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Kantatengottesdienst in der Marktkirche mit Händels „Messiah“

„Fürchtet Euch nicht“

HAMELN. Traditionell zum so traditionsreichen Kantatengottesdienst in der Marktkirche am zweiten Weihnachtstag gehören eigentlich Kantaten aus Bachs Weihnachtsoratorium – doch diesmal erklang der erste Teil aus Händels „Messiah“, keine zehn Jahre später als der Bach-Klassiker entstanden.

veröffentlicht am 26.12.2017 um 16:26 Uhr

In der übervoll besetzten Marktkirche erklingt der erste Teil aus Händels „Messiah“. Foto: geb
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Autor

Richard Peter Reporter
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Und das so berühmte, immer wieder überwältigende „Halleluja“ aus dem zweiten Teil anstelle von „Es weidet seine Schafe“ – und das finale „Amen“ als Himmelsglanz zu einem ergreifenden Höhepunkt gestaltet. Dazwischen Meditationen der Pastoren Silvia Mustert, Jürgen Harms und Christof Vetter, ergänzt um Lieder, die von der Gemeinde gesungen wurden.

Händel in einer tiefe Krise – bei Stefan Zweig heißt es in den Sternstunden der Menschheit: „Das heilige Mühlrad stand still im erfrorenen Strome.“ Müde seiner selbst. Aber dann: Charles Jennens Libretto „Messiah“, das ihn wie ein Blitzschlag trifft. „Comfort ye“ – dieses „Sei getrost“ – ein „Engelruf aus verhangenem Himmel in sein verzagtes Herz“. In nur sechs Tagen schuf er den ersten von drei Teilen dieses gigantischen Werks, die beiden weiteren in ähnlich knapper Zeit. Eine überwältigende Leistung – ein Sturm an Inspiration. Zuletzt das gewaltige „Amen“, das sich aus tiefsten Tiefen in hellste Höhen schraubt. Ausgerechnet „Messiah“, so gar nicht als Oratorium oder Kirchenmusik konzipiert – Jennens nannte es ein „Grand Musical Entertainment“ – geriet zum alles überstrahlenden Glaubensbekenntnis. Die Textstellen beziehen sich, wild zusammengewürfelt, in erster Linie auf den von den Propheten angekündigten Messias.

Schon die einleitende Sinfony mit dem aufgeregten Gewimmel und Gewure im Allegro moderato, das erklärt, warum Maria und Josef in der übervollen Stadt keine Bleibe finden konnten. Zuvor schon Pastor Christof Vettter, der einen Vergleich zwischen der drangvollen Enge in Bethlehem und der übervoll besetzten Marktkirche zog. Und das „Fürchtet Euch nicht“ des Engels als eigentliche Weihnachtsbotschaft. Und das „Comfort ye“ – die Texte wurden alle im Original gesungen – als Tenor-Partie mit dem so aktuellen „Sprecht tröstlich mit Jerusalem“. Beeindruckend von Uwe Gottswinter gesungen mit gekonnten Steigerungen und überraschend, wie seine Stimme immer wieder wie aus dem Nichts entsteht.

Der erste jubelnde Choreinsatz mit „And the glory of the Lord“. Ganz in englischer Tradition , Beat Duddeck als Altus für die Altpartie mit Recitativ und Arie „O du, die du Zion frohe Botschaft bringst“. Ausdrucksvoll die Bass-Aria (Hans Christian Hinz) vom Volk, das im Dunkeln wandelte, von Händel durchaus tonmalerisch behandelt.

Meditation mit Jürgen Harms. Sein Thema: Vorahnung, Gefährdungen und die Entscheidung des Menschen für oder gegen Gott.

Die berühmte „Pifa“ als pastorale Sinfony und das Sopran-Rezitativ „Es waren Hirten auf dem Feld“ mit Francisca Prudencio mit gekonnten Koloraturen und der Arie „Rejoice greatly“ – „Frohlocke sehr“ – und fast nahtlos anschließend das „Haleluja“ aller „Halelujas“ – das sich gekonnt ins überirdisch Strahlende steigert.

Gemeinsames Singen, Gebete und ganz päpstlicher Segen – „urbi et orbi“ – und „O du fröhliche“ – dann Händels „Amen“ und stehender Applaus für Stefan Vanselow, das Ensemble Schirokko mit seinen historischen Instrumenten und natürlich die Hamelner Kantorei und die Solisten. Halleluja.

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