohr
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Und ein wunderbarer Einstieg – in das Buch, das preisgekrönt wurde: „Iwein Löwenritter“. Ein Buch über die Liebe. Und über die Angst. Ein Buch über das Teilen und Tauschen. „Denn wenn man die Angst miteinander teilt, löst sie sich einfach in Luft auf“, schreibt Felicitas Hoppe: „Und als die Angst sich in Luft aufgelöst hatte, tauschten sie Herzen.“ Hoppe macht die ihrem Buch zugrunde liegende Geschichte des mittelalterlichen Epikers Hartmann von Aue zu einer neuen literarischen Erfindung: „Sie verwandelt Hartmanns Heldenroman in eine ebenso zarte wie unsentimentale Liebesgeschichte vom sich Finden und sich nach schmerzlicher Zeit der Trennung Wiederfinden“, führte Professor Dr. Bernhard Rank, Literaturwissenschaftler aus Heidelberg in seiner Laudatio aus und lobte das Buch als eine „Nach- und Neuschöpfung“, die Kinder und Jugendliche genauso fessele wie Erwachsene: „Es ist mit Abstand das beste unter den über 300 eingesandten Büchern.“

Die Hamelner Autorin hat sich längst international einen Namen gemacht und schon viele Auszeichnungen erhalten. Ihre Werke werden in zahlreiche Sprachen übersetzt. „Sie sind praktisch in der ganzen Welt unterwegs“, wandte sich Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann an die Preisträgerin und freute sich: „Und nun holt Sie der Rattenfänger-Literaturpreis zurück nach Hameln.“ Das sei „ein tolles Gefühl“ und „eine Sternstunde in der Geschichte des Preises“.

Dass Hoppes „Iwein Löwenritter“ ein so faszinierendes, sprachlich dichtes und vielschichtiges Werk ist, liegt nicht allein an der fantastischen Abenteuergeschichte aus dem Mittelalter, es ist auch die Erzählperspektive, die gefangen nimmt: Ein Löwe schlüpft in die Erzählerrolle. „Er stellt die Rittergeschichte, die von scheinbar Historischem handelt, in den Kontext einer mythischen Erzählung“, hob Professor Rank hervor. Damit verzahne die Autorin eine vergangene und gegenwärtige, eine fremde und eine vertraute Wirklichkeit. Und entdeckt – zeitenthoben – in dem uralten Stoff eine tiefere Bedeutung.

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Fest steht: Iwein aus der Tafelrunde des Artus hat uns auch heute noch viel zu sagen, wenn man ihn so zum Leben erweckt, wie dies Felicitas Hoppe gelingt. Dass sie dabei scheinbar mühelos, spannende Leseanreize mit literarischem Anspruch verbindet, lässt ihren „Iwein“ wie einen „Eisberg“ aus der Flut durchschnittlicher Angebote herausragen, wie Rank betonte. Die plastischen, bühnenbildartigen Illustrationen von Michael Sowa tragen das Ihrige dazu bei.

Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen, gelang auch den Musikern Alon Sariel und Shir Shemesh, die mit ihrer Musik den Bogen von alter zu neuer Musik spannten. Wie inspirierend Hoppes Buch ist, bewiesen Schüler des Viktoria-Luise-Gymnasiums, die „Iwein Löwenritter“ als Tanztheater erarbeiteten und eine Kostprobe ihres Könnens boten.

Bilder von der Literaturpreisverleihung im Internet unter www.dewezet.de



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