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Dick & Doof sind jetzt zwei Rapper aus Hameln und Hannover / Neue EP noch in diesem Sommer

„Für manche ist unser Humor zu hart“

Hameln. Wer hätte das gedacht? Sommer 2013 – und die Dewezet wird in der Altstadt zu einem Pressegespräch mit Dick & Doof eingeladen. Aber natürlich handelt es sich hierbei nicht um das berühmte Komikerduo Stan Laurel und Oliver Hardy, sondern um zwei Rapper aus Hameln und Hannover, die den beiden Humoristen mit der Namensadaption lediglich huldigen wollen.

veröffentlicht am 15.07.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 14:21 Uhr

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Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Es ist Samstagnachmittag, und mit Oettinger in der Hand und zwei weiteren Mitgliedern ihrer Crew Psaiko Music (Psaiko ist eine Verballhornung des englischen „psycho“) geht es in den Bürgergarten. Während Dick, Doof und Max Gref alias Max Pain es sich auf einer Bank bequem machen, fläzt sich der redselige Lev Rudi alias L.E.V. („Ich rede gern!“) in Shorts und mit nacktem Oberkörper der Länge nach auf dem Rasen und entpuppt sich als inoffizieller Pressesprecher von Dick & Doof. „Chill doch mal“, zügelt Dick alias G-Ko alias Christian Pook (22) Levs Eifer. „Wir sind Dick und Doof der Neuzeit“, sagt der aufgeschlossene Doof alias Maxxi.P. alias Maximilian Putnai (21) aus Hannover. „Nur ist unser Humor schwarz, sehr schwarz, und geht unter die Gürtellinie.“

Der eher zurückhaltende Hamelner Dick ergänzt: „Für manche ist der Humor zu hart. Aber komischerweise beklagt sich nie jemand über Filme, in denen Menschen abgeschlachtet werden. Dabei ist fast alles, was wir sagen, fiktiv. Ich habe jedenfalls noch keine Mutter wirklich kopfüber in ein Dixieklo gesteckt.“

Ihr Humor, sagen sie, sei mit sarkastischen Comicserien wie Family Guy, South Park oder der Ren & Stimpy Show vergleichbar. Eine Affinität zur Comickunst liegt nicht zuletzt darin begründet, dass Doof an der Freien Akademie der Bildenden Kunst in Hannover bereits eine Ausbildung zum Comiczeichner gemacht hat. Zurzeit lässt er sich zum Mediengestalter ausbilden. Und Dick ist noch dabei, seine Fachhochschulreife an der Handelslehranstalt zu machen.

Doch mit Einbruch des Feierabends werde dem Lebensgefühl ihrer Crew Psaiko Musik gefrönt. Worin der besteht? „Alkohol, Rumlaufen, Rumschreien oder auf offener Straße den Harlem Shake tanzen, und damit die Straßenlaternen ausgehen lassen – was auch immer uns einfällt“, schildert Dick. „Wir verhalten uns kindisch, obwohl wir durchaus erwachsen sind. Lev klettert zum Beispiel gern auf Bäume.“ Und Lev ergänzt: „Natürlich sind unsere Texte fast alle fiktiv, aber die Gefühle, die wir dabei haben, die leben wir!“ Lev erklärt das lose Kollektiv Psaiko Music: „Das ist der Überbegriff für unsere Crew aus Hameln und Hannover. Jeder Helfer ist Teil dieser Bewegung. Das sind nicht nur Rapper, sondern einfach Leute, die unsere Vision teilen.“

Sowohl Dick als auch Doof hatten schon Musik gemacht, bevor sie sich vor einigen Jahren kennenlernten. Dick mit zwei Freunden unter dem Namen DeZet, Doof in Hannover mit seiner Crew 0511. Über die Musik lernten sie sich kennen, teilten von Anfang an Humor und Musikgeschmack. Als Haupteinfluss nennen beide den US-Rapper Tech N9ne und dessen Label Strange Music. 2007 standen Dick & Doof zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne, weitere Auftritte folgten, auch im „Regenbogen“.

Inzwischen können Dick & Doof zahlreiche Veröffentlichungen im Eigenvertrieb vorweisen: CDs, kostenlose Downloads und Videos. Für die Musik zeichnet der laut Doof sehr selbstkritische Dick verantwortlich, der ihre Beats bis heute mit dem Computerprogramm Fruity Loops produziert. „Unser Equipment ist sehr beschränkt“, merkt Lev an. „Aber gerade deshalb ist G-Ko für mich der Beste.“ Zurzeit sind sie dabei, ihre neue EP abzuschließen, die noch in diesem Sommer als kostenloser Download erscheinen soll.

Während es bei Dick & Doof vor allem darum geht, zu schockieren, hat Doof als Solokünstler Maxxi.P., der nicht nur rappt, sondern auch singt, einen anderen Anspruch. Als „ernst, deep und persönlich“ beschreibt er seine Texte, die von einem von Depressionen geprägten Alltag handelten. „Ich bin ein depressiver Mensch“, sagt er. Doch Lev merkt an: „Depression ist heute eine Volkskrankheit. Wir sind doch alle depressiv!“

„Herzblut“ soll Maxxi.P.s in Kürze erscheinende EP heißen und davon handeln, wie schwierig es sei für Untergrundkünstler wie ihn, „von unten nach oben zu kommen, während andere mit Scheiße groß rauskommen“. Am Ende komme es aber nur darauf an, „immer weiterzumachen“. Dick, der sich auch G-Ko nennt, möchte sich textlich noch nicht neu ausrichten. „Ich fühle mich für ernsthafte Texte noch nicht bereit“, sagt er leise. „Dabei hätte er einiges zu erzählen!“, merkt Doof an.

Am Abend soll die Heimatzeitung noch einen Eindruck von der Aufnahmesession in Dicks Zimmerstudio bekommen. Doch dazu kommt es nicht mehr. Wie Doof am Telefon mitteilt, hat sich Lev gerade auf dem Weg zum Supermarkt bei einem Vorwärtssalto eine Platzwunde am Kopf zugezogen und muss ins Krankenhaus – psaiko!

Hinweis: Hörproben gibt es unter anderem bei Facebook, einfach nach „Dick & Doof (G-Ko & MaXXi.P)“ suchen.



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