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Minister will gegen Schulschwänzer vorgehen – Hameln macht es längst und verhängt Bußgelder

Für manche sind die Ferien noch nicht vorbei

Hameln (CK). Die Herbstferien sind mal gerade zwei Tage vorbei, zwei Wochen hatten Hamelns Schüler Zeit, sich von ihrer „Penne“ zu erholen. Aber manchen scheint die Zeit bis zu den Weihnachtsferien offenbar zu lang zu sein: Sie genehmigen sich selbst eine Verlängerung. Schule schwänzen, das ist vor allem in den oberen Klassen ein Problem. Und genau dagegen soll nach dem Willen von Kultusminister Bernd Althusmann jetzt rigoroser vorgegangen werden.

veröffentlicht am 02.11.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.11.2016 um 17:41 Uhr

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Viele Mädchen und Jungen im Alter so etwa ab 15 Jahren gönnen sich ganz nach Belieben solche Auszeiten, oftmals mit leicht durchschaubaren Ausreden, manchmal aber auch einfach unentschuldigt. Und das, obwohl sie schulpflichtig sind, und zwar volle zwölf Jahre lang. Lehrer können ein Lied davon singen, wie schwierig es ist, ihre Schützlinge zum regelmäßigen Schulbesuch anzuhalten. „Aber wenn etwa in einer Familie morgens niemand pünktlich aufsteht, wie kann ich das dann von meinem Schüler erwarten? Denen fehlt dann das Vorbild“, sagt resigniert Andreas Meier (Name von der Redaktion geändert). Der Hauptschullehrer weiß, wovon er spricht: Nicht nur einmal hat er seine „heißen Kandidaten“, die immer mal wieder der Hauptschule fernbleiben, an der er unterrichtet, persönlich zu Hause aufgesucht. Hat versucht, auch mit Müttern und Vätern ins Gespräch zu kommen. Und ist doch immer wieder an Grenzen gestoßen. Dabei droht der Pädagoge nicht nur Bußgelder an, sondern beantragt sie auch. Wenn nichts mehr hilft, schaltet er nämlich – wie auch der größte Teil seiner Kollegen – das Ordnungsamt der Stadt ein. Und das hat laut Pressesprecher Thomas Wahmes bereits einen ganzen Maßnahmenkatalog für Schulschwänzer, wie ihn auch der Minister fordert.

Nach seinen Worten gehen bei der Verwaltung Anzeigen über unentschuldigte Fehltage oder -stunden von praktisch allen Schulen im Stadtgebiet ein. Die Stadt verschickt dann zunächst einen Anhörungsbogen an die Erziehungsberechtigten, das der Einleitung eines Bußgeldverfahrens vorausgeht. Kann der Vorwurf des Schwänzens nicht entkräftet werden, wird eine Geldbuße festgesetzt. Bis zu zehn Fehltage beträgt sie 25 Euro, bis zu 20 Tage 50 Euro, bei 30 Tagen sind es immerhin schon 75 Euro und darüber hinaus werden sogar 100 Euro fällig, zuzüglich Gebühren. Und bei Folgeanzeigen erhöht sich dieses Bußgeld noch einmal um die Summe der neuen Anzeige. 2009 gab es etwa 527 Anzeigen (Vorjahr 539), 2010 insgesamt 418, in diesem Jahr (bis vorgestern) 415. Wahmes: „Da November und Dezember sozusagen starke Monate sind, werden wir auf 500 kommen.“

Teilt ein Schüler der Stadt mit, dass er nicht zahlen kann, wird er übrigens zu gemeinnütziger Arbeit verdonnert – die Stadt beantragt dann beim zuständigen Jugendrichter die Erteilung einer Arbeitsauflage. Diese Auflagen werden von der Jugendgerichtshilfe des Landkreises Hameln-Pyrmont zugewiesen und auch überwacht. Werden sie nicht eingehalten, droht sogar Jugendarrest (eine Woche etwa pro Verfahren). Meier berichtet von der Schülerin eines Kollegen, die derart hartnäckig schwänzte, dass als letzte Konsequenz nur der Gang hinter Gitter bliebe. Und der scheint wirksam gewesen zu sein: „Danach ging die junge Frau gradeaus,“ formuliert der Hauptschullehrer flapsig.

Die einzelnen Hamelner Schulen gehen mit ihren Schwänzern unterschiedlich um: „Wenn Gespräche mit Schülern und Eltern nichts fruchten, werden wir als Stadt eingeschaltet“, sagt Wahmes. Das muss allerdings nicht immer die letzte Konsequenz sein: Auch Sozialarbeiter oder Polizisten, die eine Art Schulpatenschaft übernehmen, können manchmal hilfreich sein.

Relativ einfach in ihrem Kampf gegen Schulschwänzer haben es vermutlich die berufsbildenden Schulen: Fällt ein Schüler dort immer wieder wegen Schwänzens auf, informieren sie in aller Regel den Ausbildungsbetrieb. Und die Konsequenzen eines solchen Anrufs, so ein Berufsschullehrer, der namentlich nicht genannt werden möchte, könne sich jeder Lehrling selbst ausrechnen...

Lustlos, cool, uninteressiert. Statt in der Schule verbringen manche Jugendliche ihre Zeit lieber mit Rumhängen. Der Kultusminister fordert jetzt ein schärferes Vorgehen.

Foto: Bilderbox



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