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Riesiges Interesse an den Erinnerungen von Olga Barbesolle an ihre Zeit als Zwangsarbeiterin in Hameln

Für sie war es der Tag der Befreiung

Hameln. „Befreit zu werden, war für viele Deutsche nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein längerer Prozess.“ Was Chefredakteur Frank Werner einleitend zu der Lesung des Buches „Les Sans-Amour – Die Ungeliebten“ von Olga Barbesolle und ihrer Tochter Hélène Coupé gestern Abend im Medienraum der Dewezet sagte, mag für jene Deutschen gegolten haben, für die der 8. Mai 1945 ein Tag der Niederlage war. Für die aus der Ukraine stammende Olga Barbesolle, geborene Mokroussowa, sollte schon der 7. April 1945, an dem die Amerikaner Hameln einnahmen, der große Tag der Befreiung und letztlich auch der Beginn eines glücklichen Lebens mit Robert Barbesolle sein. Den Mann hatte sie als Kriegsgefangenen im Rüstungswerk Domag kennen- und lieben gelernt und noch in Hameln geheiratet. Gemeinsam mit einem zweiten Paar war es die erste Trauung, die von den Briten in der Linsingen-Kaserne nach dem Ende der Naziherrschaft vollzogen wurde.

veröffentlicht am 08.04.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 22:41 Uhr

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Autor:

WolfharD F. TRuchseß
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Gemeinsam mit ihrer Tochter Hélène las Olga Barbesolle gestern aus dem vor 15 Jahren in Frankreich erschienen und in den vergangenen Jahren von der Kasseler Romanistin Sabine Denkwitz in Zusammenarbeit mit dem Historiker Bernhard Gelderblom übersetzten Werk. Es sind ihre Erinnerungen an die Jahre in dem Hamelner Industriebetrieb. Im März 1942 war sie als 16-Jährige von Charkow aus deportiert worden worden. Das Interesse der Hamelner an dieser Lesung, deren Übersetzung Sabine Denkwitz und Gelderblom vortrugen, war riesig, der Medienraum der Dewezet mit mehr als 120 Menschen aller Altersstufen buchstäblich bis auf den letzten Platz gefüllt. Mutter und Tochter, aber auch Gelderblom, zeigten sich sehr gerührt ob dieser offensichtlichen Anteilnahme an diesem Kapitel der Hamelner Stadtgeschichte.

In Viehwaggons waren die Menschen an jenem 29. März 1942 von Charkow aus erst nach Braunschweig transportiert worden. Bestimmungsort für Olga Mokroussowa und ihre ukrainische Schulkameradin Lena war Hameln. Anrührend und voller Empathie für ihre Gefährtinnen wird in dem Buch von der inzwischen 90-jährigen, noch gut Deutsch sprechenden Olga Barbesolle geschildert, wie schwierig das Leben unter der Knute der NS-Herrschaft war, wie hinhaltend Widerstand gegen die unerträgliche Ernährungslage geleistet wurde – „wer nicht isst, kann auch nicht arbeiten“ –, dass es mit „Papa Dreyer“ aber auch einen Deutschen gab, der als Betreuer der Frauenbaracken menschliche Züge hatte und mit Beifall als Gast bei der Hochzeit begrüßt wurde.

Das Buch „Les Sans-Amour – Die Ungeliebten“ ist nicht im Hass geschrieben. Es ist geschrieben als Zeugnis, das zeigt, wie Solidarität zwischen Menschen gänzlich unterschiedlicher Herkunft ihnen die Kraft gab, selbst schlimmste Lebensbedingungen durchzustehen – und am Ende zu vergeben. Herausgegeben von Bernhard Gelderblom, ist die deutsche Übersetzung im Verlag Jörg Mitzkat erschienen und ab heute im Buchhandel für 29 Euro erhältlich.

Olga Barbesolle (li.) und ihre Tochter Hélène bei der Begrüßung der Besucher im Medienraum der Dewezet. „In meinem Kopf bleibe ich immer jung und lustig“, sagte die 90-Jährige auf Deutsch. Dana



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