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Weit über 500 Jugendliche dabei

Für mehr Klimaschutz: Fridays for Future in Hameln

HAMELN. Nieselregen, Kälte und Freizeit halten sie nicht ab: Um 12 Uhr treffen sich am Freitag an der Hamelner Hochzeitshausterrasse mehrere Hundert Jugendliche, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Einer ersten Schätzung der Polizei zufolge sind weit über 500 Teilnehmer Teil der Aktion „Fridays for Future“.

veröffentlicht am 15.03.2019 um 12:44 Uhr
aktualisiert am 15.03.2019 um 18:10 Uhr

Bei der Demonstration „Fridays for Future“ gehen in Hameln weit über 500 Schüler auf die Straße. Foto: Dana

Autor:

Birte Hansen-Höche und Karen Klages

In über 100 Ländern gab es am Freitag wieder um die 1700 Kundgebungen für besseren Klimaschutz.

Die Hamelner Schülerinnen und Schüler beteiligen sich zum ersten Mal in ihrer Stadt. Einige waren zuvor schon nach Hannover zu den Demonstrationen gefahren. Jetzt werden vor Ort die Plakate hochgehalten. „Rettet unsere Erde, dann retten wir Eure Rente“, steht auf einem von ihnen. Oder: „Opa, was ist ein Schneemann?“, fragen die Schüler. Und provokativ in Richtung Politik: „Wäre das Klima eine Bank, hättet ihr es längst gerettet“. Auch gemalt wurde viel: Da sitzt ein Eisbär im Rettungsring und fragt „Wo ist mein Zuhause?“ Und unter dem Titel „Findet Nemo“ schwimmt der Fisch neben ganz viel Plastikmüll.

Um kurz nach halb eins ziehen die Demonstranten los. Der Schlachtruf „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“ begleitet sie über die Emmernstraße, am Wall vorbei und durch die Unterführung auf den Rathausplatz. „Der Schulstreik fürs Klima“, wie die Initiatoren sagen, soll vor allem von der Politik erhört werden. Einige Vertreter, wie Peter Kurbjuweit von der Partei Die Linke, Grünen-Politikerin Anett Dreisvogt und CDU-Ratsherr Gerhard Paschwitz, verfolgen die Demonstration. „Ihr da im Rathaus, tut etwas gegen den Klimawandel. Ich bin zwölf Jahre alt und kann nicht so viel dagegen tun“, ruft ein Schüler in Richtung Rathaus. Zusammen schicken alle Demonstranten eine La-Ola-Welle hinterher. Und die Initiatoren der Kundgebung rufen durch die Lautsprecher „Hopp, Hopp, Kohle stopp“. Nicht nur zum Nachdenken und Anregen, sondern vor allem zum Handeln fordern die Schüler auf. „Wir müssen alle etwas tun, und zwar jetzt“, sagt Philipp Hundertmark von der Handelslehranstalt ins Mikrofon. Er berichtet zusammen mit Julius Faehndrich vom Vikilu vom massiven Problem des Bienensterbens, vom Zusammenbruch der Ökosysteme; die Menschen müssten ihr Verhalten grundlegend ändern. „2038“, so steht es auf einem Plakat „ist es zu spät“.

Nwroz (18) versucht wie viele andere, Plastik zu vermeiden – und geht demonstrieren. FMG

Die sechste Schulstunde, die einige Schüler für die Demonstration ausfallen lassen haben, ist längst vorbei. Noch immer stehen sie auf dem Rathausplatz, die Plakate vom Nieselregen schon durchgeweicht, und singen „We are the world“ und „Over the rainbow“. Dann, etwas früher als geplant, gehen die Schüler um kurz nach halb zwei auseinander. Ihren Müll, so hatte Mitinitiator Hagen Langosch vom Albert-Einstein-Gymnasium vorher gebeten, sollten sie bitte nicht liegen lassen, „wir sind hier ja bei einer Umweltdemo“. Was manch einen trotzdem nicht davon abhielt, mit Plastikflasche und Coffee-to-go-Becher zur Demo zu kommen.

Lesertelefon am Dienstag: Rufen Sie uns an und sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema Klimawandel, Nachhaltigkeit und Schülerdemos „Friday for Future“ – die Redaktion schaltet am Dienstag von 10.30 bis 12 Uhr das Lesertelefon 05151/200419.

Information

Und was macht ihr?

Es gibt viele Möglichkeiten, sich für den Klimaschutz zu engagieren, wie zum Beispiel den Verzicht auf Plastiktüten oder tierische Produkte. Aber was tun die Schüler, die bei der Demonstration „Fridays for Future“ in Hameln waren, eigentlich selbst konkret gegen den Klimawandel? Wir haben nachgefragt.

„Wir wollen auch eine Zukunft haben“, erzählt eine Gruppe Jungs, die am Hochzeitshaus darauf wartet, dass die Demo in Richtung Rathaus aufbricht. Andere sagen, dass sie nicht einfach nur zusehen wollen, bis es zu spät sei.

Jan (18) findet es gut, dass in Deutschland „was passiert“ und es mittlerweile einen großen Zusammenschluss von Schülern gebe. Er sagt, dass er langsam anfange, sein Denken zu verändern und auf Plastik weitestgehend verzichte. Das trifft auch auf Lina zu, die ebenfalls unter den Demonstrierenden ist und erzählt, dass ihre Familie zu Hause zudem generell auf Produkte verzichtet, in denen Palmöl enthalten ist. Grund: Um Platz für Ölpalmen zu schaffen, werden Regenwaldflächen gerodet. Sie hätten schon in der sechsten Klasse angefangen, Greenpeace zu unterstützen, berichten einige Mädchen, die sich im Politikunterricht mit der Initiative der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg auseinandergesetzt haben und sie als Vorbild sehen. Leoni und Lena (beide 18) gehören zur Schülervertretung des Vikilu und haben „Fridays for Future“ mitorganisiert. „Wir machen noch lange nicht alles, aber versuchen schon viel zu tun.“ Die beiden haben ihren Fleischkonsum verringert und fahren oft Fahrrad – anstatt das Auto zu nutzen.

Weniger Fleisch essen auch Annika (18) und Jana (17), die gekommen sind, um „Fridays for Future“ zu unterstützen. Und Jana checkt zum Beispiel im Supermarkt, ob sie das in Plastik verpackte Produkt auch noch unverpackt findet. „Ich will protestieren, weil wir was tun müssen“, sagt Nwroz (18). Sie wirft ihren Müll nicht auf die Straße und versucht ebenfalls, Plastik zu vermeiden. Plastikvermeidung nennen übrigens die meisten Schüler im Zusammenhang mit dem Klimaschutz. Stattdessen solle Glas genutzt werden, fordert Leoni.

Auch der Stecker wird sofort gezogen, wenn das Handy voll ist, sagen einige Schüler. Denn Smartphones, die mit vollem Akku ans Netz angeschlossen sind, ziehen „kontinuierlich Strom“, bestätigt der Naturschutzbund Deutschland. Viele kleine Maßnahmen aus dem Alltag haben die Schüler auf ihrer Agenda. Und warum gehen sie dann noch auf die Straße? Die Gruppe Jungen erklärt es: „Wir wollen uns einsetzen, weil die Politiker es nicht hinbekommen.“ Fenja-Marie Giebel

Fridays for Future

26 Bilder
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Quelle: Dana


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