weather-image
23°

Ein Profi gibt Auskunft: Wie weit dürfen die Steine in der Fußgängerzone auseinanderliegen?

„Fugen sind zu breit“

Hameln. Über die Fugen zwischen den Pflastersteinen in der Hamelner Fußgängerzone wird oft heftig diskutiert. Zu tief und zu breit“ sagen Kritiker – „entsprechen der Norm“ heißt es von der Stadt. Doch wer hat nun Recht? Wir haben einen erfahrenen Tiefbau-Experten zum Thema befragt.

veröffentlicht am 02.03.2016 um 19:18 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:05 Uhr

270_008_7841970_hm309_fn_0303.jpg
Frank Neitz

Autor

Frank Neitz Reporter / Fotograf zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Hameln. Eine Fuge ist „im Bauwesen ein gewollter oder toleranzbedingter Spalt oder Zwischenraum zwischen zwei Bauteilen oder Materialien“. So beschreibt es Wikipedia. Fugen schlagen in Hameln aber auch hohe Wellen. Genauer gesagt die Spalten zwischen den Granitpflastersteinen in der Fußgängerzone. „Zu tief und zu breit“ sagen Kritiker – „entsprechen der Norm“ heißt es von der Stadt. Doch wer hat nun Recht? Diejenigen, die sich um abgebrochene Absätze Sorgen machen, an das Wohl durchgeschüttelter Babys in Kinderwagen oder Gehbehinderte in Rollstühlen denken? Oder die Planer in der Verwaltung, die die Fugenbreiten als korrekt ausgeführt bewerten?

Wer sollte es besser wissen als ein Profi? Wir haben einen erfahrenen Tiefbau-Experten zum Thema befragt. Sein Urteil sollte Gewicht haben, schließlich hat der Fachmann mit seinen Kollegen schon etliche fußballfeldgroße Flächen gepflastert – mit Beton- aber auch mit Naturpflastersteinen.

„Die Fugen sind ein Wermutstropfen“

Seinen Namen möchte der Experte lieber nicht in der Zeitung lesen. Eines schickt der Mann vorweg: „Das Pflaster hat die gesamte Altstadt aufgewertet. Die Arbeit ist Top ausgeführt. Auch die Arbeiter haben einen guten Job gemacht.“ „Wenn da nicht dieser Wermuttropfen wäre“, schiebt der Fachmann allerdings gleich nach. Ein Wermutstropfen? Genau, die Fugen! Mit deren Breite ist auch der Profi nicht zufrieden.

2 Bilder
Hier ist sie mit über zwei Zentimetern deutlich zu breit. Fotos: fn

„Eine Variante hätte es sein können, die Zwischenräume mit einer Kunststoff-Fugenmasse zu verfüllen“, so der Tiefbau-Experte. Das Material fülle die Zwischenräume bis fast an den Quader-Kantenrand, sei wasserdurchlässig und zudem resistent gegen Kehrmaschinen – würden also nicht ausgefegt, meint der Fachkundige. „Theoretisch kann man das noch nachträglich aufbringen“, erklärt der Profi. Das sei bei 20 bis 30 Euro pro Quadratmeter aber auch eine Frage des Geldes, weiß der Spezialist.

Doch wie breit dürfen Fugen im Pflaster nun sein? Gewerkespezifische technische Vorschriften über Ausführungen und Abrechnungen sind in einem erarbeiteten Regelwerk festgehalten – der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB). Der Fachmann verweist auf die darin aufgeführte DIN 18318. Dort heißt es unter „Decken aus Natursteinpflaster“: „Fugen müssen einen gleichmäßigen Verlauf aufweisen. Abhängig von der Nenndicke der Steine sind folgende Fugenbreiten, gemessen am oberen Rand der Steine, auszuführen: Kleinpflastersteine (9/11 Zentimeter) – fünf bis zehn Millimeter. Großpflastersteine (17/19 Zentimeter) – acht bis 15 Millimeter.“ Allerderings kenne der Pflasterleger die genauen Vertragsverhältnisse zwischen der Stadt und dem Unternehmer nicht. Darin könne es andere Regelungen geben, meint er.

Die in Hameln verlegten Granitsteine haben unterschiedliche Größen: von etwa 9 mal 9 Zentimeter bis 12 mal 16 Zentimeter. Also sind die 1,5 Zentimeter Abstand in Ordnung, wie die Stadt argumentiert.“ Es gibt sicherlich Toleranzbereiche, etwa wenn Steine einen Bauch haben. Ich sage: Eine 10 bis 15 Millimeter große Fuge ist in Ordnung“, legt sich der Mann fest. Breitere oder auch schmalere Fugen können irgendwann zu einem Schaden führen. „Dann stoßen Steine aneinander, kippeln oder drehen sich hoch.“

So passt die Fugenbreite, sagt der Fachmann.

Hier ist sie mit über zwei Zentimetern deutlich zu breit.Foto: fn



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?