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Projekt der Pestalozzi-Schule und Lehrer vom „Schiller“ ausgezeichnet

Fürs Fliegerprojekt schmiss Maretzke seinen früheren Job hin

HAMELN. Boris Maretzke liebt das Fliegen. „Es ist einfach die Freiheit in der Luft“, sagt der Lehrer der Pestalozzi-Schule in Hameln, der seine Faszination weitergeben möchte. Die Stiftung Niedersachsenmetall hat sein Fliegerprojekt jetzt ausgezeichnet. Auch ein Lehrer vom Schiller-Gymnasium wurde geehrt.

veröffentlicht am 28.11.2018 um 17:21 Uhr
aktualisiert am 28.11.2018 um 21:00 Uhr

„Ich möchte meine Faszination fürs Fliegen weitergeben“: Boris Maretzke zeigt ein Segelflugzeugmodell, das er zusammen mit Schülern der Pestalozzi-Schule gebastelt hat. Sein Projekt wurde jetzt ausgezeichnet. Foto: mo
Muschik, Moritz

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Ein Stück Styropor, eine Büroklammer und ein Holzbrett: Mehr braucht Boris Maretzke nicht, um bei seinen Schülern die Begeisterung fürs Fliegen zu wecken. Wie einen Papierflieger wirft der Lehrer den selbst gebastelten Luftwellengleiter nach oben – und lässt ihn mit Hilfe des Bretts durch die Aula der Pestalozzi-Schule gleiten. „Er balanciert sozusagen auf der Luftwelle“, sagt Maretzke. Sein Projekt geht über den Modellbau weit hinaus.

Boris Maretzke liebt das Fliegen. „Es ist einfach die Freiheit in der Luft“, sagt der Lehrer, der eigentlich gelernter Fluggerätemechaniker ist. „Vor 14 Jahren habe ich bei Airbus aufgehört, weil ich mich in der Fließbandarbeit nicht wiedergefunden habe“, erzählt Maretzke. Er wollte größere Zusammenhänge verstehen und vor allem: seine Faszination fürs Fliegen weitergeben.

Eine Zeit lang hielt er sich mit einem Job als Artist in einem Jugendzirkus über Wasser – und entschied sich schließlich, Lehrer zu werden. „Im Studium hat mich die Begeisterung fürs Fliegen wieder eingeholt“, erzählt er. Viele Seminararbeiten und die Masterarbeit schrieb er über dieses Thema. Nach seinem Referendariat auf der Insel Föhr landete er an der Pestalozzi-Schule in Hameln und etablierte an der Grund- und Oberschule ein Projekt, das er schon lange realisieren wollte: „Das fliegende Klassenzimmer.“ Und der Name ist auch Programm.

Mit Urkunde und Trophäe: Auch Dr. Endre Kajari vom Schiller-Gymnasium wurde ausgezeichnet. Foto: WAL
  • Mit Urkunde und Trophäe: Auch Dr. Endre Kajari vom Schiller-Gymnasium wurde ausgezeichnet. Foto: WAL

Wenn wir es schaffen, den Preis zu verdoppeln, können wir das Projekt krönen.

Boris Maretzke, Lehrer

Seit rund zwei Jahren ermöglicht Maretzke den Schülern der neunten und zehnten Klasse einen vertieften Einblick in die Welt der Luftfahrt. Er leitet sie an, selbst Flugmodelle zu konstruieren. In einem selbst gebauten Flugsimulator und einem Windkanal erleben die Schüler die Phänomene des Fliegens hautnah. Und nicht nur das: Auf dem Flugfeld können sie die Faszination Fliegen auch praktisch erleben. Regelmäßig geht Maretzke, der ausgebildeter Fluglehrer ist, mit seinen Schülern in Rinteln mit einem doppelsitzigen Motorschirmtrike in die Luft.

Die Stiftung Niedersachsenmetall hat das Projekt anlässlich des Bildungsforums 2018 jetzt ausgezeichnet – und mit einem Preis in Höhe von 5 000 Euro bedacht. Die Jury lobte neben der Vermittlung physikalischer und technischer Grundlagen auch, dass das Projekt der Berufsorientierung dient. Besonders positiv wurde bewertet, dass Maretzke zahlreiche Kooperationen mit Unternehmen geschlossen hat. Als erster Erfolg sei zu werten, dass ein ehemaliger Teilnehmer bereits eine Ausbildung als Fluggerätemechaniker begonnen habe.

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Auch Lehrer vom Schiller-Gymnasium geehrt

Auch Dr. Endre Kajari vom Hamelner Schiller-Gymnasium nahm vor rund 400 geladenen Gästen in der Galerie Herrenhausen am Dienstag eine Urkunde entgegen. Der Fachlehrer für Mathematik und Physik richtete eine Forscher-AG ein, um den Spaß am Experimentieren bei den Schülern zu wecken. Dazu gliederte Dr. Kajari das sogenannte GYPT-Zentrum an das „Schiller“ an. GYPT steht für „German Young Physicists‘ Tournament“. Das Zentrum unterstützt Schüler, die an der Deutschen Physikmeisterschaft teilnehmen möchten. Als Leiter vernetzt Dr. Kajari schulübergreifende MINT-Aktivitäten in der Region. Darüber hinaus engagiert er sich für die Einrichtung eines Schülerforschungszentrums in Hameln. Die außerschulische MINT-Plattform soll in Trägerschaft der Stadt bis 2020 eingerichtet werden. Die Abkürzung MINT fasst Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zusammen.

In der Jury-Begründung heißt es: „Mit seiner außergewöhnlichen fachlichen und pädagogischen Kompetenz motiviert er seine Schülerinnen und Schüler über einen längeren Zeitraum, an Projekten teilzunehmen und steht damit für eine nachhaltige MINT-Förderung.“ Die Jury habe besonders überzeugt, dass es Dr. Kajari gelinge, in einer Region abseits der Ballungsräume und ohne Anbindung an eine Universität oder Hochschule die MINT-Aktivitäten unterschiedlicher Anbieter zu vernetzen und eigene Angebote aufzubauen.

Auch Pestalozzi-Schulleiter Uwe Wilhelms-Feuerhake steht hinter dem Projekt: „Das ist etwas ganz Besonderes und ein fester Bestandteil an unserer Schule“, sagt er – und lobt ebenfalls die Chance der Berufsorientierung. Maretzke genieße für die Umsetzung besondere Freiheiten. Das werde auch vom Kollegium getragen. „Ohne seine Leidenschaft wäre das so nicht umzusetzen“, meint der Schulleiter.

Maretzke träumt nun davon, das Projekt noch zu erweitern. „Wenn wir es schaffen, den Preis zu verdoppeln, können wir das Projekt krönen“, sagt der Lehrer. Was er meint: Mit zusätzlichen 5 000 Euro und dem Preisgeld ließe sich ein doppelsitziger Drachenflieger finanzieren. Dafür hofft Maretzke auf Sponsoren. Es wäre die reale Großversion des Modells, das seine Schüler aus Styropor und einer Büroklammer bauen …



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